Danke Herr Professor, jetzt müssen wir nur noch da ZDF dazu bekommen, nicht ständig die Liveschalte im ersten Kriegsmonat zu unterbrechen, wenn sie auf Demos sprechen.

18. Juni 2026

Oder dass sie Leu­te nicht mehr mit dem tiefs­ten, gro­tes­kes­ten inhalt­li­chen Schwach­sinn -- aber voll­kom­men anony­mi­siert, in der media­len Öffent­lich­keit unter Pseud­onym anpatzen.

Oder dass der Hurendrecks-Standard Leser in Öster­reich mehr als 750 Zei­chen liest.

Ich mein, man kann ja noch träumen…

Debat­te

Jef­frey Sachs: Wenn wir vom Abgrund des Kriegs weg­wol­len, müs­sen wir ehr­lich sein
Jef­frey Sachs ant­wor­tet einem Kri­ti­ker aus Euro­pa und erklärt, dass nur die Kennt­nis der Ursa­chen des Krie­ges zu des­sen Been­di­gung füh­ren können.

Jef­fe­ry D. Sachs
17.06.2026, 22:05 Uhr

Jef­frey D. Sachs

Jef­frey Sachs: Wenn wir vom Abgrund des Kriegs weg­wol­len, müs­sen wir ehr­lich sein

In mei­nem Offe­nen Brief an Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz, erschie­nen am 27. Mai 2026 in der Ber­li­ner Zei­tung, habe ich sechs kon­kre­te Fehl­ent­schei­dun­gen der deut­schen Außen­po­li­tik seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung dar­ge­legt – sechs kon­kre­te Ent­schei­dun­gen, die von nament­lich genann­ten deut­schen Poli­ti­kern zu bekann­ten Daten getrof­fen wur­den und Euro­pa an den Rand eines all­ge­mei­nen Krie­ges gebracht haben. Die Ber­li­ner Zei­tung hat eine Ant­wort eines Autors unter dem Pseud­onym „Tonio Niel­sen“ ver­öf­fent­licht, der von der Redak­ti­on als „ein Mit­ar­bei­ter der Regie­rung eines euro­päi­schen Lan­des“ iden­ti­fi­ziert wur­de. Herr Niel­sen wirft mir „his­to­ri­sche Ver­zer­run­gen“, „selek­ti­ve Geschichts­dar­stel­lung“ und „mora­li­sches und ana­ly­ti­sches Ver­sa­gen“ vor. Er schluss­fol­gert, dass mein Vor­schlag einer „gesteu­er­ten Kapi­tu­la­ti­on“ gleichkomme.

Sei­ne Ant­wort ver­dient eine ernst­haf­te Aus­ein­an­der­set­zung. Ich möch­te daher die sechs Punk­te ein­zeln betrach­ten. In jedem Fall wer­de ich dar­le­gen, was ich gesagt habe, was Herr Niel­sen erwi­dert und war­um sei­ne Erwi­de­rung nicht stich­hal­tig ist.

1. Die Zusi­che­run­gen von 1990 und die NATO-Osterweiterung
Was ich gesagt habe:

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag vom Sep­tem­ber 1990, der die deut­sche Wie­der­ver­ei­ni­gung sicher­te, wur­de vor dem Hin­ter­grund fei­er­li­cher, wie­der­hol­ter und doku­men­tier­ter münd­li­cher Zusi­che­run­gen von Hans-Dietrich Gen­scher, Hel­mut Kohl, James Baker und ande­ren an Michail Gor­bat­schow aus­ge­han­delt – Zusi­che­run­gen, dass die NATO nicht nach Osten expan­die­ren wür­de. Die vom Natio­nal Secu­ri­ty Archi­ve der Geor­ge Washing­ton Uni­ver­si­ty zusam­men­ge­stell­ten, frei­ge­ge­be­nen Doku­men­te sind ein­deu­tig (sie­he hier). Die­se Zusi­che­run­gen waren die Bedin­gung für die deut­sche Wie­der­ver­ei­ni­gung zu west­li­chen Bedin­gun­gen. Sie wur­den dann gebrochen.

Was Herr Niel­sen erwidert:

Es gab münd­li­che Zusi­che­run­gen im Zusam­men­hang mit der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung. Die­se ver­die­nen eine ernst­haf­te his­to­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung. Sie wur­den jedoch nie in einem Ver­trag fest­ge­hal­ten, der eine spä­te­re NATO-Erweiterung ver­hin­dert hät­te.“ Daher, so schluss­fol­gert er, habe Mos­kau kein „stän­di­ges Veto­recht gegen­über den sou­ve­rä­nen Ent­schei­dun­gen aller Staa­ten zwi­schen Ber­lin und Russland“.

War­um die­ser Ein­wand nicht überzeugt:

Herr Niel­sen räumt die his­to­ri­sche Tat­sa­che ein – die Zusi­che­run­gen wur­den gege­ben – und ver­wirft sie dann mit der Begrün­dung, sie sei­en „nie in einem Ver­trag fest­ge­hal­ten“ wor­den. Dies ist schlicht­weg völ­ker­recht­lich falsch. Der Inter­na­tio­na­le Gerichts­hof hat die­se Fra­ge 1974 im Fall „Atom­tests (Aus­tra­li­en gegen Frank­reich)“ ent­schie­den (abruf­bar hier). Der Gerichts­hof urteil­te, dass ein­sei­ti­ge, öffent­lich abge­ge­be­ne Erklä­run­gen auto­ri­sier­ter Staats­ver­tre­ter mit der Absicht, zu bin­den, rechts­ver­bind­lich sind, unab­hän­gig davon, ob sie in Ver­trags­form kodi­fi­ziert sind. „Ob eine Erklä­rung münd­lich oder schrift­lich abge­ge­ben wird, ist uner­heb­lich“, schrieb der Gerichts­hof; „die ein­zig rele­van­te Fra­ge ist, ob die in der jewei­li­gen Erklä­rung ver­wen­de­te Spra­che eine kla­re Absicht erken­nen lässt“, bin­dend zu sein.

Der Schwei­zer Wis­sen­schaft­ler Pas­cal Lot­t­az hat die Anwen­dung auf die Zusi­che­run­gen von 1990 sehr anschau­lich dar­ge­legt (sie­he hier). Die Erklä­run­gen wur­den von auto­ri­sier­ten Ver­tre­tern – Außen­mi­nis­ter Baker, Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Gen­scher und Bun­des­kanz­ler Kohl – in offi­zi­el­len diplo­ma­ti­schen Gesprä­chen mit der offen­kun­di­gen Absicht abge­ge­ben, die Zustim­mung der Sowjet­uni­on zur deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung zu errei­chen. Die Kri­te­ri­en des IGH sind voll­um­fäng­lich erfüllt. Nach Völ­ker­recht waren und sind die­se Zusi­che­run­gen bindend.

2. Die Buka­res­ter Erklä­rung von 2008 und die Stra­te­gie der NATO-Erweiterung
Was ich gesagt habe:

Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel schreibt in ihren Memoi­ren, dass sie zum Zeit­punkt des Buka­res­ter Gip­fels 2008 ver­stand, dass ein NATO-Beitritt der Ukrai­ne und Geor­gi­ens einer Kriegs­er­klä­rung an Russ­land gleich­kä­me. Sie kann­te Russ­lands rote Linie. Den­noch gab sie dem ame­ri­ka­ni­schen Druck nach und akzep­tier­te die For­mu­lie­rung, dass die Ukrai­ne und Geor­gi­en NATO-Mitglieder „wer­den“. Die­ser eine Satz lös­te die Kata­stro­phen von 2014 und 2022 aus.

Der Ein­wand von Herrn Nielsen:

Die Buka­res­ter Erklä­rung war „bewusst vage“ – kein Akti­ons­plan für die Mit­glied­schaft (mem­bers­hip action plan, MAP), kein Zeit­plan. „Das mag stra­te­gisch unklug gewe­sen sein – aber es war kei­ne unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de NATO-Übernahme der Ukraine.“

War­um die­se Ein­wand nicht zutref­fend ist:

Hier liegt der Kern des Pro­blems, und in die­sem Punkt ver­steht die euro­päi­sche poli­ti­sche Klas­se ent­we­der die US-Strategie, die uns an die­sen Punkt gebracht hat, nicht, oder sie ver­steht sie und ver­schweigt sie der euro­päi­schen Öffent­lich­keit. So oder so, Niel­sens Argu­men­ta­ti­on hält drei Zeu­gen­aus­sa­gen nicht stand – der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin, die den Buka­res­ter Text unter­zeich­ne­te, des ame­ri­ka­ni­schen Stra­te­gen, der die Poli­tik erläu­ter­te, und des NATO-Generalsekretärs selbst. Zunächst hat Mer­kel selbst erklärt, war­um es leicht­sin­nig war, die Ukrai­ne und Geor­gi­en in die NATO zu drän­gen. In ihren Memoi­ren „Frei­heit“ schreibt sie, sie habe es für „ein Spiel mit dem Feu­er“ gehal­ten, über den Sta­tus des Mit­glied­schafts­ak­ti­ons­plans für die Ukrai­ne und Geor­gi­en zu dis­ku­tie­ren, „ohne die Situa­ti­on aus Putins Per­spek­ti­ve zu ana­ly­sie­ren“. Anschlie­ßend legt sie unmiss­ver­ständ­lich dar, wie die­se Per­spek­ti­ve aus­sah. Die Ukrai­ne umfass­te damals auch die Krim, wo die rus­si­sche Schwarz­meer­flot­te im Rah­men eines bis 2017 lau­fen­den Sta­tio­nie­rungs­ab­kom­mens sta­tio­niert war. Wie sie es aus­drückt, war es „bei­spiel­los, dass ein NATO-Kandidat so eng mit rus­si­schen Mili­tär­struk­tu­ren ver­strickt war“. Zudem befür­wor­te­te nur eine Min­der­heit der Ukrai­ner die NATO-Mitgliedschaft; das Land war tief gespal­ten. Geor­gi­en hat­te unge­lös­te Ter­ri­to­ri­al­kon­flik­te in Süd­os­se­ti­en und Abcha­si­en – nach den NATO-Grundsätzen ein aus­rei­chen­der Grund, den Bei­tritts­an­trag abzu­leh­nen. Wie Mer­kel anmerkt, ähnel­te dies in kei­ner Wei­se der Situa­ti­on der mit­tel­eu­ro­päi­schen Staa­ten, die zuvor bei­getre­ten waren. Die NATO-Erweiterung den­noch fort­zu­set­zen, bedeu­te­te nach dama­li­ger Ein­schät­zung der deut­schen Kanz­le­rin ein Spiel mit dem Feu­er. Und genau das tat sie dann – unter ame­ri­ka­ni­schem Druck. Das ist nicht mei­ne Ein­schät­zung, son­dern ihre.

Niel­sens Ant­wort dar­auf besteht dar­in, der euro­päi­schen Öffent­lich­keit zu ver­si­chern, das Ergeb­nis von Buka­rest sei „bewusst vage“ gewe­sen. Mer­kel wuss­te, dass es nicht vage genug war. Sie wuss­te genau, wel­che Bot­schaft dies an Mos­kau sen­den wür­de. In ihren Memoi­ren, die 2024 erschei­nen, schrieb sie: „Für Putin war die all­ge­mei­ne Bei­tritts­zu­sa­ge der NATO gleich­be­deu­tend mit einem Bei­tritt bei­der Län­der und somit eine Kriegserklärung.“

Zwei­tens war die NATO-Erweiterung bis an Russ­lands Gren­zen kei­ne Rei­he von­ein­an­der unab­hän­gi­ger sou­ve­rä­ner Ent­schei­dun­gen. Sie war ein Schlüs­sel­ele­ment der ame­ri­ka­ni­schen Groß­stra­te­gie, die ein Jahr­zehnt vor Buka­rest offen ver­kün­det wur­de. 1997 leg­te Zbi­gniew Brze­zinski den Plan mit bemer­kens­wer­ter Offen­heit dar, sowohl in „The Grand Chess­board“ als auch in sei­nem Essay „Eine Geo­stra­te­gie für Eura­si­en“ in For­eign Affairs. Eura­si­en, so Brze­zinski, sei das zen­tra­le Schach­brett, auf dem der Kampf um die glo­ba­le Vor­herr­schaft ent­schie­den wer­de. Die Ukrai­ne sei ein „geo­po­li­ti­scher Dreh- und Angel­punkt“: Ohne die Ukrai­ne ver­lie­re Russ­land sei­nen Sta­tus als eura­si­sches Impe­ri­um und wer­de zu einer Regio­nal­macht. Das ame­ri­ka­ni­sche Inter­es­se bestehe dem­nach dar­in, die Ukrai­ne von Russ­land zu lösen und sie in den west­li­chen – also NATO- und EU- – Ein­fluss­be­reich zu inte­grie­ren, und zwar inner­halb eines Zeit­raums, den er bis zum Ende des fol­gen­den Jahr­zehnts skiz­zier­te. Dies war kei­ne gehei­me Agen­da, die hin­ter ver­schlos­se­nen Türen bespro­chen wur­de. Sie wur­de in For­eign Affairs, dem Sprach­rohr der ame­ri­ka­ni­schen Außen­po­li­tik, ver­öf­fent­licht. Jeder, der vor­gibt, die euro­päi­sche Sicher­heit ernst zu neh­men, muss sich mit den Aus­sa­gen ame­ri­ka­ni­scher Groß­stra­te­gen zur ame­ri­ka­ni­schen Groß­stra­te­gie aus­ein­an­der­set­zen. Herr Niel­sen igno­riert all das. Die euro­päi­sche poli­ti­sche Klas­se hat drei­ßig Jah­re lang die Augen vor solch grund­le­gen­den geo­po­li­ti­schen Rea­li­tä­ten verschlossen.

Drit­tens - und das ist ent­schei­dend - hat der NATO-Generalsekretär selbst – öffent­lich im Euro­päi­schen Par­la­ment – ein­ge­räumt, dass die NATO-Erweiterung den Krieg ver­ur­sacht hat. Am 7. Sep­tem­ber 2023 erklär­te Jens Stol­ten­berg in einer gemein­sa­men Sit­zung der Unter­aus­schüs­se für Aus­wär­ti­ge Ange­le­gen­hei­ten und Ver­tei­di­gung des Euro­päi­schen Par­la­ments Fol­gen­des: Putin habe der NATO im Herbst 2021 einen Ver­trags­ent­wurf zukom­men las­sen, in dem er eine Ver­pflich­tung zu einem Ver­zicht auf wei­te­re NATO-Erweiterungen for­der­te; die­se Ver­pflich­tung sei Putins erklär­te „Vor­be­din­gung“ für den Ver­zicht auf eine Inva­si­on in der Ukrai­ne gewe­sen; die NATO habe die Unter­zeich­nung ver­wei­gert; und, in Stol­ten­bergs abschlie­ßen­den Wor­ten: „Also zog er in den Krieg, um die NATO, noch mehr NATO, nahe sei­ner Gren­zen zu ver­hin­dern.“ Der voll­stän­di­ge Text ist auf der offi­zi­el­len Web­site der NATO zu fin­den (hier). Es besteht kein Zwei­fel: Der NATO-Generalsekretär erklär­te dem Euro­päi­schen Par­la­ment öffent­lich, dass der Krieg durch die Wei­ge­rung der NATO, ihre Erwei­te­rung bis an die Gren­zen Russ­lands zu stop­pen, ver­ur­sacht wur­de. Herr Niel­sen kann Stol­ten­berg nicht mit der Wie­der­ho­lung eines „nicht exis­tie­ren­den mem­bers­hip action plan/MAP“ wider­le­gen. Stol­ten­berg selbst hat uns dar­ge­legt, was zur rus­si­schen Inva­si­on führte.

Und hier liegt der Feh­ler in Herrn Niel­sens Argu­men­ta­ti­on. Der Punkt des „nicht exis­tie­ren­den MAP“ wird so ange­führt, als wol­le man sug­ge­rie­ren, die NATO-Erweiterung um die Ukrai­ne sei ein Hirn­ge­spinst gewe­sen, eine theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, die nie ernst­haft ver­folgt wur­de. Die Rea­li­tät war das Gegen­teil. Seit 2008 hat jedes NATO-Gipfelkommuniqué die Buka­res­ter Erklä­rung bekräf­tigt. Der Vilnius-Gipfel 2023 erklär­te die „Zukunft“ der Ukrai­ne im Bünd­nis und ver­zich­te­te auf jeg­li­chen Bezug auf eine MAP-Forderung. In den Jah­ren zwi­schen Buka­rest und dem Krieg bil­de­ten die NATO und ihre Mit­glied­staa­ten die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te durch jähr­li­che Übun­gen aus und rüs­te­ten sie aus. Sie inte­grier­ten die ukrai­ni­sche Füh­rung und Kon­trol­le in NATO-Standards. Die ukrai­ni­sche Marine- und Luft­in­fra­struk­tur wur­de wie­der­auf­ge­baut. Seit Febru­ar 2022 flos­sen über 200 Mil­li­ar­den Dol­lar an mili­tä­ri­scher, finan­zi­el­ler und geheim­dienst­li­cher Unter­stüt­zung in das Land. Wie auch immer Herr Niel­sen dies nen­nen mag, Mos­kau hat jedes Recht, es beim Namen zu nen­nen: die fak­ti­sche Ein­glie­de­rung der Ukrai­ne in das NATO-Militärsystem mit der kla­ren Absicht einer for­mel­len Mit­glied­schaft in der Zukunft. Das Feh­len eines for­ma­len MAP-Mechanismus ist kein Beweis für die Abwe­sen­heit die­ser Absicht. Im Gegen­teil, es ist die diplo­ma­ti­sche Tar­nung, hin­ter der die sub­stan­zi­el­le Inte­gra­ti­on der Ukrai­ne in die NATO ver­sucht wurde.

Dies ist der Kern der euro­päi­schen Tra­gö­die. Ent­we­der ver­ste­hen die euro­päi­schen Staats- und Regie­rungs­chefs die ame­ri­ka­ni­sche (und NATO)-Strategie seit drei­ßig Jah­ren nicht, oder sie ver­ste­hen sie und belü­gen ihre eige­ne Öffent­lich­keit dar­über. In bei­den Fäl­len trifft dies Euro­pa schwer – die euro­päi­schen Volks­wirt­schaf­ten und den euro­päi­schen Frie­den. Die Rus­sen ver­ste­hen es; sie sagen es seit drei­ßig Jah­ren mit den­sel­ben Wor­ten. Die ame­ri­ka­ni­schen Stra­te­gen ver­ste­hen es: Sie haben es 1997 klar und deut­lich nie­der­ge­schrie­ben. Der NATO-Generalsekretär ver­steht es - das hat er 2023 auch gesagt. Die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin ver­stand es damals und hat es schrift­lich fest­ge­hal­ten. Nur die euro­päi­sche poli­ti­sche Klas­se – und Herr Niel­sen als ihr anony­mer Ver­tre­ter – gibt vor, es nicht zu ver­ste­hen. Und so ist die Diplo­ma­tie, die einst den Kal­ten Krieg been­de­te, gestor­ben. Euro­päi­sche Staats- und Regie­rungs­chefs wagen es nicht, ehr­lich mit den Rus­sen zu spre­chen, weil sie Angst davor haben, was die Rus­sen ihnen sagen wür­den und wel­che Schlüs­se ihre eige­nen Völ­ker dar­aus zie­hen würden.

3. Der Mai­dan und das Abkom­men vom 21. Febru­ar 2014
Was ich gesagt habe:

Am 21. Febru­ar 2014 ver­mit­tel­te der dama­li­ge deut­sche Außen­mi­nis­ter Frank-Walter Stein­mei­er zusam­men mit sei­nen pol­ni­schen und fran­zö­si­schen Amts­kol­le­gen ein Abkom­men zwi­schen Prä­si­dent Janu­ko­witsch und der ukrai­ni­schen Oppo­si­ti­on. Es sah die Wie­der­ein­füh­rung der Ver­fas­sung von 2004, eine Regie­rung der natio­na­len Ein­heit und vor­ge­zo­ge­ne Prä­si­dent­schafts­wah­len vor. Prä­si­dent Putin wur­de kon­sul­tiert. Das Abkom­men wur­de bestä­tigt. Inner­halb von 24 Stun­den wur­de Janu­ko­witsch von bewaff­ne­ten para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pen gestürzt, und Deutsch­land brach sei­ne Zusa­ge. Die Bot­schaft an Mos­kau war klar: West­li­chen Unter­schrif­ten kann man nicht trauen.

Der Ein­wand von Herrn Nielsen:

Mil­lio­nen Ukrai­ner pro­tes­tier­ten nicht, weil die CIA sie dazu auf­ge­for­dert hat­te. Sie pro­tes­tier­ten, weil Prä­si­dent Wik­tor Janu­ko­witsch den pro-europäischen Kurs auf­gab, Gewalt gegen Demons­tran­ten anwand­te und ein zutiefst kor­rup­tes poli­ti­sches Sys­tem reprä­sen­tier­te. Den Mai­dan auf eine west­li­che Ope­ra­ti­on zu redu­zie­ren, bedeu­tet, den Ukrai­nern ihre poli­ti­sche Auto­no­mie zu verweigern.“

War­um die­ses Argu­ment nicht greift:

Es han­delt sich um ein Schein­ar­gu­ment. Ich habe in mei­nem Schrei­ben nicht behaup­tet, die Ukrai­ner hät­ten auf­grund von Anwei­sun­gen der CIA pro­tes­tiert. Mein Argu­ment ist kon­kret, belegt und bezieht sich auf Deutsch­land. Deutsch­land war Garan­tie­ge­ber eines am 21. Febru­ar unter­zeich­ne­ten schrift­li­chen Abkom­mens. Die­ses Abkom­men wur­de inner­halb weni­ger Stun­den von gewalt­tä­ti­gen para­mi­li­tä­ri­schen For­ma­tio­nen – dem Rech­ten Sek­tor und ver­bün­de­ten Grup­pen – außer Kraft gesetzt, die Regie­rungs­ge­bäu­de besetz­ten, Janu­ko­witsch zur Flucht zwan­gen und ent­ge­gen dem von Deutsch­land zuvor mit­ver­han­del­ten ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Weg eine neue Regie­rung ein­setz­ten. Deutsch­land bestand nicht auf dem von ihm garan­tier­ten Abkom­men. Das ist das deut­sche Ver­sa­gen. Herr Niel­sen geht dar­auf nicht ein, weil er es nicht ange­hen kann.

Was die Dar­stel­lung von „Mil­lio­nen“ fried­li­cher Demons­tran­ten betrifft: Die anhal­ten­den Maidan-Demonstranten stell­ten nie annä­hernd „Mil­lio­nen“ dar. Im Febru­ar 2014 ver­la­ger­te sich das poli­ti­sche Macht­zen­trum auf bewaff­ne­te Grup­pen. Der Sturz der Regie­rung am 22. Febru­ar war eine para­mi­li­tä­ri­sche Akti­on, die eine von Deutsch­land ver­mit­tel­te ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Rege­lung außer Kraft setz­te, und Deutsch­land wil­lig­te ein. Die Ver­wei­ge­rung der ukrai­ni­schen Auto­no­mie liegt hier nicht in mei­ner Dar­stel­lung, son­dern im Ver­hal­ten der para­mi­li­tä­ri­schen Anfüh­rer, die das von der gewähl­ten Prä­si­den­tin der Ukrai­ne unter­zeich­ne­te Abkom­men ablehnten.

4. Minsk II
Was ich gesagt habe:

Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel ver­han­del­te Minsk II im Febru­ar 2015 per­sön­lich und sicher­te die poli­ti­sche Unter­stüt­zung Deutsch­lands zu. Sie­ben Jah­re lang wur­de die zen­tra­le poli­ti­sche Bestim­mung – die Auto­no­mie der Donbass-Regionen inner­halb einer sou­ve­rä­nen Ukrai­ne – von Kiew nicht umge­setzt. Deutsch­land dräng­te nicht auf die Umset­zung. Mer­kel räum­te spä­ter ein, dass das Abkom­men als Druck­mit­tel genutzt wor­den war, um der Ukrai­ne die Wie­der­be­waff­nung zu ermög­li­chen. Prä­si­dent Hol­lan­de sag­te das­sel­be. Die deut­sche Unter­schrift war also kei­ne Garan­tie, son­dern eine Strategie.

Was Herr Niel­sen erwidert:

Russ­land „zog sei­ne mili­tä­ri­sche Unter­stüt­zung nicht zurück, stell­te die ukrai­ni­sche Kon­trol­le über die Gren­ze nicht wie­der her und behan­del­te den Don­bass nie als tat­säch­li­ches ukrai­ni­sches Ter­ri­to­ri­um. Minsk schei­ter­te nicht nur, weil Kiew und Ber­lin unehr­lich waren. Es schei­ter­te auch, weil Mos­kau dau­er­haf­ten Ein­fluss behal­ten wollte.“

War­um die­ser Ein­wand nicht überzeugt:

Herr Niel­sen räumt die deut­sche Unehr­lich­keit ein – „nicht nur, weil Kiew und Ber­lin unehr­lich waren“ – und ver­sucht dann, die Schuld zu ver­tei­len. Mei­ne Fra­ge war jedoch, ob Deutsch­land sei­ne eige­ne Garan­tie zur Ein­hal­tung des Mins­ker Ver­trags ein­ge­hal­ten hat. Die Bun­des­kanz­le­rin, die das Abkom­men aus­ge­han­delt hat, hat dazu selbst Stel­lung bezo­gen. In ihrem Inter­view mit der „Zeit“ vom 7. Dezem­ber 2022 erklär­te Mer­kel unmiss­ver­ständ­lich: Das Mins­ker Abkom­men sei „ein Ver­such gewe­sen, der Ukrai­ne Zeit zu geben“, und die Ukrai­ne habe „die­se Zeit genutzt, um stär­ker zu wer­den“. Hol­lan­de bestä­tig­te in „Libé­ra­ti­on“, dass die Abkom­men „der ukrai­ni­schen Armee die­se Gele­gen­heit“ zur Stär­kung gege­ben hät­ten. Die­se Aus­sa­gen von Mer­kel und Hol­lan­de sind ein zen­tra­ler Punkt der Geschich­te von Minsk II. Herr Niel­sen geht dar­auf nicht ein. Das deut­sche Ver­sa­gen bleibt bestehen.

Ein wei­te­rer Punkt zur Abfol­ge: Minsk II sah vor, dass poli­ti­sche Refor­men – Son­der­sta­tus, Ver­fas­sungs­än­de­rung, Kom­mu­nal­wah­len – der end­gül­ti­gen Rege­lung der Grenz­kon­trol­len und mili­tä­ri­schen Ver­ein­ba­run­gen vor­aus­ge­hen muss­ten. Kiew begann die poli­ti­schen Refor­men nie, da sowohl Washing­ton als auch Kiew beschlos­sen, den Ver­trag zu igno­rie­ren. Deutsch­land dräng­te nie darauf.

5. Nord Stream
Was ich gesagt habe:

Die Nord-Stream-Pipelines, ein Eck­pfei­ler der deut­schen Wett­be­werbs­fä­hig­keit, wur­den im Sep­tem­ber 2022 durch Indus­trie­sa­bo­ta­ge zer­stört. Die vor­lie­gen­den Bewei­se – inves­ti­ga­ti­ve Recher­chen in den USA und Deutsch­land, die Ermitt­lun­gen der deut­schen Bun­des­an­walt­schaft und öffent­li­che Stel­lung­nah­men ehe­ma­li­ger Beam­ter – deu­ten ein­deu­tig auf eine gemein­sa­me ukrainisch-amerikanische Ope­ra­ti­on hin. Die deut­sche Regie­rung weiß dies seit Lan­gem. Den­noch hat Deutsch­land zuge­las­sen, dass die öffent­li­che Schuld Russ­land zuge­scho­ben wird, wäh­rend ein Akt der Indus­trie­sa­bo­ta­ge gegen die deut­sche Wirt­schaft unge­straft und unbe­ant­wor­tet blieb.

Was Herr Niel­sen erwidert?

Nichts. Das Wort „Nord Stream“ taucht in sei­nem Text nicht auf.

War­um die­ses Schwei­gen so wich­tig ist: Die Zer­stö­rung von Nord Stream war ein ver­hee­ren­der Schlag für die deut­sche Indus­trie. Die Kos­ten für den deut­schen Mit­tel­stand – für die Chemie-, Stahl-, Glas- und ener­gie­in­ten­si­ve Indus­trie, auf der der deut­sche Wohl­stand beruht – belau­fen sich auf Hun­der­te von Mil­li­ar­den Euro. Ein anony­mer euro­päi­scher Regie­rungs­mit­ar­bei­ter, der die aktu­el­le deut­sche Poli­tik ver­tei­digt, hat sich ent­schie­den, dies mit kei­nem Wort zu erwähnen.

6. Das Istan­bu­ler Frie­dens­ab­kom­men vom April 2022
Was ich gesagt habe:

Nur weni­ge Wochen nach dem rus­si­schen Ein­marsch im Febru­ar 2022 tra­fen sich rus­si­sche und ukrai­ni­sche Unter­händ­ler in Istan­bul, um die Bedin­gun­gen eines Frie­dens­ab­kom­mens aus­zu­han­deln: die Neu­tra­li­tät der Ukrai­ne außer­halb der NATO, mul­ti­la­te­ra­le Sicher­heits­ga­ran­tien, ver­ein­bar­te Trup­pen­be­gren­zun­gen und die schritt­wei­se poli­ti­sche Lösung der Donbass- und Krim-Frage. Der ehe­ma­li­ge israe­li­sche Minis­ter­prä­si­dent Nafta­li Ben­nett, einer der Ver­mitt­ler, bestä­tig­te öffent­lich, dass die Eini­gung kurz bevor­stand und der Wes­ten ver­such­te, sie zu ver­hin­dern. Die Mis­si­on von Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son nach Kiew, um die Ukrai­ne anzu­wei­sen, das Abkom­men nicht zu unter­zeich­nen, ist akten­kun­dig. Hun­dert­tau­sen­de ukrai­ni­sche und rus­si­sche Men­schen­le­ben haben den Preis dafür bezahlt.

Was Herr Niel­sen dazu sagt:

Nichts. Das Wort „Istan­bul“ taucht in sei­ner Erwi­de­rung nicht auf.

War­um die­ses Schwei­gen von Bedeu­tung ist: Herr Niel­sen bezeich­net mei­nen Vor­schlag als „kon­trol­lier­te Kapi­tu­la­ti­on“. Die Istanbul-Bedingungen – ukrai­ni­sche Neu­tra­li­tät, mul­ti­la­te­ra­le Garan­tien, poli­ti­sche Bei­le­gung der Streit­fra­gen – waren jedoch genau die Bedin­gun­gen, die ukrai­ni­sche Unter­händ­ler selbst im April 2022, nach acht Wochen Krieg, auf den Ver­hand­lungs­tisch brach­ten. Es han­del­te sich nicht um eine „Kapi­tu­la­ti­on“, son­dern um eine aus­ge­han­del­te Eini­gung zu Bedin­gun­gen, die weit­ge­hend dem ent­spra­chen, was die meis­ten rea­lis­ti­schen Beob­ach­ter nach meh­re­ren wei­te­ren Jah­ren des Blut­ver­gie­ßens und mög­li­cher­wei­se Hun­dert­tau­sen­den wei­te­rer Todes­op­fer am Ende die­ses Krie­ges erwar­te­ten. Herr Niel­sen geht dar­auf nicht ein. Er stellt Ben­netts Aus­sa­ge nicht in Fra­ge. Er stellt John­sons Mis­si­on nicht in Fra­ge. Er igno­riert die­ses ver­hee­ren­de diplo­ma­ti­sche Ver­sa­gen einfach.

7. Zu Putin und der ukrai­ni­schen Souveränität
Herr Niel­sen wid­met Putins Argu­men­ta­ti­on, die er als „impe­ria­les Argu­ment gegen das Exis­tenz­recht der Ukrai­ne als sou­ve­rä­ne Nati­on“ bezeich­net, viel Raum. Er stützt sich dabei auf Putins Essay „Über die his­to­ri­sche Ein­heit von Rus­sen und Ukrai­nern“ vom Juli 2021. Hier muss ich ganz klar sagen: Herr Niel­sen scheint das Doku­ment, das er anpran­gert, nicht gele­sen zu haben. Putins Essay ist eine aus­führ­li­che his­to­ri­sche Abhand­lung über die zivi­li­sa­to­ri­sche Ver­wandt­schaft zwi­schen Rus­sen und Ukrai­nern und dar­über, wie die Sowjet­uni­on künst­li­che Gren­zen zog. Man kann dem zustim­men oder nicht. Doch die Schluss­fol­ge­rung – die Schluss­pa­ra­gra­phen – steht im kras­sen Gegen­satz zu dem, was Herr Niel­sen behaup­tet. Putin schreibt in den letz­ten Zei­len: „Wir respek­tie­ren die ukrai­ni­sche Spra­che und die ukrai­ni­schen Tra­di­tio­nen. Wir respek­tie­ren den Wunsch der Ukrai­ner nach einem frei­en, siche­ren und pro­spe­rie­ren­den Land.“ Und sein Schluss­satz: „Was die Ukrai­ne sein wird, ent­schei­den ihre Bürger.“

Dies war eine Erklä­rung, in der Russ­land das Selbst­be­stim­mungs­recht der Ukrai­ne aner­kennt und gleich­zei­tig – wie Russ­land es seit drei­ßig Jah­ren offen und unun­ter­bro­chen tut – die Ein­glie­de­rung der Ukrai­ne in ein feind­li­ches west­li­ches Mili­tär­bünd­nis direkt an sei­ner Gren­ze ablehnt. Die Ver­mi­schung his­to­ri­scher Argu­men­te mit der Behaup­tung, Putin stre­be nach impe­ria­ler Erobe­rung, ist ein gän­gi­ges Mit­tel west­li­cher Pole­mik, das Herr Niel­sen gezielt anwen­det. Doch der Text selbst spricht für sich. Jeder kann ihn lesen.

Fazit
Ich habe nun alle sechs Punk­te mei­nes offe­nen Brie­fes sowie die sepa­ra­te Fra­ge nach Putins tat­säch­li­chen Schrif­ten geprüft. Herr Niel­sen hat kei­nen ein­zi­gen Punkt wider­legt. Er hat Behaup­tun­gen anstel­le von Argu­men­ten, Stroh­mann­ar­gu­men­te anstel­le von Aus­ein­an­der­set­zung und Schwei­gen anstel­le von Wider­le­gung in zwei fol­gen­rei­chen Ange­le­gen­hei­ten ver­wen­det. Das Schei­tern der Diplo­ma­tie hat zur brei­ten Wirt­schafts­kri­se in Deutsch­land (und Euro­pa) und damit zu den desas­trö­sen Zustim­mungs­wer­ten von Bun­des­kanz­ler Merz von rund 19 Pro­zent bei­getra­gen. Der deut­sche Mit­tel­stand befin­det sich wei­ter­hin in einer deso­la­ten Lage.

Die von mir beschrie­be­nen Ereig­nis­se haben natür­lich zu einem gra­vie­ren­den Sicher­heits­di­lem­ma auf allen Sei­ten geführt. Russ­land leis­te­te ver­ständ­li­cher­wei­se star­ken Wider­stand gegen die US-Strategie der NATO-Erweiterung und den gewalt­sa­men Putsch von 2014. Nach dem Schei­tern des Mins­ker Abkom­mens II und dem Auf­bau der ukrai­ni­schen Armee durch die NATO zur Bekämp­fung der abtrün­ni­gen Regio­nen im Don­bass leg­te Russ­land Vor­schlä­ge für neue Sicher­heits­ver­ein­ba­run­gen mit der NATO vor, die jedoch von der NATO ent­schie­den abge­lehnt wur­den. Als Russ­land im Febru­ar 2022 in die Ukrai­ne ein­mar­schier­te, fürch­te­ten Län­der in ganz Euro­pa ver­ständ­li­cher­wei­se um ihre eige­ne Sicher­heit und for­der­ten eine Eska­la­ti­on gegen Russ­land, wäh­rend sie die eigent­li­chen Grün­de für eine gegen­sei­ti­ge Eska­la­ti­on igno­rier­ten. Dies ist die Tra­gö­die des Sicher­heits­di­lem­mas und das Zei­chen einer desas­trös geschei­ter­ten Diplomatie.

Die sich in Euro­pa noch immer abspie­len­de Kata­stro­phe ist nicht auf Pech oder unaus­weich­li­che Not­wen­dig­keit zurück­zu­füh­ren. Sie ist das Ergeb­nis kon­kre­ter Ent­schei­dun­gen – sechs davon habe ich in mei­nem Schrei­ben dar­ge­legt, und kei­ne ein­zi­ge davon hat Herr Niel­sen wirk­sam ange­foch­ten. Der Weg zurück vom Abgrund führt über die ehr­li­che Aner­ken­nung der Ent­schei­dun­gen aller Sei­ten und, vor allem, über die drin­gen­de Wie­der­auf­nah­me der von Deutsch­land auf­ge­ge­be­nen, aber drin­gend not­wen­di­gen Diplo­ma­tie. Durch das Ver­ständ­nis der Kriegs­ur­sa­chen auf allen Sei­ten ist es mög­lich, den Krieg durch einen aus­ge­han­del­ten Frie­den zu been­den, der die Sicher­heits­in­ter­es­sen aller Sei­ten respektiert.

Mein offe­ner Brief an den Bun­des­kanz­ler liegt wei­ter­hin vor. Es ist eini­ge Zeit ver­gan­gen seit dem 27. Mai. Mit jedem Tag ver­streicht wei­te­re, wert­vol­le Zeit.

Jef­frey D. Sachs

Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, Colum­bia University 

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