Claudia Reiterer verzweifelt auf der Suche nach einem Arbeitskreis

07. April 2022

oder einem Gremium.

Was hab ich gelacht.

Boah, die Trefferquote wieder…

07. April 2022

Am 24. März schreibt der Stan­dard noch in alter Gewohn­heit Pro­ject Syn­di­ca­te Arti­kel ab (click) - und dann gleich noch vom ECFR Direk­tor, in dem der eine neue Phi­lo­so­phie und das Agie­ren poli­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Akteu­re for­dert um die Bevöl­ke­rung aber so rich­tig in den Zei­ten­wan­del zu über­füh­ren (da stand vor­her ein ande­res Wort) -- mit Unterpunkt:

Außer­dem steht eine neue Debat­te über Mili­tär­ba­sen und Atom­waf­fen an, die Euro­pas Auf­merk­sam­keit (und ver­mut­lich Res­sour­cen) von ihrem glo­ba­len mul­ti­la­te­ra­len Enga­ge­ment abzie­hen wird.

Geframt als “Und er stellt vier Fra­gen, die die Poli­tik lösen muss.”

Und das hast du nicht gese­hen, weni­ger als zwei Wochen spä­ter zeigt schon das US Mili­tär Inter­es­se - na sag amol - des war wohl schon wie­der die­se freie Demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung, von der ich neu­er­dings so viel höre.

US-Militär für dau­er­haf­te Stütz­punk­te an NATO-Ostflanke
Infol­ge des rus­si­schen Angriffs­kriegs in der Ukrai­ne hat sich die Füh­rung des US-Militärs für die Ein­rich­tung per­ma­nen­ter US-Stützpunkte in den ost­eu­ro­päi­schen Nato-Staaten aus­ge­spro­chen. Er wür­de dazu raten, dau­er­haf­te Stütz­punk­te ein­zu­rich­ten, die dann von zeit­wei­se ent­sand­ten US-Soldaten genutzt wer­den könn­ten, sag­te Gene­ral­stabs­chef Mark Mil­ley im US-Kongress.

Damit habe man die Vor­tei­le einer per­ma­nen­ten Mili­tär­prä­senz ohne gewis­se Nach­tei­le wie zum Bei­spiel die Not­wen­dig­keit des Nach­zugs von Fami­li­en, deren Unter­brin­gung und den Bedarf für Schu­len zu haben. Russ­land lehnt eine per­ma­nen­te Sta­tio­nie­rung von Nato-Kampftruppen in den ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten unter Beru­fung auf ein Abkom­men aus den 1990er-Jahren strikt ab.

Seit Anfang die­ses Jah­res haben US-Streitkräfte ihre Mili­tär­prä­senz in den öst­li­chen Nato-Staaten wegen des Ukraine-Konflikts aller­dings bereits deut­lich aus­ge­baut - pro for­ma han­delt es sich dabei aber vor allem um zeit­lich begrenz­te Ein­sät­ze, kei­ne per­ma­nen­te Stationierung.

src: click

Aber immer­hin, Biden macht wie­der Welt­po­li­tik. edit: Es sei denn es ist ein Druck­mit­tel um offen­si­ve Waf­fen­lie­fe­run­gen im Nato Ver­bund durchzusetzen.

What “isolate russia from the international community” means

07. April 2022

Today we’re dra­ma­ti­cal­ly esca­la­ting the finan­cial shock by impo­sing full blo­cking sanc­tions on Russia’s lar­gest finan­cial insti­tu­ti­on, Sber­bank, and its lar­gest pri­va­te bank, Alfa Bank,” a seni­or admi­nis­tra­ti­on offi­cial brie­fing repor­ters said.
Sber­bank holds near­ly one-third of Russia’s total ban­king sec­tor assets, the offi­cial noted, adding that the US has now ful­ly blo­cked “more than two-thirds of the Rus­si­an ban­king sector.” 

Second, the seni­or offi­cial announ­ced, “In align­ment with the G7 and the EU, we’re announ­cing a ban on new invest­ment in Rus­sia.” That will be imple­men­ted with an exe­cu­ti­ve order signed by US Pre­si­dent Joe Biden. 

The United Sta­tes won’t par­ti­ci­pa­te in G20 mee­tings that Rus­sia is par­ti­ci­pa­ting in, US Tre­a­su­ry Secreta­ry Janet Yel­len said Wednesday.

Spea­king at the House Finan­cial Ser­vices Com­mit­tee, Yel­len said she’d made that posi­ti­on clear to other finan­ce minis­ters in the group.

src: click

Pre­vent USD from ent­e­ring the rus­si­an eco­no­my, then (as the US) refrain from par­ti­ci­pa­ting in G20 mee­tings for als long as the ent­i­re world (G20) doesnt shun russia.

Oh, and its not true any­mo­re, that no one thinks that the Ukrai­ne can win - the Pen­ta­gon now insists, that thats pos­si­ble - in a war on which it is impos­si­ble to gage how long it will take:

Pen­ta­gon: “impos­si­ble” to know how long the war will go on, but Ukrai­ne can win

[…]

The US Defen­se Depart­ment says it’s “impos­si­ble” to know how long the war in Ukrai­ne will go on if not ended through diplo­ma­cy, but that Ukrai­ne “of cour­se” can win the war.

[…]

Mariu­pol is still not taken. He’s moved his for­ces out of Kyiv. He’s moved his for­ces out of Cher­ni­hiv. They haven’t taken Khar­kiv. They haven’t taken Myko­la­iv in the south,” Kir­by said. “So I think the pro­of is liter­al­ly in the out­co­mes that you’re see­ing every day.

src: click

Good news on Mariu­pol still not being taken, by the way - the city is now offi­cial­ly unre­co­ver­a­ble as an infra­st­ruc­tu­re: click

You can gage the unity of wes­tern posi­ti­ons by the fact, that the Atlan­tic coun­cil thinks, the Ukrai­ne needs more hea­vy weo­pon­ry, or the war will be over soon, the High Repre­sen­ta­ti­ve of the Uni­on for For­eign Affairs and Secu­ri­ty Poli­cy Josep Bor­rell is still in favor of ending the war soon but not at all cos­ts, and the Ukrai­ni­an government was liter­al­ly tel­ling the world for the first five weeks of the war, that for it to enter into high level peace talks all rus­si­an tro­ops have to vanish from the Ukrai­ne ter­ri­to­ry in the bor­ders of 1991, and then refrai­ned to “at least in the bor­ders befo­re Febru­a­ry 22nd on US TV (CBS afair)” which then nobo­dy cared to cla­ri­fy what that would mean, while then sta­ting they would need hea­vy wea­pons to dri­ve the rus­si­ans out ent­i­re­ly - or at least push them back signi­fi­cant­ly in the east, always while sta­ting, that peace talks are under way of cour­se. Oh, and that the chair­man of the US Joint Chiefs of Staff thinks that the con­flict will at least last several more years.

You see, with a unity of wes­tern posi­ti­ons as pro­noun­ced as this, one would think that an infor­med obser­ver should be able to gage what the goals for ent­e­ring mea­ning­ful peace talks would be in this sce­n­a­rio, befo­re ship­ping in more tanks into Ukrai­ne, as they would of cour­se only be used in a defen­si­ve capa­ci­ty, or that they at least would help to shor­ten the war in any mea­ning­ful sen­se but now that “win­ning” is on the table again, the Ukrai­ne government can sta­te more often, that it is inte­res­ted in peace­talks again. While the Pen­ta­gon “doesnt know” how long the war will last. In front of con­gress state­ments like “at least three years” are utte­red, and Bor­rell men­ti­ons, that we should end the war as soon as pos­si­ble, but not at all cos­ts. While a limi­ted esca­la­ti­on will redu­ce the long term cos­ts of war of course.

Mea­su­red in bloo­dy gum­my bears I think. Or world hunger.

One of the sin­gle grea­test aspects about utte­ring that your oppo­nent only under­stands dis­plays of mili­ta­ry power? It tilts any game theo­ry con­fi­gu­ra­ti­on so far into the “self inte­res­ted enti­ty” ran­ge, that all respon­ses beco­me pos­si­ble - while all of a sud­den, you are play­ing a zero sum game. But Ukrai­ni­ans could be win­ning though!

edit: Exclu­si­on from the UN Human Rights Coun­cil. src: click

Was ist denn mit Deutschland los -

06. April 2022

jetzt wol­len die immer noch kei­ne Pan­zer in die Ukrai­ne lie­fern, oder deut­schen Unter­neh­men erlau­ben wei­te­re Angriffs­waf­fen für die Ukrai­ne zu produzieren/exportieren, wo doch Mark Leo­nard

über Pro­ject Syn­di­ca­te (der Stan­dard schreibt wie­der ab), die Losung für die Poli­ti­ker in der EU aus­ge­ge­ben hat!

Und das Atlan­tic Coun­cil dazu gera­ten hat “non dis­tinct” “Angriffs­waf­fen” zu for­dern, was die Ukrai­ne zwei Tage spä­ter über­nom­men hat.

Da muss jetzt aber mal die CDU Oppo­si­ti­on auf­ste­hen, und den Ver­ant­wort­li­chen mal ordent­lich Feu­er unterm Hin­tern machen!

Wobei…

Ukrai­ne Quiet­ly Recei­ves Tanks From Czech Repu­blic to Sup­port War Effort

The Czech Repu­blic has been sen­ding old Soviet-designed tanks into Ukrai­ne, pro­vi­ding bad­ly nee­ded hea­vy wea­pons to out­gun­ned Ukrai­ni­an tro­ops that are batt­ling a much better-equipped Rus­si­an inva­si­on force.

src: click

Läuft doch.

Quiet­ly? Naja, man hat dies­mal halt die Idee des Atlan­tic Coun­cils auf­ge­grif­fen und nach Angriffs­waf­fen und nicht nach Pan­zern gefragt, und schon hats funktioniert.

Das ist dann “quiet­ly”.

Weil, der Rest des Aran­ge­ments war nicht grad *hush**hush* - 01. April übri­gens, dh. nach der Pro­kla­ma­ti­on des Atlan­tic Coun­cils Angriffs­waf­fen zu fordern.

Phoenix hat da eine interessante EU Position über die niemand berichten will

06. April 2022

- also in den Medi­en… Das Höchs­te der Gefüh­le ist eine zwei­stün­di­ge Live­schal­te ins Euro­päi­sche Par­la­ment. Den Rest darf sich der geneig­te Zuse­her selbst zusammenpuzzlen.

Die Posi­ti­on wird von Josep Bor­rell (Hoher Ver­tre­ter der EU für Außen- und Sicher­heits­po­li­tik) ver­tre­ten, die Anspra­che beginnt bei 31:15 im Video.

Der Euro­päi­sche Rat hat unter der Lei­tung von Prä­si­dent Michell ein par Leit­li­ni­en aus­ge­ge­ben um jetzt zu handeln […]”

Drei Zie­le (Para­phra­siert, aber immer noch Zita­te der Rede):
- Russ­land muss von der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft iso­liert werden
- Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft muss hier geeint wer­den, in der Ver­tei­di­gung der Grund­rech­te, und im Regel­werk der Geset­ze. Wir soll­ten hier kei­ne gespal­te­ne Welt schaf­fen, durch einen kal­ten Krieg, wo der Wes­ten gegen zwei Auto­kra­ten ist, wäh­rend es eine Grup­pe an auf­stre­ben­den Län­dern gibt, die ver­su­chen im Kon­flikt nicht Par­tei zu ergrei­fen - aber, da soll­ten wir uns nichts vor­ma­chen, vie­le beu­gen sich der Herr­schaft Russ­lands. In die­ser Land­schaft hat­ten wir bis­her zwei gro­ße diplo­ma­ti­sche Sie­ge bei der UN, in der Form von zwei Abstim­mun­gen in denen Russ­land ver­ur­teilt wor­den ist, und die Men­schen­rech­te in der Ukrai­ne ver­tei­digt wor­den sind [Anmer­kung: Das sind älte­re Tal­king­points.] Wir soll­ten aber wei­ter­hin dar­auf ach­ten, ob die­se Mehr­hei­ten so soli­de sind. Das erfor­dert von uns, dass wir die Welt ein­mal anse­hen, wie sie ist [eben­falls ein Tal­king­point, aber dass der von Bor­rell kommt, ist (mir zumin­dest) neu] - um die Grün­de für die­se Sicht­wei­sen nach­voll­zie­hen zu können.
- Was die Ver­tei­di­gung der Sicher­heit anbe­langt, hat der Euro­päi­sche Rat den stra­te­gi­schen Kom­pass ver­ab­schie­det, das ist nun die Mög­lich­keit unse­re Kapa­zi­tä­ten in die­sem Bereich auf­zu­sto­cken. Die­se Kri­se hat ganz klar unse­re Schwä­chen in Punk­to Sicher­heit und Ver­tei­di­gung an den Tag gelegt. Von 2008 bis 2014 haben wir abge­rüs­tet. […] Wir haben uns dar­an gewöhnt uns unter den Schutz­schirm der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu legen, und dach­ten die Nato wür­de schon alles rich­ten. Es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve zur NATO was die ter­ri­to­ria­le Ver­tei­di­gung Euro­pas anbe­langt, das soll­ten wir ein­mal klipp und klar gesagt haben. Aber abge­se­hen davon müs­sen wir auch unse­ren Teil hier leis­ten und unse­re Ver­ant­wor­tung hier wahr­neh­men. Wir müs­sen die­se man­geln­de Ver­ant­wor­tung der Euro­pä­er hier abstrei­fen, in punk­to Ver­tei­di­gung und Sicher­heit, es wäre ein gra­vie­ren­der Feh­ler, wenn jetzt alle Län­der ihre Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben im Ver­hält­nis dazu auf­sto­cken wür­den was sie jetzt schon haben, das wäre doch eine schreck­li­che Ver­schwen­dung! Denn wir wür­den dann eigent­lich nur die jet­zi­gen Dop­pe­lun­gen nur ver­stär­ken. [Es fol­gen die Wer­be Key­facts für den “stra­te­gi­schen Kom­pass” (Koor­di­na­ti­on)][…]

So weit so fade… aber jetzt kommt der inter­es­san­te Teil.

Vor ein paar weni­gen Tagen hat mir [unver­ständ­lich] gesagt, dass wir den Krieg sehr schnell been­den müs­sen, und das Bes­te wäre, dass wir auf­hö­ren soll­ten die Ukrai­ne zu bewaff­nen. Ja wir müs­sen den Krieg in der Ukrai­ne so schnell wie mög­lich been­den, aber wenn der Krieg been­det sein wird, wie wird der Krieg denn been­det wer­den? So schnell wie mög­lich ja - aber nicht egal wie! Es ist wich­tig wie die­ser Krieg zu Ende geführt wird. Denn wenn die­ser Krieg zu einem zer­stör­ten und beherrsch­ten Land führt, das ter­ri­to­ri­al zer­stü­ckelt ist, mit Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen und Tau­sen­den von Toten - nein, wir möch­ten nicht, dass der Krieg so zu Ende geführt wird. Und damit es nicht soweit kommt, müs­sen wir auch wei­ter­hin die Ukrai­ne unter­stüt­zen. Wir wol­len nicht, dass der Krieg so been­det wird. Zwar so schnell wie mög­lich, aber nicht egal wie. Und des­halb müs­sen wir auch wei­ter­hin die Ukrai­ne bewaff­nen und auf­rüs­ten, da brau­chen wir weni­ger Applaus, aber mehr Hil­fe. Wir müs­sen weni­ger oft sagen “die Ukrai­ne ist ein Held”, nein, die Ukrai­ne braucht mehr Waf­fen. Das erwar­ten die Ukrai­ner, und das machen wir auch, aber das müs­sen wir wei­ter machen und schnel­ler. Wir müs­sen Druck auf Russ­land aus­üben und wir müs­sen die Ukrai­ne wei­ter bewaff­nen. Wir müs­sen die Ukrai­ne in ihrer Ver­tei­di­gung unter­stüt­zen, und den Angrei­fer mit all unse­ren Mög­lich­kei­ten aus­brem­sen. Wir haben eine Mil­li­ar­de Euro zur Ver­fü­gung gestellt, das hört sich viel­leicht viel an, aber das zah­len wir tag­täg­lich Putin für die Ener­gie die er uns lie­fert. Seit Aus­bruch des Krie­ges haben wir ihnen 35 Mil­li­ar­den Euro gege­ben. Ver­glei­chen sie das ein­mal mit den Mil­li­ar­den die wir den Ukrai­nern für die Bewaff­nung gege­ben haben. Die­ser ekla­tan­te Unter­schied zeigt doch die Not­wen­dig­keit, dass das was der Euro­päi­sche Rat uns auf­ge­ge­ben hat, dass die Ener­gie­ab­hän­gig­keit redu­ziert wird, und da wird die Kom­mis­si­on sicher­lich füh­rend auf­tre­ten, und auch die not­wen­di­gen Maß­nah­men dafür ergrei­fen. Heu­te ist ein Stopp für die Koh­le aus­ge­spro­chen wor­den, aber das ist nur ein Bruch­teil der Rech­nung - unse­re Unab­hän­gig­keit läuft über die Schie­ne der erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­ger und die Geo­po­li­tik und der Kli­ma­wan­del geben sich da bei einem gemein­sa­men Ziel die Hand. Ich möch­te dann noch einen Gedan­ken aus­spre­chen, der für mich wesent­lich ist. Wir Euro­pä­er müs­sen uns der Welt bewußt wer­den in der wir leben. Wir machen 5% der Welt­be­völ­ke­rung aus 5% der Welt­be­völ­ke­rung, aber nach dem letz­ten gro­ßen Krieg waren wir 25%. Wir sind von einem Kreis von Insta­bi­li­tät von Gibral­tar bis zum Kau­ka­sus umringt, mit einer Bevöl­ke­rung die zwei­mal jün­ger ist, als wir in der EU. Wir hän­gen sehr stark von Ener­gie­lie­fe­run­gen ab. Arm, alt und abhän­gig, das ist kein tol­les Rezept für die Zukunft. Wir müs­sen uns ver­jün­gen, wir müs­sen unse­ren Ein­fluss­be­reich aus­bau­en, wir brau­chen mehr Kapa­zi­tä­ten um unse­re Grund­sät­ze, unse­re Wer­te zu ver­tei­di­gen. Und wir müs­sen hier auch alle Mit­tel in die Hand neh­men, um unse­ren Ein­fluss in der Welt gel­tend zu machen. Und das koor­di­niert zwi­schen denen die die Mit­glieds­staa­ten ver­tre­ten und denen die die Kom­mis­si­on ver­tre­ten. Zum Glück haben wir die Euro­päi­sche Uni­on, wenn wir die Euro­päi­sche Uni­on nicht hät­ten, dann müss­ten wir sie erfin­den. Denn was wür­den denn die euro­päi­schen mit­glieds­staa­ten tun, wenn sie heu­te allein daste­hen wür­den? Was wür­de denn das größ­te Land tun, auch das mäch­tigs­te Land, wenn es sich jetzt hier der neu­en Welt stel­len müss­te, die nun auf­bricht? Unse­re Ein­heit, die Ein­heit der Euro­pä­er, dass wir da gestal­ten, das ist prak­tisch der Kom­pass [Gott], der uns lei­tet um das zu ver­tei­di­gen, was wir sind, die bes­te Ver­bin­dung der poli­ti­schen Frei­heit, wirt­schaft­li­cher Wohl­stand und sozia­ler Zusam­men­halt, die wir der Welt geben wol­len, und das ist heu­te gefähr­det. Aber wir Euro­pä­er wer­den das ver­tei­di­gen können.” 

Kur­ze Anmer­kung: Fickt euch. Für den para­re­li­giö­sen Pathos. (Und ja mir sind alle Abhän­gig­kei­ten bewußt, von Gibral­tar bis zu 5% der Weltbevölkerung.)

Voll­zie­hen wir noch mal nach wie die Tal­king Points hier zu Bor­rell gewan­dert sind.

24. März 2022: Der Stan­dard schreibt wie­der mal Pro­ject Syn­di­ca­te ab - und zwar spe­zi­fisch einen Kom­men­tar von Mark Leo­nard, Direk­tor des Euro­pean Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons (Par­ti­zi­pi­ent im ECFR für Öster­reich: Treichl, Alp­bach, lie­be Grü­ße…), der dort publi­ziert. Leon­hard for­dert eine eher bila­te­ra­le Welt­ord­nung, eine Ein­stim­mung der Bevöl­ke­rung auf län­ge­ren Krieg und län­ge­re Auf­rüs­tung, Auf­bau wirt­schaft­li­cher und gesell­schaft­li­cher Resi­li­enz (’s schep­pert, bei fort­schrei­ten­der Ver­ar­mung, also jetzt alle lus­tig mit­ei­nender auf nied­ri­ge­rem Niveau, außer­dem Euro­pa der zwei Geschwin­dik­eit, kei­ne Voll­mit­glied­schaft mehr for you -), eine Phi­lo­so­pie für das gemei­ne Volk das das auf­ge­drückt bekom­men muss, und Poli­ti­ker die sich jetzt mit Pathos in die Bre­sche wer­fen müs­sen, damit die Bevöl­ke­rung das frisst.

31. März 2022: Das Atlan­tic Coun­cil arbei­tet die Posi­ti­on aus, dass die Ukrai­ne jetzt mehr Offen­siv­waf­fen braucht um nen lan­gen war of attri­ti­on füh­ren zu kön­nen und zwar schnell, sonst ist der Krieg bald vorbei.

02. April 20222: Selen­si­ky­js Polit­be­ra­ter über­neh­men die Posi­ti­on des Atlan­tic Coun­cil ändern aber das war­um in “um Putin ganz aus der Ukrai­ne zu ver­trei­ben!” um. Was ihnen eh kei­ner glaubt.

03. April 2022: Vol­ker­recht­ler Ralph Janík (auf­ge­wach­sen in Alp­bach nahen Think­tanks) ist sich nicht zu blöd die Pole­mik zu schrei­ben, dies braucht um die Posi­tio­nen von Franz­o­bel und David Precht bezüg­lich des Ukrai­ne Kriegs aus dem öffent­li­chen Dis­kurs zu ele­mi­nie­ren. Trag­ba­re Argu­men­te hat er kei­ne, aber was solls, er muss nur Behaup­tun­gen zu Epis­te­men dekla­rie­ren, und Jour­na­lis­mus klatscht nicht nur, er hofiert ihn. Wich­ti­ger Neben­aspekt, damit ist der Öffent­li­che Dis­kurs erst­ma­lig auf der Posi­ti­on in der er mit Josep Bor­rells Rede heu­te zusam­men­fällt. (Mehr Krieg und mehr Waf­fen, nach dem Papstbesuch.)

06. April 2022: Josep Bor­rell über­nimmt in einer öffent­li­chen Rede die Posi­ti­on des Atlan­tic Coun­cils. (Die­ser Bei­trag.) Mit Abän­de­run­gen in zwei Punkten.
- Lie­ber doch kei­ne bila­te­ra­le Welt, lie­ber mul­ti­la­te­ral (Oho, die EU lebt!)
- Und zwei klei­nen Anmer­kun­gen wie sehr man von der US (Atlan­tic Coun­cil) in Punk­to Sicher­heits­ord­nung abhän­gig ist (“Sicher­heits­ord­nung in Euro­pa ohne US als tra­gen­des Ele­ment der NATO undenk­bar”, “Gibral­tar und Kaukasus”)
Und bestä­tigt dann noch neben­bei, dass die EU jetzt so lan­ge auf­rüs­ten wür­de wie not­wen­dig um ein Sze­na­rio Ukrai­ne als fai­led sta­te zu ver­mei­den, bei­spiels­wei­se, da Russ­land ihr den Mee­res­zu­gang nimmt. Man­gels exak­ter Defi­ni­ti­on des Ziels kanns noch län­ger dau­ern, aber das ist ja durch­aus im Sin­ne aller Beteiligten.

Aber nicht ohne dann noch den Kom­pass rhe­to­risch zum gött­li­chen Ide­al zu ver­klä­ren, der unse­re Wer­te in die Zukunft trägt, und unse­re Kin­der noch exis­tenz­fä­hig macht, womit auch das Pro­pa­gan­da Ansin­nen des ECFR abge­deckt ist.

Exzel­lent. In den Medi­en würd ichs halt gern mal lesen… Also dass das die Posi­ti­on der EU Außen- und Sicher­heits­po­li­tik­be­auf­trag­ten ist. Naja, mor­gen dann…

edit: 04. April 2022: Nar­val him­melt Bür­ger­rä­te deren Bud­get zu 30% aus “für PR Aus­ga­ben” besteht als neue For­men für Ent­schei­dungs­fin­dung (Resilienz!!1!11!) an.

Und spart den Aspekt (dass das die letz­ten Pres­se­mel­dun­gen zu dem Kon­zept waren) im Arti­kel prak­ti­scher­wei­se gleich ganz aus, er braucht das Set­up für eine ande­re Schluss­fol­ge­rung. Aber gut, wer hört schon auf den…