Kurze Durchsage von Straumann

30. Januar 2026

Seit 2009 war Strau­mann Lehr­be­auf­trag­ter an der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Basel und seit Früh­jahr 2014 zusätz­lich Titu­lar­pro­fes­sor an der Phi­lo­so­phi­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Zürich. Er lehrt dort seit Dezem­ber 2021 als ordent­li­cher Pro­fes­sor ad per­so­nam für Geschich­te der Neu­zeit und Wirtschaftsgeschichte[1] und lei­tet das Nach­di­plom­stu­di­um MAS in App­lied History.[2]

src: click

Das hier war eh allen deutsch­spra­chi­gen Qua­li­täts­zei­tungs­le­sern bekannt, oder?

Herr Strau­mann, die Part­ner­schaft zwi­schen den USA und Euro­pa wirkt zer­rüt­tet. Hat das trans­at­lan­ti­sche Bünd­nis noch eine Zukunft?

Die­ses Bünd­nis wird von den Euro­pä­ern oft idea­li­siert dar­ge­stellt. Effek­tiv jedoch war es nie eine gleich­wer­ti­ge Part­ner­schaft. Die Ame­ri­ka­ner haben nach dem Zwei­ten Welt­krieg von Anfang an den Takt vor­ge­ge­ben, und Euro­pa muss­te schon immer gehorchen.

[…]

Wel­ches Motiv hat­ten die Amerikaner?

Sie woll­ten die Feh­ler der Zwi­schen­kriegs­zeit nicht wie­der­ho­len. Damals hat­ten die Alli­ier­ten ein Repa­ra­ti­ons­re­gime errich­tet, das den unter­le­ge­nen Deut­schen eine Repa­ra­ti­ons­sum­me auf­er­leg­te, die in Ber­lin von Beginn weg abge­lehnt wur­de. Wich­tig war auch der Kal­te Krieg: Damit West­deutsch­land als Boll­werk gegen die Kom­mu­nis­ten und die Sowjet­uni­on bestehen konn­te, brauch­te es Wachs­tum. Doch selbst in Deutsch­land exis­tier­te ein star­ker Anti­ame­ri­ka­nis­mus, und die Leu­te empör­ten sich über die Ein­mi­schung der USA. Der dama­li­ge Bun­des­kanz­ler Kon­rad Ade­nau­er wur­de als Erfül­lungs­ge­hil­fe der Ame­ri­ka­ner kritisiert.

Doch letzt­lich haben die Euro­pä­er das ame­ri­ka­ni­sche Dik­tat stets akzeptiert.

Ja, auch spä­ter, als es Euro­pa wirt­schaft­lich wie­der gut ging. Am wei­tes­ten ging der Wider­stand beim fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Charles de Gaul­le in den 1960er Jah­ren. Er behielt das Land zwar im Ver­tei­di­gungs­bünd­nis der Nato, wider­setz­te sich aber dem ame­ri­ka­ni­schen Ober­be­fehl. Zudem tor­pe­dier­te er die Vor­herr­schaft der USA auf dem Devi­sen­markt, indem Frank­reich sei­ne Dollar-Erträge umge­hend in Gold umtausch­te. Dies beschleu­nig­te den Zusam­men­bruch der glo­ba­len Wäh­rungs­ord­nung von Bret­ton Woods mit dem Gold­stan­dard. In der Fol­ge ver­lor der Dol­lar dra­ma­tisch an Wert. Auch der Nato-Doppelbeschluss von 1979 als Reak­ti­on auf die Auf­rüs­tung der Sowjet­uni­on führ­te zu einer brei­ten Pro­test­be­we­gung sowie zum Sturz des deut­schen Kanz­lers Hel­mut Schmidt. Ernst­haft aber hat sich Euro­pa nie gegen die USA aufgelehnt.

Seit Russ­land Krieg gegen die Ukrai­ne führt, ist Euro­pa noch abhän­gi­ger von Ame­ri­ka. Doch nun droht US-Präsident Trump damit, sein Land könn­te sich aus der Nato zurück­zie­hen. Hal­ten Sie einen sol­chen Bruch für möglich?

Auch die USA ste­hen mas­siv unter Druck. Mit dem Auf­stieg von Chi­na ist ein neu­er Riva­le ent­stan­den. Das bedeu­tet für Ame­ri­ka eine his­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung – das Land muss sei­ne Kräf­te bün­deln. Dass dies zum Rück­zug aus Euro­pa füh­ren könn­te, hal­te ich aller­dings für unwahr­schein­lich, zumal sich die euro­päi­schen Nato-Länder nun viel stär­ker an den Ver­tei­di­gungs­kos­ten betei­li­gen wollen.

Der Zoll­streit vom letz­ten Jahr hat den Macht­ver­lust Euro­pas ein­drück­lich demons­triert: Wäh­rend die EU die höhe­ren Zöl­le geschluckt hat – man­che spre­chen von einem Knie­fall –, hat Chi­na den USA die Stirn geboten.

Die gros­sen EU-Länder sind ange­schla­gen, das ist eine Tat­sa­che. Deutsch­land, Frank­reich und Ita­li­en lei­den unter einer gra­vie­ren­den Wachs­tums­schwä­che. Die­ses Pro­blem müs­sen die ein­zel­nen Mit­glieds­län­der selbst lösen, das kann ihnen die EU nicht abneh­men. Es wäre daher eine fal­sche Reak­ti­on, jetzt noch mehr Macht von den Staa­ten an die EU-Zentrale zu übertragen.

Reicht die Zeit für Refor­men? Oder ist der Zug für Euro­pa bereits abgefahren?

Euro­pa hat enor­me Stär­ken, etwa in der Bil­dung und For­schung. Ich den­ke schon, dass jetzt ein Ruck durch den Kon­ti­nent geht. Man sieht bereits, dass in der Poli­tik wie­der mehr Rea­lis­mus ein­kehrt. Doch der Erfolg wird nicht von heu­te auf mor­gen kom­men, das braucht viel Zeit und Geduld.

src: click (NZZ)

Gut, dass das mal ein Pro­fes­sor für die Wirt­schafts­ge­schich­te der Neu­zeit an der Uni­ver­si­tät Zürich sagt.

Wir in Öster­reich hat­ten ja bis jetzt nur Öster­reich II vom Hugo Por­tisch, da fehl­te der Teil irgendwie…

Dafür wur­de der Hugo ja auch wie ein Natio­nal­held geadelt.

Das lag jetzt aber bestimmt nicht am deutsch­spra­chi­gen Qualitätsjournalimus.

An Sprit­zer aufn Hugo!

HugoPortisch

2018 wur­de Hugo Por­tisch Ehren­bür­ger von Wien. 2022 wur­de eine Ver­kehrs­flä­che in unmit­tel­ba­rer Nähe zum ORF-Zentrum nach Hugo Por­tisch benannt.

src: click

Gott hab ihn seelig.

Grü­ße nach Alp­bach, bitte.









Hinterlasse eine Antwort