Aspekte die die Öffentlichkeit nicht erreicht haben

18. Mai 2022

Lei­der, was will man tun…

Am Tag des rus­si­schen Angrif­fes gab es eine Pha­se in der Russ­land mit Trup­pen­be­we­gun­gen ohne Insi­gni­en in bereits von Russ­land beset­ze Gebie­te (offi­zi­ell “Sepa­ra­tis­ten­ge­bie­te”) pro­vo­ziert hat, aber man Russ­land noch “jede Chan­ce geben woll­te die­sen Krieg nicht zu begin­nen.” (Stol­ten­berg.) Die­se Aus­le­gung war damals die domi­nan­te, die UvdL dazu bewo­gen hat, auf CNN noch nicht von einer Inva­si­on zu sprechen.

Bei der Nato PK zu den Gescheh­nis­sen des Tages am Abend sind dann die nor­di­schen Staa­ten Stol­ten­berg in die Rede gegrätscht, und haben laut opo­niert, sich doch nicht öffent­lich vor­füh­ren zu las­sen, natür­lich sei das eine Inva­si­on - das war es schon seit 1994, wir haben Krieg.

Die­se Posi­ti­on wur­de dann im Lau­fe des Tages zur dominanten.

Von Selen­skyj kam zu die­sem Zeit­punkt bereits Pro­vo­ka­ti­on pur - Auf­ru­fe an die rus­si­sche Bevöl­ke­rung jetzt auf die Stra­ße zu gehen, und in social Media gegen einen Krieg zu demons­trie­ren inklu­diert, denn nur sie kön­nen einen Krieg noch ver­hin­dern. Aktiv gerich­tet and Müt­ter, Väter, Künst­ler, Tik­to­ker, Wis­sen­schaft­ler, Dok­to­ren (Figu­ren in hoher öffent­li­cher Ach­tung), Ath­le­ten, Musi­ker, … also die gan­ze Para­de mit der man der Rus­si­schen Regie­rung so rich­tig schön in die Sei­te fah­ren kann, und zwei Stun­den spä­ter flo­gen die ers­ten Rake­ten. Hurra.

Die deutsch­spra­chi­gen Medi­en brach­ten das als “Selen­skyj ver­su­che den Kon­flikt noch abzuwenden”.

Soviel zum The­ma man habe Russ­land jeg­li­che mög­li­che Off­ramp zur Ver­fü­gung gestellt.

Was dem 140.000 Trup­pen Auf­marsch an der Gren­ze vor­an­ge­gan­gen ist war der genemig­te Ein­satz von US Jave­lins in den Kon­flikt­re­gio­nen im Don­bas, der von den US unter Biden erst­mals für den “Sepa­ri­tis­ten­kon­flikt” inner­halb der Ukrai­ne genemigt wur­de, gelie­fert wur­den sie bereits frü­her, als Defen­siv­waf­fen. Die öffent­li­che Legi­ti­ma­ti­on erfolg­te im Dezem­ber, der Ein­satz der Waf­fen bereits im Okto­ber, ohne dass es eine Rüge der US gab. Der Ein­satz die­ser Waf­fen hat den wahr­schein­li­chen Aus­gang des Kon­flik­tes sub­stan­ti­ell geän­dert, dar­auf­hin reagiert Russ­land mit dem größ­ten Trup­pen­auf­marsch aller Zei­ten. Das im Zeit­fens­ter Novem­ber, Dezem­ber 2021.

Im Dezem­ber gibt es die letz­ten Ver­hand­lun­gen bei denen es heu­te heisst Off­ramps wur­den Russ­land ange­bo­ten und sie wären alle mit über­zo­ge­nen For­de­run­gen abge­lehnt wur­den. Die Bemü­hun­gen die Situa­ti­on diplo­ma­tisch zu “ändern” wur­den im Dezem­ber stark intensiviert.

Dann gibt es die Posi­ti­on von Klaus von Dohn­anyi, dem alten Trot­tel (öffent­li­che Wahr­neh­mung) der zu alt ist zu wis­sen was hier pas­siert ist, der auf der Aus­le­gung besteht, dass die US hier mit Russ­land allei­ne ver­han­delt hät­ten. Euro­pa wäre nicht in die Ver­hand­lun­gen mit­ein­be­zo­gen wor­den und auf die Schlüs­sel­for­de­rung Russ­lands (Ver­hin­de­rung der Aus­deh­nung der Nato) sei nicht ein­ge­gan­gen wor­den. Alle ande­re Aus­le­gun­gen besa­gen, Russ­land hät­te hier über­bor­dern­de For­de­run­gen gestellt.

Dess­halb haben die US von sich aus beschlos­sen die Gesprächs­for­ma­te im Dezem­ber zu beenden.

Am 24. Febru­ar hat dann Russ­land einen Angriffs­krieg ausgerufen --

bei des­sen Aus­ru­fung die deutsch­spra­chi­gen Medi­en Putin als kom­plett ver­rückt, mit Lager­kol­ler und All­machts­phan­ta­sien dar­ge­stellt haben (auf­grund vor­he­ri­ger frag­wür­di­ger geschichts­phi­lo­so­phi­scher Pos­tu­la­te) -- Per­so­na­li­sie­rung der Kriegs­grün­de vol­le Breitseite.
Das Zusam­men­schrei­en des Aus­lands­ge­heim­dienst­chefs, der ihn aber auch nie rich­tig infor­miert habe (spä­te­re Logik) war ein­fach nur eine kran­ke Affekt­hand­lung, kein Zei­chen nach außen, obwohl es Julia Iof­fe zur Fol­ge auch ein Zei­chen nach außen war (PBS, bei­de Mel­dun­gen zwei Tage Unter­schied). Die Medi­en haben sich ein Monat gefragt, war­um Putin denn eine Den­azi­fi­zie­rung der Ukrai­ne for­dert, nur auf den Aspekt, dass hier eine “Out­group” mit einem “Unter­men­schen” label Ver­se­hen wird, damit man Krieg gegen sie füh­ren kann sind sie nie gekommen.

Der Putin meint das Ernst, der ist kom­plett durch!

War die Bericht­erstat­tung des gesam­ten ers­ten Monats, Geschichts­wis­sen­schaft­ler, die in Panels auf­ge­grif­fen haben, dass Putin in der Rede nicht nur der Ukrai­ne das Exis­tenz­recht abspricht (mit frag­wür­di­gen, bis wahn­sin­ni­gen his­to­ri­schen Ver­glei­chen), son­dern gleich­zei­tig mit Voka­blen wie Novor­os­si­ya han­tiert, die kom­pa­ti­bel zu dem in Russ­lands Bil­dungs­sys­tem ver­mit­tel­ten Geschichs­ver­ständ­nis über meh­re­re Jahr­zehn­te sind wur­den ein­fach igno­riert, der Krieg sei die wahn­sin­ni­ge Affekt­hand­lung eines Man­nes, und das Volk vor allem aber die Füh­rungs­rie­ge wür­de sich wohl hof­fent­lich kurz­fris­tig gegen ihn erhe­ben und damit den Krieg beenden.

Pas­siert ist nichts davon.

Wobei, als sich dann auch die Sol­da­ten­müt­ter Initia­ti­ven in Russ­land nicht gegen den Dik­ta­tor gestellt haben, kam kurz­fris­tig noch schnell her­aus, dass Putin die Con­scripts für die ers­te Inva­si­on aus ent­le­ge­nen Gebie­ten Russ­land und nicht aus gro­ßen Städ­ten lukriert hat­te, damit Pro­test­be­we­gun­gen in grö­ße­ren Städ­ten kei­ne kri­ti­sche Mas­se erreichen.

Als dann Putin begon­nen hat die Exis­tenz des Krie­ges über die rus­sisch ortho­do­xe Kir­che und das eso­te­ri­sche Kon­zept der RUS, in die Bevöl­ke­rung ein­zu­pfle­gen, war es es immer noch der wahn­sin­ni­ge Patri­arch, der den noch wahn­sin­ni­ge­ren Füh­rer Russ­lands im Wahn hält, er müs­se einer All­machts­phan­ta­sie zurück zum Welt­reich folgen.

Am zehn­ten Tag nach der Inva­si­on began­nen die übli­chen Ver­däch­ti­gen, dh. die kon­ser­va­ti­ven außen­po­li­ti­schen Think­tanks in den USA (Hoo­ver Insti­tu­ti­on), damit eige­ne Vor­trags­rei­hen aus dem Boden zu stamp­fen, bei denen bis­her völ­lig unbe­kann­te His­to­ri­ker (mit kürz­lich erschie­ne­nem Buch), sie­ben gegen nie­man­den, dage­gen argu­men­tie­ren soll­ten, war­um Russ­land die­sen Schritt nicht gesetzt habe, da es sich von der Nato bedroht sah. Mit Ein­stiegs­fra­ge, war­um hat Mear­s­hei­mer unrecht. Der durf­te dann noch ein­mal im Eco­no­mist publi­zie­ren, dann wars eh schon aus.

Pro­mi­nen­tes­tes Argu­ment die­ser Diksus­si­ons­run­den, Mear­s­hei­mer hat nicht recht, denn er ver­tre­te eine “mono­kau­sa­le Theo­rie” der Konfliktbegründung.

Ent­ge­gen dem Novor­os­si­ya Nar­ra­tiv, ent­ge­gen dem RUS Nar­ra­tiv, ent­ge­gen dem Ent­mensch­li­chungs­nar­ra­tiv von “Nazis in der Ukrai­ne”, war es aber nie die Idee Russ­lands nur die Ukrai­ne zu Über­neh­men, son­dern unter Aus­rei­zung von direk­ten Nato­kon­flikt Poten­tia­len auch nicht nur die Ukrai­ne, und Geor­gi­en und Mol­da­vi­en, son­dern min­des­tens auch die Bal­ti­schen Län­der, wenn nicht gar Finnland.

Das aber bereits etwa ein Monat nach­dem der Blitz­krieg nicht funk­tio­niert hat, und wir alle Russ­land aus­ge­lacht haben, dass es kei­ne Städ­te ein­neh­men kann, ohne sie kom­plett zu zerstören.

Nach­dem die ers­ten Think­tanks aus­ge­rech­net hat­ten, dass Russ­land für eine Beset­zung der Ukrai­ne gegen ihren Wil­len, wovon wir zu die­sem Zeit­punkt alle aus­ge­gan­gen sind, und wir bis heu­te aus­ge­hen, in etwa 4 Mil­lio­nen akti­ve Trup­pen in der Ukrai­ne benö­ti­ge, was mit einer Gene­ral­mo­bil­ma­chung, gera­de ein­mal abge­deckt wäre.

Finn­land soll­te sich bezüg­lich eines Nato­bei­tritts nicht bedroht füh­len, wenn in den ers­ten Mona­ten nach dem Stel­len des Bei­tritts­an­su­chen ein Angriff erfol­ge, denn Russ­land sei bereits “über­dehnt” (over­ex­ten­ded) - Stan­dard, vor einer knap­pen Woche.

Und den­noch ist das das Hor­ror­sze­na­rio gegen das wir jetzt vor­bau­en müssen.

Denn nur so macht die Logik Sinn, dass wir hier nur einen schlim­me­ren Aus­gang ver­hin­dern, in dem wir mit einem Auf­rei­bungs­krieg, Russ­lands Kapa­zi­tät jemals wie­der Nato­staa­ten anzu­grei­fen ver­rin­gern. (Wobei ihre Demo­gra­phie, mehr so auf fai­led sta­te hin­deu­te.) Bis auf Atom­waf­fen natür­lich. Die aber jetzt nicht zur Debat­te ste­hen (bin ich auch dafür).

Selen­skyj war von Tag eins der Held (wobei sich noch die Fra­ge gestellt hat, wel­che Art von Held jetzt eigent­lich, CNN hat da mal recher­chiert.) - jeg­li­che Mel­dung “die Ukrai­ne set­ze sich für ein Frie­dens­ab­kom­men ein” wur­de in deutsch­spra­chi­gen Medi­en suk­zes­si­ve um den zwei­ten Teil der Aus­sa­ge (wir ver­lan­gen dabei die voll­stän­di­ge ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne inkl. Krim) redu­ziert. Die Aus­sa­gen gab es in den sel­ben Reden die als Quel­le für das Zitat refe­ren­ziert wur­den, zusam­men mit den mili­tä­ri­schen Ehrun­gen am Ende für Tap­fer­keit der Ver­tei­di­ger Mariu­pols und den Auf­bau des Hel­den­my­thos der kämp­fen­den Sol­da­ten in einer Rede.

Als die Tür­kei ver­mit­telt hat, wur­den 15 Punk­te Plä­ne zu “Ulti­ma­ten”, man woll­te lie­ber in Isra­el ver­han­deln, wos dann par­la­men­ta­ri­sche Kri­tik gab, dass Isre­al doch gar kein Inter­es­se hät­te in der Welt­ge­mein­schaft als “außer­halb des geein­ten Wes­tens” ste­hend betrach­tet zu wer­den, und das die Vor­ga­be an Frie­dens­ver­hand­lun­gen zu arbei­ten doch mehr Innen­po­li­ti­sche Grün­de hät­ten. Wur­de in deutsch­spra­chi­gen Medi­en mei­nes Wis­sens nach auch nicht dar­über berichtet.

Dann kamen diver­se Reden Selen­sky­js in denen die­ser davon gespro­chen hat, man kön­ne die Auf­ga­be kei­ner ein­zi­gen Stadt als Bedin­gung für Frie­den akzep­tie­ren, denn die ukrai­ni­sche Bevöl­ke­rung habe sich dem ja ideo­lo­gisch ent­ge­gen­ge­stellt, und für jeden Kom­pro­miss den Selen­kyj ein­ge­hen müs­se - und sei es auch nur die Auf­ga­be der Posi­ti­on der Nato bei­tre­ten zu wol­len, brau­che Selen­skyj eine Volks­ab­stim­mung, die einen voll­stän­di­gen Abzug rus­si­scher Trup­pen vor­aus­set­ze, und eine intak­te Infra­struk­tur, davor kön­ne er nicht verhandeln.

Dann kamen diver­se Selen­sky Reden über den “eigen­stän­di­gen, aber als Teil der Ukrai­ne” Sta­tus in den “tem­po­rär beset­zen Gebie­ten”, über die sich Selen­skyj noch Gedan­ken machen müs­se, wie er mit den “gehirn­ge­wa­sche­nen Leu­ten” (Zitat Selen­skyj) dar­in noch umge­he -- das war sei­ne Umschrei­bung dafür, dass die­ser “eigen­stän­di­ge Sta­tus - als Teil der Ukrai­ne” über den Zeit­raum von etwa einer Genera­ti­on auf­recht­erhal­ten wer­den müs­se (“erst mal, am Anfang”), bevor es zu einer Wie­der­ein­glie­de­rung kom­men kann.

Dann kamen diver­se Selen­skyj Reden, dass Staa­ten die die Ukrai­ne nicht mili­tä­risch oder ideo­lo­gisch unter­stüt­zen wür­den, von popu­lä­ren Revo­lu­tio­nen und Volks­auf­stän­den heim­ge­sucht wer­den wür­den, denn die Bevöl­ke­run­gen in die­sen Staa­ten sei schon viel wei­ter als die Poli­ti­ker. Wir brau­chen mehr Waf­fen, wir brau­chen auch Panzer.

Die Reso­nanz dies­be­züg­lich war eher ver­hal­ten, also gabs dann erst mal eine Pause.

Zeit für Wün­sche und Hoff­nun­gen auf einen Papstbesuch.

Und dann am 31. März den Auf­ruf des Atlan­tic Coun­cils, die Ukrai­ne wür­de nicht gewin­nen, wenn der Wes­ten nicht mehr Offen­siv­waf­fen sen­de. Was gewin­nen zu die­sem Zeit­punkt bedeu­te­te wuss­te nie­mand. Wur­de ja nicht berichtet.

Zwei Tage spä­ter wur­de die­se Posi­ti­on von Spre­chern der ukrai­ni­schen Regie­rung auf­ge­grif­fen, aller­dings mit einem Leich­ten Spin, man brau­che sie nicht um zu gewin­nen, son­dern ledig­lich um die aktu­el­le Posi­ti­on ver­tei­di­gen zu können.

Zwei Tage spä­ter kam Butscha.

Um hier nicht auf Aspek­te ein­zu­ge­hen, wie Russ­lands Posi­ti­on dazu vor dem UN Secu­ri­ty Coun­cil wur­de als rei­ne Pro­pa­gan­da qua­li­fi­ziert und gleich mal von der Bericht­erstat­tung aus­ge­nom­men, oder Aspek­te wie wer die foren­si­sche Unter­su­chung lei­tet, oder wie lan­ge es gedau­ert hat bis inter­na­tio­na­le foren­si­sche Teams unab­hän­gi­ger Insti­tu­tio­nen vor Ort bestä­tigt wur­den, oder wer auf EU Ebe­ne die Unter­su­chungs­kom­mis­sio­nen hier koor­di­niert, oder wem Blin­ken bereits als einer der Ers­ten in die­sem Zusam­men­hang sein volls­tes Ver­trau­en aus­ge­spro­chen hat -- weil mich das alles als “poten­ti­el­ler Rela­ti­vie­rer” den Strick kostet --

wechs­le ich lie­ber noch ein­mal zu dem Zeit­punkt eini­ge Wochen frü­her zurück als Selen­skyj in der sel­ben Woche zum letz­ten Mal über eine Neu­tra­li­tät der Ukrai­ne öffent­lich nach­ge­dacht hat, in der (zuvor) in US Medi­en zwei Mel­dun­gen erschie­nen, dass die US Regie­rung die Posi­ti­on der Ukrai­ne nicht mehr ver­ste­he, und der ehe­ma­li­ge ukrai­ni­sche Außen­mi­nis­ter (jetzt Atlan­tic Coun­cil), den kom­plet­ten Stand­punkt der Ukrai­ne bei Times Radio noch ein­mal vor­tra­gen durf­te (“Kann man Putins Frie­dens­ver­hand­lun­gen über­haupt trauen”.)

Nach Butscha war die öffent­li­che Mei­nung ein­hel­lig, und als Putin dann gleich noch das Batail­lon das dort im Ein­satz war geehrt hat, gleich noch doppelt.

Für die Dis­kus­si­on dar­über dass das Atlan­tic Coun­cil vier Tage zuvor erst­mals offen­si­ve Waf­fen für die Ukrai­ne gefor­dert hat, blieb lei­der kei­ne Kapa­zi­tät mehr übrig --

in der Öffent­lich­keit wur­de jetzt ein­fach nur noch gefragt, war­um bist du gegen Waffenlieferungen.

Wobei, zuerst noch nicht, da gabs auch eine Vorgeschichte.

Also zuerst gabs da eine Rede von Joseph Bor­rell, der die Posi­ti­on der EU Kom­mis­si­on am 06.04. mit “wir sind dafür den Krieg so schnell zu been­den wie mög­lich, aller­dings nicht zu allen Kon­zes­sio­nen, die Ukrai­ne müs­se ein Staat blei­ben, der wirt­schaft­lich wei­ter­be­stehen kön­ne” umschreibt.

Das war dann aber bereits zu wenig und zu spät, denn bereits am 25.03., eben­falls vor Butscha, hat der ECFR (its just a Think­tank) öffent­lich die Pre­mis­se aus­ge­ge­ben, die euro­päi­sche Bevöl­ke­rung sei auf einen lan­ge anhal­ten­den Krieg ein­zu­schwö­ren, auf mehr Waf­fen­lie­fe­run­gen, auf mehr Mili­tär­ba­sen, auf eine EU light für wei­te­re Miglieds­staa­ten, wäh­rend man intern dar­an arbei­ten soll­te an einer regio­na­len Ord­nung zu bau­en, die nicht auf Insti­tu­tio­nen, son­dern auf einem Gleich­ge­wicht der Kräf­te beruht.

Was du halt so an Agen­da Set­ting for­derst, wenn der Jour­na­lis­mus nicht mehr weiß, dass er das nicht ein­fach unkon­tex­tua­li­siert brin­gen kann, darf, soll. Aber das war ja nicht alles - gefor­dert wur­den Poli­ti­ker, die jetzt nach vor­ne tre­ten müss­ten, um die­ses Kon­zept in der Bevöl­ke­rung zu popularisieren.

Die kamen erst­mal nicht.

Was kam waren die typi­schen Pun­dits, die dann est­ma­lig offen gegen Pazi­fis­ten und Kompromis“fetischisten” het­zen durf­ten, denn bei­de sei­en im Ukrai­ne Krieg deplat­ziert, uto­pisch, und mora­lisch verwerflich.

Der pro­mi­nen­tes­te Ver­tre­ter die­ser Posi­ti­on in Öster­reich, ist in sei­ner Jugend in Mer­ca­tor Nähe aufgewachsen.

Dann hat sich das kom­plet­te Medi­en­sys­tem gleich noch mal selbst ver­schluckt - (also mehr als, als es sich dar­auf geei­nigt hat, rus­si­sche Posi­tio­nen immer Aus­zu­spa­ren, da die alle­samt Pro­pa­gan­da wären und dess­halb von der Bevöl­ke­rung fern­ge­hal­ten wer­den müss­ten, nicht kon­tex­tua­li­siert, fern­ge­hal­ten) und eine Woche spä­ter gab es in Öster­reich kein Qua­li­täts­me­di­um mehr das nicht der Mei­nung war, dass “die Ukrai­ne muss gewin­nen” die ein­zig mög­li­che media­le Posi­tio­nie­rung sein dür­fe. Ohne kon­kret zu wis­sen was gewin­nen bedeu­tet, denn das müs­se ja die Ukrai­ne entscheiden.

Die Wie­ner Zei­tung ist als letz­tes gefallen.

Gewin­nen müs­sen, weil Ver­lie­ren ver­bo­ten ist

Kom­pro­mis­se sind die gro­ße Stär­ke der EU. Im Krieg gegen Russ­land sind plötz­lich ande­re Fähig­kei­ten gefragt.

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Kei­ne Kom­pro­mis­se mehr, schwe­re­re und Offen­siv­waf­fen müss­ten jetzt her. Hat ja der ECFR gesagt. Und zuvor das Atlan­tic Coun­cil. (Bei­de vor Butscha.)

Gut, Bor­rell hat zwei Wochen spä­ter noch ver­sucht die Posi­ti­on auf “wir sind für einen schnel­len Frie­den, aber nicht um jeden Preis” noch etwas abzu­mil­dern, aber das war bereits viel zu Wenig, und viel zu spät.

In der Öffent­lich­keit dreh­ten bereits seit zwei Wochen die “war­um wollt ihr kei­ne Waf­fen lie­fern” Nar­ra­ti­ve gegen die SPD in Deutsch­land frei, ohne dass sie eine Ahnung davon hat­te, dass Deutsch­land kein 20stel der Finan­zie­rung des Ukrai­ni­schen Kriegs­bud­gets auf die nächs­ten zwei Jah­re ausmacht.

Wäh­rend sie lang­sam dahin­ter gestie­gen ist, dass die schwers­ten Sank­tio­nen aller Zei­ten, den Krieg nicht so schnell been­den werden.

Regi­me­chan­ge Nar­ra­ti­ve (natür­lich nur per­sön­li­che Mei­nun­gen, also bis auf John­son der offi­zi­ell aus­spricht, dass eine Nor­ma­li­sie­rung des poli­ti­schen Ver­hält­nis­ses unter Putin nicht mehr mög­lich sei), waren auch kaum noch in Rota­ti­on. Der Putin war auch nicht mehr ver­rückt, weil mitt­ler­wei­le laut Umfra­gen 75% der deut­schen Bevöl­ke­rung Angst vom Atom­krieg hat­ten, und man die­ses Gefühl nicht mehr so ein­fach wei­ter beför­dern mochte…

Also was ist geblie­ben? Die Idee von dem schnel­len har­ten Schnitt, der nur nicht schnell und hart genug sein konn­te, weil sich Deutsch­land viel zu lang­sam bewegt hat.

Dann ging die Breit­sei­te gegen Scholz und zB den ehe­ma­li­gen Sicher­heits­be­ra­ter Mer­kels ab - wäh­rend die noch gegen eine schnel­le­re Auf­rüs­tung der Ukrai­ne waren aus Wah­rung deut­scher Sicherheitsinteressen.

Das wur­de dann schön in der Öffent­lich­keit auf “die spie­len Putin in die Kar­ten und fürch­ten sich nur vorm Atom­krieg” ver­kürzt. Damit hast du dann gleich zwei Pro­ble­me auf ein­mal gelöst, die Angst vorm Atom­krieg redu­ziert (gut) und Auf­rüs­tung gesichert --

Die Sank­tio­nen sein ja viel zu wenig, und man muss jetzt wei­te­re Mas­sa­ker ver­hin­dern, wäh­rend man der Ukrai­ne einen drei Fron­ten Krieg, und jetzt wirk­lich im Feld, ermög­licht. Für den Rest hät­ten schnö­de Defen­siv­waf­fen gereicht. Also es sei denn du argu­men­tierst wie in Mariu­pol, bei dem die Umzin­ge­lung der Stadt durch Hau­bit­zen ver­hin­dert wer­den hät­te kön­nen. Aber das ist aktu­ell mehr das Argu­ment der ukrai­ni­schen Regie­rung vor dem US Senat F16 und mobi­le Mul­ti­ple Rake­ten­ab­schuss­sys­te­me zu for­dern. Die sie aktu­ell noch nicht bekommen.

Nach­dem sich dann end­lich alle Medi­en mit dem Euro­pean Coun­cil on for­eign Rela­ti­ons einig waren, kam dann lei­der die blö­de Schwar­zer - und der Teil der Intel­lek­tu­el­len, der schon seit Mona­ten kei­ne ernst­haf­ten Bemü­hun­gen zur Kon­flikde­es­ka­la­ti­on gese­hen hat­te, und die US Logik des “jetzt so viel ner­ven wie mög­lich”, ohne eine Betei­li­gung der UN am Kon­flikt her­bei­zu­füh­ren” nur so halb pri­ckelnd sah. Und das trotz der Erfolgs­mel­dun­gen, wie der Ver­nich­tung meh­re­rer rus­si­scher Kriegs­schif­fe, trotz den ter­ri­to­ria­len Gewin­nen der Ukrai­ne rund um Kiew und Char­kiw, mit denen muss ja was faul sein. 

In Öster­reich stellst du dann als Ori­en­tie­rungs­hil­fe gleich mal Plass­nik aus der Brze­ziń­ski Ecke als Coun­ter­part zur Ver­füngung, und in Deutsch­land darf sie gleich mal mit “Frie­den schaf­fen mit mehr Waf­fen” Anton Hof­rei­ter debat­tie­ren, damit die Ein­ord­nung von vor­ne her klar ist --

und wenns Haber­mas nicht gege­ben hät­te, hät­ten wir die­se Aus­rich­tung jetzt noch mal schön koor­di­niert weiterverfolgt.

Nach dem G7 Tref­fen war der Ukrai­ne der Schein auch schon kom­plett egal, und Ver­hand­lun­gen wur­den als aktu­ell nicht erwünscht dekla­riert. Das war vor zwei Tagen.

Lei­der hat­te sich zu die­sem Zeit­punkt bereits die kom­plet­te deut­sche Regie­rung dar­auf ver­stän­digt, die Ent­schei­dung bezüg­lich eines Hoch­dre­hens der Gewalt­es­ka­la­ti­ons­spi­ra­le, eine Defi­ni­ti­on des­sen was Gewin­nen bedeu­tet und jegl­che Ver­ant­wor­tung voll­stän­dig an die Ukrai­ne abzutreten.

Weil die wol­le ja kämpfen.

Und für den Zusam­men­halt inner­halb der pro­gres­si­ven Bevöl­ke­rung zumin­dest einen Komi­ker abzu­stel­len, der Coop-Projekte, mit dem Inhalt “nur Gewin­nen ist jetzt wich­tig” produziert.

Nur noch einen kur­zen Exkurs, zu - die wol­le ja kämpfen…

Fürs gemei­ne Volk gibts immer noch Lanz und Precht:
https://www.youtube.com/watch?v=cWIi3stmpH0

Dazwi­schen gibts nichts.

Und die­se Gesell­schaft ist immer noch das Allerletzte.

Jetzt ist für mich nur noch ein Punkt offen - und der ist, war­um bin ich mit Medi­en­ana­ly­se so weit weg vom Tages­ge­sche­hen (also schlicht und ein­fach - was hät­te berich­tet wer­den kön­nen, was wur­de berich­tet, wann und wie), wäh­rend die Leu­te die ein­fach nur nach Emo­ti­on gehen “wie weit eine Bevöl­ke­rung schon ist”, wie­der viel wei­ter sind, und in all dem ein­fach nur die pure Won­ne gesell­schaft­li­chen Wir­kens sehen?

Ich beant­wor­te mir die Fra­ge ger­ne selbst.

Mit - die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

Und mit dem Gewin­nen, soll­te man wohl bes­ser wei­ter­ma­chen, denn im Krieg ist plötz­lich das Ver­ar­schen und Gleich­schal­ten der Bevöl­ke­rung gefragt -- 

und den Aspekt dass “die kämp­fen für uns” immer auch ein gehö­ri­ges maß an Angst­nar­ra­tiv mit beinhal­tet blen­den wir lie­ber aus.

Wich­tig ist nur, Putin ist ein ideo­lo­gi­scher Ein­zel­tä­ter auf den man nur so reagie­ren kann. Weil er nur die­se Spra­che versteht.

Des­halb haben wir, drei fuck­ing Mona­te und bis zuletzt, als neben Putin das Pro­blem auf den Teil der rus­si­schen Füh­rungs­eli­te aus­ge­wei­tet wur­de der nicht im Ver­dacht steht zu rebel­lie­ren, eine ver­damm­te Per­sön­lich­keits­pro­fil­ex­ege­se bis zur Kom­plett­ver­blö­dung betrie­ben. Über lan­ge Tische aus Furcht vor Covid dis­ku­tiert (Paul Lend­vai war sehr ange­tan), über ver­steck­te Trau­ma­ta in der frü­hen Jugend in Ost­deutsch­land debat­tiert, Gegen­po­si­tio­nen auf “die wären dann ja auch Hit­ler­ver­ste­her gewe­sen” dis­kre­di­tiert (dan­ke Anton Pel­in­ka), auf dem Niveau von wie wahn­sin­nig ist der Dik­ta­tor Soap­fern­se­hen Erzäh­lun­gen auf das Niveau von Kon­flikt­ana­ly­se geho­ben. Die Kon­flikt­for­scher außen vor­ge­spart. (Da kam dann einer Mal im Zen­trum vor, der dann gesagt hat, auch wenns wahn­sin­nig klin­ge, müs­se jetzt Finn­land auf Russ­land zuge­hen, und sagen, wir sind Bereit in die Nato zu gehen, willst du nicht vor­her Zuge­ständ­nis­se machen, dann war er öffent­lich eh schon durch.) Den Rau­scher zur Kom­plett­ver­blö­dung und bis zum fünf-fachen Wie­der­ho­len des “auf den müs­sen unse­re Regie­run­gen jetzt hören” Sagers vor den Timo­thy Syn­der (Russ­land betrei­be Neo­ko­lo­nia­lis­mus. Im Nach­bar­land. Das auch an die EU angrenzt.) gesetzt, schnell noch von der Büh­ne aus gen­a­me­dropt, und sind am Ende bei “sowohl die deut­sche Regie­rung, als auch die deut­sche Oppo­si­ti­on in Form der CDU/CSU sind der Mei­nung, dass es sich bei Putins Krieg um Revan­chis­mus han­delt” gelandet.

Revan­chis­mus woge­gen, kön­nen wir noch nicht ganz aus­spre­chen (irgend­was mit Sov­jet­uni­on, und wir haben ihre Res­sen­ti­ments unter­schätzt). Aber dann bald dann.

edit: More context:

^Good enough. Except for a few essen­ti­al lies. (Sur­pri­sed how litt­le pro­gress the rus­si­ans made, on Kiew in the first days, sur­pri­sed how issue for­ward the euro­pean reac­tion was this time around - well it depends on how you defi­ne sur­pri­sed I guess, posi­tively, I hope…)

The idiots guide to becoming an amoral person

18. Mai 2022

This is about the fac­tor of agen­cy. And what role to give it in armed con­flicts. (All you need is the will to fightTM.)

Essen­ti­al­ly the argu­ment, should one let peop­le pro­long a war, for a posi­ti­on of “win­ning” that isnt well defi­ned, and usual­ly just out of the ran­ge of your sphe­re of influ­ence (“only the rus­si­an peop­le can end this war now”), that seems to be cor­re­la­ted and even con­nec­ted, in the public opi­ni­on, to a vague gene­ral state­ment of “win­ning is having the last rus­si­an lea­ve ter­ri­to­ri­al Ukrai­ne (incl. crimea)”.

Then a belie­ve is sta­ted. Chom­sky thinks that the Ukrai­ni­ans want peace more than to post­po­ne this war.

Enter a phi­lo­so­pher, that loo­ks at a fake dicho­to­my (“But they are say­ing on TV, that what they want now is “wea­pons, wea­pons, wea­pons”” - make a sil­ly face, dis­re­gards the argu­ment.). Becau­se its always about public per­cep­ti­on first.

First aspect, the Ukrai­ni­an lea­ders­hips posi­ti­on is not the posi­ti­on of nor­mal peop­le on the ground and in the fight. It is detached to the point, whe­re they need to be to make stra­te­gic decisi­ons on how many peop­le they will put up for a cer­tain cau­se, when and were. The same thing is mir­ro­red in the US stra­te­gic out­look on the situa­ti­on, whe­re some ana­lysts see this as a model, of the US enga­ging in future wars by arming a “wil­ling popu­la­ti­on”, and then giving them the best stra­te­gic model and real time ana­ly­sis on top. Which by exten­si­on means, that all wars like this are “defen­si­ve” in natu­re, and “just”, by vir­tue of “the lea­ders­hip of a coun­try has expres­sed the desi­re to use their own popu­la­ti­ons, but other nati­ons stra­te­gic sup­port and mili­ta­ry aid to get to a desi­red state”.

Next thing I’d look at here is the role of the media in that sce­n­a­rio, which is basi­cal­ly dri­ve around the coun­try, inter­view peop­le who are deeply ent­hral­led by a heroi­cism, nec­cessa­ry natio­na­lism, and the bright future is the gui­ding star of EU mem­bers­hip down the road sen­ti­ment, dri­ven by, lets open­ly say it, pro­pa­gan­da and cer­tain emo­ti­ons that get pul­led onto the cen­ters­ta­ge, when enga­ging in a dis­play of armed con­flict con­do­ned by any lar­ge group. Whe­re all the los­ses you expe­ri­ence are reframed to be suf­fe­ring you endu­re for a bet­ter future, just suf­fe­ring, necessa­ry suf­fe­ring, not sen­seless suf­fe­ring, or even wrong suf­fe­ring, if you take into account the impact on world eco­no­mics, no its the just, good suf­fe­ring, and guilt of the suf­fe­ring we have inflic­ted on others that binds us tog­e­ther in the aim to achie­ve a very, very bad­ly defi­ned goal.

You know, heroi­cism. Whe­re the goal is always to tell sto­ries about a per­so­nal deve­lo­p­ment arc first, and then look at what the hero actual­ly inflic­ted (on to socie­ty) later. But all is well, becau­se evil got banis­hed. You know - narratives…

From Selen­sky­js point of view, anything thats less than “decisi­ve­ly win­ning” would be losing face and their most important mili­ta­ry, finan­cial and poli­ti­cal allies, lea­ving the coun­try war torn, eco­no­mi­c­al­ly des­troy­ed, with no chan­ce of a built up fol­lowing, becau­se the aggres­sors gam­ble payed off, and they are now in a more domi­na­ting position.

Selen­skyj was voted in to sol­ve the con­flict in Don­bas. Then he and Rus­sia tor­pe­do­ed Minsk 2. Then he tried to win the Don­bas con­flict mili­ta­ri­ly (gai­ning the appro­val to use impor­ted wea­pon sys­tems in the regi­on that the rus­si­an occup­a­ti­on wasnt capa­ble to deal with) -- so when the some­what tra­gic figu­re star­ted to sol­ve the con­flict by adding more for­ce the situa­ti­on esca­la­ted (140.000 armed for­ces at the bor­der), at which point rus­sia made a decisi­on that no one under­stands, and Selen­skyj beca­me a hero, five times over, over night - for sup­pling peop­le “wil­ling to fight”.

For demo­cra­cy, for wes­tern values, for the wes­tern rules based sys­tem and for Böh­mer­mann, who is so thank­ful for that sacrifice.

That logic - the “bet­ter keep win­ning” aspect of it, so we can tell a nar­ri­ti­ve to peop­le that depends on this being pro­gress in a sen­se, and redu­cing the length of the war - while at the same time, less open­ly dele­ga­ting all respon­si­bi­li­ty for decisi­on making to the government of Ukrai­ne and pri­ming our own public for a pro­lon­ged war of good vs. evil -- is deci­ded­ly not repre­sen­ting “the will of the Ukrai­ni­ans on the ground”.

It is a meta logic, on a struc­tu­ral level, that tri­es to rec­ti­fy, why pro­lon­ging a con­flict, or exten­ding it, or adding fuel to it, is the necessa­ry thing to do. The moral argu­ments used to sus­tain it, are deeply amo­ral. From an indi­vi­du­al and collec­ti­ve point of view. They are liter­al­ly what you’d descri­be as a necessa­ry evil in any other case, whe­re the emo­tio­nal char­ging of argu­ments wasnt so front and cen­ter for public opinion.

Now lets let Chom­sky use a minor rhe­to­ric device in public.

The ukrai­ni­an pre­si­dent is with the peop­le - he wants to mini­mi­ze harm to every indi­vi­du­al on the ground. At which point stra­te­gic inte­rests play into it - and the US and GB deny him the chan­ce to do so.”

This pro­cla­ma­ti­on alo­ne does more to point at the issu­es at he inter­sec­tion of indi­vi­du­al but also collec­ti­ve inte­rests and public pro­cla­ma­ti­ons that are in play here - than FUCKING three mon­ths of jour­na­lism on the matter.

If thats all that you’­ve got to dis­credit someo­ne (“but ukrai­ni­ans want more wea­pons!” - After they’­ve been told by the atlan­tic coun­cil that they should enga­ge in asking for more wea­pons again, but in a spe­ci­fic way, that wouldnt make it too trans­pa­rent what they are actual­ly asking for…) that brings you popu­lar reco­gni­ti­on on you­tube I guess.

Stran­ge­ly, you arent allo­wed to say “But the Ukrai­ni­an pre­si­dent doesnt at all have the short- and likely mid-term well­being of his peop­le in mind, enacts a some­what new mili­ta­ry stra­te­gy the US is try­ing out at the moment (deca­pi­ta­ti­on of the com­mand and con­trol struc­tu­re, while now pivo­ting into more of an offen­si­ve pha­se to not have their tro­ops ency­cled, or in retre­at, after Mariu­pol now doesnt save­guard against rus­si­an troop move­ments in the east any­mo­re -- to pro­long the con­flict, to maxi­mi­ze dama­ge dealt to the aggres­sor), while giving full real time tac­ti­cal ana­ly­sis feed­back to the Ukrai­ne), with a cer­tain chan­ce of suc­cess atta­ched (“Just keep win­ning, though…”), who­se pri­ma­ry out­co­me, most likely will be to pro­long a war of attri­ti­on, and for that also needs the car­rot, of a EU mem­bers­hip in the future (after win­ning), or his peop­le will not know what they are figh­t­ing for. Pro­bab­ly, not having Rus­sia per­form atro­ci­ties in new­ly cap­tu­red regi­ons is some­thing not qui­te enough to keep a war going after three mon­ths, you need a pure­ly moti­va­tio­nal aspect here - some­thing you are actively figh­t­ing for, that will bene­fit all of your citi­zens, and will having made figh­t­ing the war a posi­ti­ve thing, the right decision.

That some­thing cant be values.

So you employ a rhe­to­ric device. The unfai­ling hero pre­si­dent, has inde­ed the well­being of his peop­le in mind, and the­re­fo­re would like to mini­mi­ze casu­al­ties, which is why he men­tio­ned the pos­si­bi­li­ty of an inde­pen­dent Ukrai­ne for about a week, and then was ree­led back by a public out­cry of US and GB based inte­rest. The “we dont know what the Ukrai­ne lea­ders­hip stands for any­mo­re” arti­cles, only crept up in US media though.

So now what?

Oh yeah, slay Chom­sky in the court of public opi­ni­on for sta­ting the obvious. Enga­ging in, making pos­si­ble, or pro­lon­ging a war of attri­ti­on is not in the inte­rest of the peop­le of Ukraine.

They dont think in princi­ples of a respon­si­bi­li­ty for wes­tern law based sys­tems (“it some­ti­mes feels, like peop­le want to dri­ve us into some­thing like Afghanistan”),they dont think in moral princi­ples of, if we dont pro­long it, the pre-selection camps rus­sia built in occu­p­ied ter­ri­to­ries will disap­pe­ar a cer­tain per­cen­ta­ge of peop­le being fun­neled through them, they en lar­ge dont think in princi­ples of “the com­mon goal is a grand thing thats worth dying for”, when they are in the pro­cess of dying for it -- and I’m abso­lute­ly cer­tain, that the Ukrai­ni­an lea­ders­hip doesnt either.

The­re is this aspect of - if we dont win, our future pro­spects to reach the eco­no­mic level we’­ve had befo­re the rus­si­an inva­si­on wit­hin the next five genera­ti­ons are slim to non exis­tent. That makes it a neces­si­ty to win. And thats sel­dom­ly a good thing for the indi­vi­du­al on the ground.

And we are not tal­king about capi­tu­la­ti­on here, we are tal­king about kee­ping com­mu­ni­ca­ti­on chan­nels open, or at least insis­ting, that they are reope­ned, befo­re “Putin is made to ask for a sei­ze fire clo­se befo­re he is being defea­ted”. Becau­se, thats neit­her a very likely out­co­me (from what all their mili­ta­ry experts tell the ger­man government), and also a very dan­ge­rous out­co­me to aim for, while having no diplo­ma­tic chan­nels open, becau­se a shock and awe stra­te­gy of broa­der dest­ruc­tion, without any eco­no­mic, or mili­ta­ry logic in place, loo­king for gains, then would sole­ly depend on the right peop­le being in place in rus­si­an lea­ders­hip cycles, pre­ven­ting that outcome.

Holy shit. Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

Jedes Arsch­loch opti­miert nur noch dar­auf was gut klingt, und wählt den Weg emo­tio­nal auf­ge­la­de­ner Argu­men­te, die ihm oder ihr Likes einbringen.

Ich ver­ach­te die­se Gesell­schaft und alles wofür sie steht.

Jetzt sind die­se Ukrai­ner also die­ses magi­sche Hel­den­volk, das für sei­ne Frei­heit kämp­fen will (und für Demo­kra­tie, und für unse­re Wer­te­ord­nung) und das so lan­ge wie nötig. Wäh­rend es immer in ihrem Inter­es­se bleibt, weil sie ja gewin­nen wer­den, weil sie gewin­nen kön­nen. Mit dem aktu­ell wahr­schein­lichs­ten Out­co­me eines pro­lon­gier­ten Zer­mür­bungs­kriegs, der wie­der­um über Sank­tio­nen Russ­land am meis­ten scha­det, wäh­rend es jedoch mili­tä­risch Vor­tei­le hat, je län­ger sich der Krieg hin­zieht. Die wol­len Waf­fen, Waf­fen, Waf­fen! Es ist unglaub­lich - wie kann Chom­sky nur das Gegen­teil behaup­ten - sie haben die­se magi­sche Eigen­schaft, wo sie mit­ten in der Eska­la­ti­ons­lo­gik eines Kriegs, ein­fach wei­ter­ma­chen wol­len. Was für Hel­den! Dass wir das bis­her noch nicht in ande­ren Kon­flikt­ge­bie­ten geför­dert haben…

So keep win­ning, and ever­ything jells, as Böh­mer­mann would want to remind the ukrai­ni­an public of.

Final argu­ment in the you­tube moun­ted posi­ti­on? Chom­sky reads too much, and doesnt visit coun­tries to absorb what peop­le feel, thats a limi­ta­ti­on of Chom­skys method. You know, he doesnt get moved by the feels enough. The right feels, of tho­se well tra­v­eled folks, of cour­se only in the right cir­cles, that know, that the Ukrai­ni­an now wants to fight.

To victory and beyond.

18. Mai 2022

Mos­kau und Kiew set­zen Ver­hand­lun­gen im Ukraine-Krieg aus

Die Ukrai­ne und Russ­land haben die Ver­hand­lun­gen zur Been­di­gung des Krie­ges vor­erst aus­ge­setzt. Die Ukrai­ne wen­det sich dabei vor allem gegen einen Dik­tat­frie­den von­sei­ten Russ­lands. “Der Ver­hand­lungs­pro­zess hängt davon ab, wie die Ereig­nis­se in der Ukrai­ne ver­lau­fen”, sag­te Kiews Unter­händ­ler Mycha­j­lo Podol­jak am Diens­tag im Fern­se­hen. Zuvor hat­te bereits Russ­land das vor­läu­fi­ge Ende von Gesprä­chen bestätigt.

src: click

Kon­text aus dem Chat­ham House Inter­view, vor einer Woche, bei 58:40 in (mehr Kon­text ab min 56):

CH: “We have both the United Sta­tes admi­nis­tra­ti­on, the Biden admi­nis­tra­ti­on and the bri­tish government in par­ti­cu­lar tal­king about vic­to­ry. Vic­to­ry must invol­ve the defeat of Vla­di­mir Putin, even that it must invol­ve all rus­si­an for­ces lea­ving all of ter­ri­to­ri­al Ukrai­ne, so my ques­ti­on to you Mr. Pre­si­dent - is it hel­pful, to have some of your key back­ers, diplo­ma­ti­cal­ly and mili­ta­ri­ly - set­ting that war aim, publicly, at this time? Is that hel­pful to you as pre­si­dent of the Ukrai­ne, or not?”

Selen­skyj: “Well, its a very com­pli­ca­ted ques­ti­on. I’m not afraid of such blunt state­ments, I think the more direct, the bet­ter, the easier for Ukrai­ne and the euro­pean socie­ty and the rus­sia socie­ty for that mat­ter - for them to under­stand that if we dont stop this -- lets come back to the alle­go­ri­cal situa­ti­on - then all the brid­ges will be burnt [refer­ring to the right now the­re are still open venues for talks]. So we have to be open dis­cus­sing that. If the­re is… Bila­te­ral­ly [mea­ning wit­hin the wes­tern back­er infra­st­ruc­tu­re] we can dis­cuss this without alle­go­ries, we diplo­ma­ti­cal­ly can only dis­cuss the spe­ci­fic steps. So what vic­to­ry is for us the noti­on, for the euro­pean uni­on, that is for the UK, for the US [try­ing to broa­den the ques­ti­on to be able to give a more gene­ral ans­wer] - for some peop­le it may be Putins defeat - and in our socie­ty, the­re is a big por­ti­on of peop­le, thin­king exact­ly that. But for me the vic­to­ry, … I dont care what hap­pens to some lea­ders, whe­re they will end up, for me what mat­ters is Ukrai­nes vic­to­ry. And by Ukrai­nes vic­to­ry we mean “some­thing that belongs to us” - this is our ter­ri­to­ry and our peop­le -- for me vic­to­ry is not to loo­se 11 mil­li­on peop­le. Five mili­on peop­le who have left Ukrai­ne, they have to come back - thats my vic­to­ry. And I’m thin­king about it, becau­se for me vic­to­ry is at least, brin­ging the coun­try back eco­no­mi­c­al­ly, at least to the situa­ti­on when it all star­ted, as a good begin­ning - but also for the wes­tern world to have com­ple­te awa­reness, what is hap­pe­ning here and what the pain is like, they should feel our pain, that will unite them [in pain], and that will never be effec­ted by rus­si­an pro­pa­gan­da, and they will help us all the way. And for us, for me, vic­to­ry is - admis­si­on to acces­si­on to the Euro­pean Uni­on, with all the pros and cons, and when we dis­cuss that - and thats the will of the ukrai­ni­an peop­le, and this all star­ted in the Mai­dan , we’­ve had revo­lu­ti­ons to that effect, and this war is also about, that this can not be in vain, so Ukrai­ne in the EU is not the princip­le, the major vic­to­ry, but we can not just dis­re­gard the peop­le, who sacri­fi­ced their lives for that, so its the dream, its the will, and the steps that we made, and thats what we intend to do, as a nati­on And if someo­ne from euro­pe, even now, they have alrea­dy recei­ved our refu­gees, they’­ve seen all the foo­ta­ge in the world, they’­ve lis­tened to me, to us, they are lis­tening now, they rea­li­ze what is hap­pe­ning here. In Mariu­pol peop­le are dying in thousands, but the­re are still some per­sons who want to get some oxy­gen without even attemp­t­ing to breath, and they want to strike the balan­ce, they want to be in the grey area, stay in the shadow, while some peop­le say its a walk inbet­ween the drops of rain. And… This is not a rain! It never rains, it pours! as the say­ing goes, and this is the war of what - the­re are no drops any­mo­re, we are all wet, by now. Soa­king wet. And - this is cyni­cism, this is the lack of ade­quacy, in some lea­ders, in some deve­lo­ped coun­tries. And the ade­quacy of world [cohe­si­on, doing all that we’d as you to do to be ade­qua­te], is also vic­to­ry for Ukrai­ne. That will influ­ence us, it does influ­ence us, real­ly. And what will hap­pen to some indi­vi­du­als in rus­sia, you know - why should I think about the oder side - the mili­ta­ry, their lea­ders, their pre­si­dent, and what will hap­pen to them - they should be punis­hed for what they did, that is the most important thing, in my book. Accord­ing to the inter­na­tio­nal law. But if they come here, and even fail to collect their debt, and they dont care about a quick - why should I care? Its them. I have to think about my peop­le, my citizens.”

Alles klar? Und das ist der Grund, wes­halb wir Ver­hand­lun­gen über ein Ende des Krie­ges vor­erst aus­ge­setzt haben.

Natür­lich “Mos­kau und Kiew” im wor­d­ing des Standard. 

To vic­to­ry and beyond.

Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

Ach­ja, und die Stan­dard Zen­sur in Aktion:
Bildschirmfoto 2022 05 18 um 07 56 53

Hier gab es kein Vor­ge­p­le­nkel. Das war mein ers­tes pos­ting heu­te am Tag. Eine Über­prü­fung der Ent­schei­dung ein­zu­lei­ten ist mir nicht mög­lich. Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

Unsauberheit bei Anne Will

17. Mai 2022

Bei Anne Will wur­den vor acht Tagen Unter­zeich­ner bei­der offe­nen Brie­fe gegen­ein­an­der gepitcht.
(Kom­plet­tes Video: click, Mir­ror: click)

Der des Brie­fes für mehr akti­ve Par­ti­zi­pa­ti­on war bemüht die Posi­ti­on der Ukrai­ne als “kom­pro­miss­be­reit”, und nicht als “Hard­li­ner dem man jetzt lau­fend Waf­fen zukom­men las­sen muss” zu skiz­zie­ren. Dazu hat­te er pri­mär ein Argu­ment. Er glau­be, zumin­dest habe er das bei Selen­sky­js Gespräch bei Chat­ham House so ver­stan­den, Selen­skyj sei damit ein­ver­stan­den wie­der zu den Gren­zen des 23. April als Basis für einen Frie­dens­ver­trag zurückzukehren.
In jedem Fall sei das das Mini­mum was erreicht wer­den müs­se, um nicht den Ein­druck zu hin­ter­las­sen dass Russ­land Erfolg gehabt hätte.
src: click

Also quä­le ich mich eine knap­pe Stun­de durch den Chat­ham House Dia­log (Selen­skyj hat eine super Idee: “Eine inter­na­tio­na­le, mili­tä­ri­sche 24 Stun­den Ein­greif­trup­pe gegen Kriegs­ver­bre­chen in Kriegs­ge­bie­ten - wir müs­sen es tun, wir müs­sen uns die­se Fra­ge stel­len, wie kann Chat­ham House hier hel­fen, wie kön­nen wir das rea­li­sie­ren, bit­te dis­ku­tie­ren sie!”) um in etwa bei Minu­te 56 zur refe­ren­zier­ten Ant­wort zu kommen.

Die Fra­ge aus dem Publi­kum lau­tet in der Tat, ob es die Ukrai­ne akzep­tie­ren könn­te, bei Frie­dens­ver­hand­lun­gen auf die ter­ri­to­ria­len Gren­zen vom 23. Febru­ar zurückzufallen.

Die Ant­wort die von Selen­skyj gege­ben wird ist ein non sequi­tur, der aus­schließ­lich ihre Vor­be­din­gun­gen für einen Waf­fen­still­stand umschreibt. Die Vor­be­din­gun­gen für einen Waf­fen­still­stand, auf Sei­ten der Ukrai­ne, sind ein Rück­zug aller rus­si­scher Trup­pen auf die Gebie­te vom 23. Febru­ar - danach könn­ten Frie­dens­ver­hand­lun­gen begin­nen. Im zwei­ten Teil der Ant­wort quält sich Selen­skyj durch unter­schied­li­che Ansät­ze zu erklä­ren, wie sie denn zu Ver­hand­lun­gen kom­men wür­den, wenn sie zuvor nicht ver­han­del­ten. “Da müs­se wohl von Russ­land was kom­men, aber sofern er ver­ste­he gäbe es wohl noch Kanä­le, noch nicht alle Brü­cken sei­en abge­ris­sen, figu­ra­tiv gesprochen”.

Dar­aus macht der Mode­ra­tor bei Chat­ham House “das ist jetzt aber ein sehr wich­ti­ge Ant­wort und Stel­lung­nah­me” - weil er nicht weiß, dass das die Posi­ti­on der Ukrai­ne ist, seit dem sie das ers­te mal “die Gren­zen vom 23 Febru­ar” in den Mund genom­men hat. Die beschrei­ben immer die Vor­be­din­gung unter der die Ukrai­ne zu einer Waf­fen­ru­he bereit sei. An der Posi­ti­on, dass die Ukrai­ne in Frie­dens­ver­hand­lun­gen auf die voll­stän­di­ge ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne besteht (inkl. Krim, inkl. Don­bas), hat sich nie auch nur irgend­et­was geän­dert. Seit dem ers­ten Inter­view in dem die Pres­se “Selen­kyj ist für Frie­dens­ver­hand­lun­gen” geti­telt hat. Denn es wur­den immer, suk­zes­si­ve die Bedin­gun­gen für Gesprä­che, ins beson­de­re für High Level Gesprä­che für die Selen­skyj gewor­ben hat, außen vor gelas­sen. Siehe:
Die ARD ver­kürzt mal wieder

Das mag für eine Schlag­zei­le mal nicht schlimm sein, es sei denn natür­lich man lässt den Teil weg - in dem man bei Frie­dens­ver­hand­lun­gen die Rück­ga­be der Krim for­dert. Was seit Kriegs­be­ginn der Fall war.

Und ich kanns hier zum fünf­ten Mal schrei­ben, und es gibt immer wie­der Pun­dits (Ruprecht Polenz, ein Unter­zeich­ner des Gegen­briefs bei Anne Will, Lia­na Fix bei Lanz) die das falsch refe­ren­zie­ren. Polenz um es ihm zu gute zu hal­ten unter Zuhil­fe­nah­me der For­mu­lie­rung von “zumin­dest habe er das so ver­stan­den”. Es gibt nir­gend­wo einen Fak­ten­check. Es gibt nir­gend­wo jeman­den der die Dif­fe­ren­zie­rung kennt (das eine sind die Vor­be­din­gun­gen für einen Waf­fen­still­stand, das ande­re eine Gren­ze bei Frie­dens­ver­hand­lun­gen mit der die Ukrai­ne leben könn­te - bei­des sind dia­me­tral ande­re Din­ge, aber die Ver­tre­te­rin der Kör­ber Stif­tung (wobei, ehe­mals Mer­ca­tor) bei Lanz, und der CDU Poli­ti­ker bei Anne Will kön­nen das lei­der wie­der nicht auseinanderhalten.

Genau­so­we­nig wie der Mode­ra­tor des Gesprächs bei Chat­ham House hier nicht in Lobes­hym­nen ver­fal­len kann, wäh­rend Selen­skyj gera­de die Publi­kums­fra­ge sidestept.

In der ging es nicht um Vor­be­din­gun­gen für einen Waffenstillstand.

Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

Zumin­dest fragt der Mode­ra­tor bei Chat­ham House noch­ein­mal nach, ob die Ukrai­ne es in Ord­nung fin­det, dass ande­re für sie dekla­rie­ren, dass der Sieg der Ukrai­ne gleich­be­deu­tend mit einem voll­stän­di­gen Rück­zug der rus­si­schen Trup­pen aus der Gän­ze des ukrai­ni­schen Staats­ge­biets ist. Die Ant­wort die dar­auf folgt ist, “Er [Selen­skyj] habe kei­ne Angst vor “kräf­ti­gen” [bold] Aus­sa­gen, die er eben­falls in der Form getä­tigt habe”, und “was er für sich als Sieg sehen wür­de, sei die Rück­kehr der Ver­trie­be­nen, und eine Ukrai­ne in der das nor­ma­le Leben wie­der auf­ge­nom­men wer­den kann, in den Gren­zen des 23. Febru­ar, zumin­dest für den Anfang”.

Zumin­dest für den Anfang” refe­ren­ziert den von der Ukrai­ne ange­dach­ten Free­ze des poli­ti­schen Sta­tus der tem­po­rär beset­zen Regio­nen (Krim und Don­bas) die nach einer etwa 30 jäh­ri­gen “Auto­no­mie, aber als Teil der Ukrai­ne” (De-Ideologisierung der Bevöl­ke­rung), wie­der zurück an die Ukrai­ne gehen sol­len. Sofern Volks­ab­stim­mun­gen das befürworten.

PR TIpps from Böhmermann

17. Mai 2022

Keep win­ning - to stay relevant.
Keep win­ning - for our model of life.
Keep win­ning - oh sor­ry, no real tal­king points left, lets fill the rest up with actual­ly good jokes, and repeat - keep win­ning to stay rele­vant again. Right?

Thats about all the com­ple­xi­ty you need.

I hear its all the rage in the third world as well.

edit: “In order to end the war, we must keep the war rele­vant, to help them win the war.” Got it?

Oh and play with rimshots, guilt, pop cul­tu­re refe­ren­ces, dap­per dres­sed come­di­ans, scrip­ted spon­ta­n­ei­ty, under­play­ing intel­lect - but not to make a point, but to make the audi­ence feel smart, add a stin­ger against con­ser­va­ti­ve audi­en­ces to feel more “edgy” (des­pi­te you repre­sen­ting their majo­ri­ty view), add a count­down ele­ment to sug­gest, that the Ukrai­ne would be smart enough not to wait until it had no eco­no­mic pro­spects any­mo­re, becau­se this is how wars go, and rebuil­ding its nati­on is not at all lin­ked to the rus­si­an funds, that have been and cur­r­ent­ly are fro­zen by sanc­tions, add some unre­la­ted come­dic misun­derstan­ding as the punch­li­ne to that one. Oh Jan, its twit­ter, Jan!

Hmm… Pro­bab­ly not that gre­at to under­stand how this works… Come­dy is an artform.

#its­abou­tus - is PR? Art? A pro­per argu­ment? An emo­tio­nal­ly char­ged notion.