Allensbach hat die europäischen Werte gefunden!

23. August 2022

Die Mehr­heit der Deut­schen hat zwar Zwei­fel, ob es die in der Öffent­lich­keit so oft beschwo­re­nen euro­päi­schen Wer­te tat­säch­lich gibt, gleich­zei­tig hat sie aber kla­re Vor­stel­lun­gen über ein euro­päi­sches Wer­te­sys­tem. Grund für die­se merk­wür­di­ge Dis­kre­panz könn­te die wahr­ge­nom­me­ne Zer­strit­ten­heit der EU-Mitgliedsstaaten, aber auch der Wunsch nach einem star­ken und selbst­be­wuss­ten Euro­pa sein, das die Bevöl­ke­rung im Ukraine-Krieg ger­ne deut­li­cher erken­nen wür­de. Dabei wird die EU neben ihrer wirt­schaft­li­chen Bedeu­tung zuneh­mend als poli­ti­sche Gemein­schaft gese­hen. Eine rela­ti­ve Mehr­heit der Bevöl­ke­rung ist zudem über­zeugt, dass Deutsch­land nicht iso­liert, son­dern nur im Rah­men der EU inter­na­tio­nal etwas bewir­ken kann. Anders als noch zu Beginn des Jahr­tau­sends wird heu­te die Ukrai­ne von der Hälf­te der Bevöl­ke­rung als euro­päi­sches Land gese­hen, Russ­land nur noch von einer Minderheit.

Von Tho­mas Peter­sen in FAZ 142 vom 22.06.2022

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Ach­so, DAS sind die euro­päi­schen Wer­te, Moment was dar­an sind noch mal Werte?

Fragt man jedoch kon­kret danach, wel­che Wer­te man als euro­päi­sche Wer­te bezeich­nen kön­ne, erhält man kla­re Ant­wor­ten: 76 Pro­zent sag­ten in der aktu­el­len Umfra­ge, die Demo­kra­tie kön­ne man als euro­päi­schen Wert bezeich­nen, 71 Pro­zent nann­ten die Reli­gi­ons­frei­heit, 67 Pro­zent die Ach­tung der Men­schen­wür­de, eben­so vie­le die Meinungs- und Pres­se­frei­heit, die Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en (66 Pro­zent) und Frei­heit des Ein­zel­nen (65 Pro­zent). Auch Welt­of­fen­heit, Rechts­staat­lich­keit und Tole­ranz wur­den jeweils von einer abso­lu­ten Mehr­heit der Befrag­ten als euro­päi­sche Wer­te bezeichnet.

Dafür, dass die meis­ten Deut­schen nicht glau­ben, dass es gemein­sa­me euro­päi­sche Wer­te gibt, sind ihre Vor­stel­lun­gen von einem sol­chen euro­päi­schen Wer­te­sys­tem bemer­kens­wert deut­lich ausgeprägt.

[…]

Dass vie­le Deut­sche nicht an die Exis­tenz gemein­sa­mer euro­päi­scher Wer­te glau­ben, obwohl sie kla­re Vor­stel­lun­gen haben, wie die­se Wer­te aus­se­hen müss­ten, lässt sich ver­mut­lich dadurch erklä­ren, dass vie­le Bür­ger die Euro­päi­sche Uni­on bei Wei­tem nicht als so geeint wahr­neh­men, wie es in den letz­ten Mona­ten von vie­len poli­ti­schen Ver­tre­tern der EU-Länder beschwo­ren wur­de. Auf die Fra­ge „Sind die EU-Mitgliedsländer in der Ukraine-Krise einig oder zer­strit­ten?“ ant­wor­te­te jeder zwei­te Befrag­te, sie sei­en zer­strit­ten, nur etwas mehr als jeder Vier­te sag­te, die Län­der sei­en einig.

Dar­über hin­aus wird die Gemein­schaft nicht als stark wahr­ge­nom­men. Bei der Fra­ge „Was wür­den Sie mit Blick auf den Krieg in der Ukrai­ne sagen: Hat sich der Wes­ten da bis­lang eher als stark oder eher als schwach erwie­sen?“ zeig­ten sich die Befrag­ten rat­los: 32 Pro­zent mein­ten, der Wes­ten habe sich als stark erwie­sen, 29 Pro­zent sag­ten, er habe sich schwach gezeigt, eine rela­ti­ve Mehr­heit von 39 Pro­zent wich auf die Ant­wort­mög­lich­keit „Unent­schie­den“ aus - ein siche­res Zei­chen für Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit. Frag­te man statt­des­sen, ob die Euro­päi­sche Uni­on sich in der Ukraine-Krise als stark oder schwach erwie­sen habe, fie­len die Ant­wor­ten noch ein­mal zurück­hal­ten­der aus: 28 Pro­zent glaub­ten, die EU habe Stär­ke gezeigt, 38 Pro­zent wider­spra­chen. Auch bei die­ser Fra­ge­va­ri­an­te gab es mit 34 Pro­zent auf­fal­lend vie­le Unentschiedene.

Dabei wür­de sich die Bevöl­ke­rung zumin­dest im Zusam­men­hang mit der Ukraine-Krise einen star­ken, selbst­be­wuss­ten Auf­tritt Euro­pas wün­schen. Dies zei­gen die Ant­wor­ten auf eine Fra­ge, bei der zwei Mei­nun­gen zu die­sem The­ma prä­sen­tiert wur­den. Die ers­te lau­te­te: „Auch wenn es im Moment nur schwer mög­lich erscheint, soll­te die EU sich so rasch wie mög­lich bemü­hen, mit Russ­land ins Gespräch zu kom­men und die Bezie­hun­gen zu Russ­land wie­der zu ver­bes­sern. Ein Frie­den in Euro­pa ist in abseh­ba­rer Zeit nur in der Zusam­men­ar­beit mit Russ­land mög­lich.“ Die Gegen­po­si­ti­on lau­te­te: „Solan­ge Putin an der Macht ist, wird es kei­nen Frie­den mit Russ­land geben. Daher soll­te sich die EU Putin ent­schlos­sen ent­ge­gen­stel­len und ihm kla­re Gren­zen set­zen. Nur so gibt es in abseh­ba­rer Zeit eine Chan­ce auf Frie­den in Euro­pa.“ Bei der Fra­ge, wel­cher die­ser bei­den Mei­nun­gen sie eher zustim­men, ent­schie­den sich 30 Pro­zent der Befrag­ten für die ers­te Posi­ti­on, eine kla­re Mehr­heit von 59 Pro­zent für die zweite.

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Hey, die­se Gesell­schaft ist ja mal doch nicht das Letz­te! Und Allens­bach ist fähig Putin muss weg als die eta­blier­te poli­ti­sche Ziel­de­fi­ni­ti­on zu nen­nen. Komisch. Die Medi­en nicht, die Poli­tik auch nicht.

Und wo waren noch ein­mal die 30% der Medi­en die in Deutsch­land Ende Juni für ein schnel­les Kriegs­en­de ein­ge­stan­den sind? Ach­so, ja die gabs nicht.

In Öster­reich übri­gens deut­lich mehr, wenn man die fol­gen­de Fra­ge als inhalt­lich equi­va­lent zulässt aber selbst in der abge­schwäch­ten Form ob man für oder gegen die Been­di­gung der Sank­tio­nen sei, kei­ner­lei media­le Bericht­erstat­tung in die­ser Richtung.

Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

Ach­ja und noch ein klei­ner Trick - die rele­van­te poli­ti­sche For­mu­lie­rung lau­tet “west­li­che Wer­te” nicht “euro­päi­sche Werte”.

Soll­te den Demo­sko­pen das nächs­te Mal viel­leicht jemand sagen.

edit: Ich werd nicht mehr - der Stan­dard hat soeben die Rea­li­tät aner­kannt… click, da war ich ein wenig frü­her dran.

Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.









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