Seit 2009 war Straumann Lehrbeauftragter an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und seit Frühjahr 2014 zusätzlich Titularprofessor an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Er lehrt dort seit Dezember 2021 als ordentlicher Professor ad personam für Geschichte der Neuzeit und Wirtschaftsgeschichte[1] und leitet das Nachdiplomstudium MAS in Applied History.[2]
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Das hier war eh allen deutschsprachigen Qualitätszeitungslesern bekannt, oder?
Herr Straumann, die Partnerschaft zwischen den USA und Europa wirkt zerrüttet. Hat das transatlantische Bündnis noch eine Zukunft?
Dieses Bündnis wird von den Europäern oft idealisiert dargestellt. Effektiv jedoch war es nie eine gleichwertige Partnerschaft. Die Amerikaner haben nach dem Zweiten Weltkrieg von Anfang an den Takt vorgegeben, und Europa musste schon immer gehorchen.
[…]
Welches Motiv hatten die Amerikaner?
Sie wollten die Fehler der Zwischenkriegszeit nicht wiederholen. Damals hatten die Alliierten ein Reparationsregime errichtet, das den unterlegenen Deutschen eine Reparationssumme auferlegte, die in Berlin von Beginn weg abgelehnt wurde. Wichtig war auch der Kalte Krieg: Damit Westdeutschland als Bollwerk gegen die Kommunisten und die Sowjetunion bestehen konnte, brauchte es Wachstum. Doch selbst in Deutschland existierte ein starker Antiamerikanismus, und die Leute empörten sich über die Einmischung der USA. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde als Erfüllungsgehilfe der Amerikaner kritisiert.
Doch letztlich haben die Europäer das amerikanische Diktat stets akzeptiert.
Ja, auch später, als es Europa wirtschaftlich wieder gut ging. Am weitesten ging der Widerstand beim französischen Präsidenten Charles de Gaulle in den 1960er Jahren. Er behielt das Land zwar im Verteidigungsbündnis der Nato, widersetzte sich aber dem amerikanischen Oberbefehl. Zudem torpedierte er die Vorherrschaft der USA auf dem Devisenmarkt, indem Frankreich seine Dollar-Erträge umgehend in Gold umtauschte. Dies beschleunigte den Zusammenbruch der globalen Währungsordnung von Bretton Woods mit dem Goldstandard. In der Folge verlor der Dollar dramatisch an Wert. Auch der Nato-Doppelbeschluss von 1979 als Reaktion auf die Aufrüstung der Sowjetunion führte zu einer breiten Protestbewegung sowie zum Sturz des deutschen Kanzlers Helmut Schmidt. Ernsthaft aber hat sich Europa nie gegen die USA aufgelehnt.
Seit Russland Krieg gegen die Ukraine führt, ist Europa noch abhängiger von Amerika. Doch nun droht US-Präsident Trump damit, sein Land könnte sich aus der Nato zurückziehen. Halten Sie einen solchen Bruch für möglich?
Auch die USA stehen massiv unter Druck. Mit dem Aufstieg von China ist ein neuer Rivale entstanden. Das bedeutet für Amerika eine historische Herausforderung – das Land muss seine Kräfte bündeln. Dass dies zum Rückzug aus Europa führen könnte, halte ich allerdings für unwahrscheinlich, zumal sich die europäischen Nato-Länder nun viel stärker an den Verteidigungskosten beteiligen wollen.
Der Zollstreit vom letzten Jahr hat den Machtverlust Europas eindrücklich demonstriert: Während die EU die höheren Zölle geschluckt hat – manche sprechen von einem Kniefall –, hat China den USA die Stirn geboten.
Die grossen EU-Länder sind angeschlagen, das ist eine Tatsache. Deutschland, Frankreich und Italien leiden unter einer gravierenden Wachstumsschwäche. Dieses Problem müssen die einzelnen Mitgliedsländer selbst lösen, das kann ihnen die EU nicht abnehmen. Es wäre daher eine falsche Reaktion, jetzt noch mehr Macht von den Staaten an die EU-Zentrale zu übertragen.
Reicht die Zeit für Reformen? Oder ist der Zug für Europa bereits abgefahren?
Europa hat enorme Stärken, etwa in der Bildung und Forschung. Ich denke schon, dass jetzt ein Ruck durch den Kontinent geht. Man sieht bereits, dass in der Politik wieder mehr Realismus einkehrt. Doch der Erfolg wird nicht von heute auf morgen kommen, das braucht viel Zeit und Geduld.
src: click (NZZ)
Gut, dass das mal ein Professor für die Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit an der Universität Zürich sagt.
Wir in Österreich hatten ja bis jetzt nur Österreich II vom Hugo Portisch, da fehlte der Teil irgendwie…
Dafür wurde der Hugo ja auch wie ein Nationalheld geadelt.
Das lag jetzt aber bestimmt nicht am deutschsprachigen Qualitätsjournalimus.
An Spritzer aufn Hugo!

2018 wurde Hugo Portisch Ehrenbürger von Wien. 2022 wurde eine Verkehrsfläche in unmittelbarer Nähe zum ORF-Zentrum nach Hugo Portisch benannt.
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Gott hab ihn seelig.
Grüße nach Alpbach, bitte.
