Our kind of peace negotiations

05. Juli 2024

Charles Michel: Orbán hat kein EU-Mandat

Nach der Ankün­di­gung, dass der unga­ri­sche Regie­rungs­chef und EU-Ratsvorsitzende Vik­tor Orbán am Frei­tag Mos­kau besucht, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel auf X: “Die rotie­ren­de EU-Präsidentschaft hat kein Man­dat, im Namen der EU gegen­über Russ­land zu verhandeln.”

Der Euro­päi­sche Rat ist sich dar­über im Kla­ren: Russ­land ist der Aggres­sor, die Ukrai­ne das Opfer. Dis­kus­sio­nen über die Ukrai­ne kön­nen ohne die Ukrai­ne nicht statt­fin­den”, so Michel wei­ter, der sich damit indi­rekt von Orbán distan­zier­te. Ungarn hat erst vor weni­gen Tagen den rotie­ren­den EU-Ratsvorsitz für sechs Mona­te übernommen.

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Accord­ing to Hun­ga­ri­an media, the pre­mier, who has taken over the rota­ting pre­si­den­cy of the EU Coun­cil sin­ce July 1, will fly to Moscow tomor­row. Charles Michel immedia­te­ly inter­venes: “No dis­cus­sion on Ukrai­ne without Ukraine.”

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Genau, denn das weiß doch bit­te jeder, dass die RICHTIGE Art der Frie­dens­ver­hand­lun­gen, natür­lich auf inter­na­tio­na­len “Frie­dens­gip­feln” ohne Russ­land statt­zu­fin­den hat! Vor allem da das was Orban macht, nicht mal Frie­dens­ver­hand­lun­gen, son­dern die ver­such­te Anbah­nung von Frie­dens­ver­hand­lun­gen ist. Was aber Charles Michel lei­der miss­cha­rak­te­ri­siert. Gut, der ist nicht der Hellste.

Moment - wer hat denn jetzt eigent­lich das Man­dat der EU?

- Also laut Charles Michel der euro­päi­sche Rat.
- For­mal aber selbst­re­dend der Außen­be­auf­trag­te der EU, also noch Bor­rell - also der Josep Bor­rell der am 6. April 2022 noch in einer Rede vor dem Euro­päi­schen Par­la­ment ver­laut­bart hat, die EU sei für eine schnel­le Been­di­gung des Krie­ges, aber nicht um jedem Preis
- Was dann natür­lich die Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en (also die Per­son die ihn ein­ge­setzt hat) bin­nen 50 Tagen ohne JEGLICHE Anga­be von Grün­den zur voll­stän­di­gen Bil­li­gung und inhalt­li­chen Tei­lung der öffent­li­chen Posi­ti­on von Selen­skyj ver­kehrt hat:

Von Bor­rell zu Selen­skyj in 50 Tagen

- Also die Ursu­la von der Ley­en, die Pfi­zer­ga­te an der Backe hat (inklu­si­ve der Ver­nich­tung der Beweis­mit­tel), die nie in ihrem Leben direkt demo­kra­tisch legi­ti­miert wur­de, die die Fratel­li d’I­ta­lia hofiert hat, als es noch so aus­ge­se­hen hat, dass sie ihre Stim­men für eine Wider­wahl brau­che -- die Per­son die inten­siv für den Pos­ten der Nato-Generalsekretärin gelob­biet hat, und dann erst von Scholz ver­hin­dert wur­de, die Per­son von der schon alle wis­sen, dass sie erneut Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin wer­den wird, auch wenn die “Wahl” noch nicht abge­lau­fen ist -- einer Wahl zu der sie vom Euro­päi­schen Rat als Kan­di­da­tin beru­fen wur­de.
- Wobei von der Ley­en dann natür­lich Kaya Kalas als EU for­eign poli­cy chief (Bor­rell Nach­fol­ger) in die nächs­te Admi­nis­tra­ti­on beruft (Kal­las nomi­na­ted EU’s for­eign poli­cy chief), deren pri­mä­re Qua­li­fi­ka­ti­on für den Job es natür­lich war, als Ersatz­kan­di­da­tin der Hard­li­ner für von der Ley­en für den Pos­ten des Nato Gene­ral­se­kre­tärs ein­ge­setzt wor­den zu sein aber dann gegen Mark Rut­te ver­lo­ren zu haben.

Das sind selbst­ver­ständ­lich die legi­ti­men Ver­tre­ter der EU in außen­po­li­ti­schen Fragen.

Gut, und was has Orban bis­her schon geleistet…

Er hat bin­nen eines Besuchs Andrij Jer­mak dazu bewegt, die Posi­ti­on der Ukrai­ne in Bezug auf Frie­dens­ver­hand­lun­gen auch öffent­lich auszusprechen:

05.03 Uhr: Ukrai­ne - Kei­ne Gebiets­auf­ga­be für Frie­den mit Russland

Die Ukrai­ne lehnt ter­ri­to­ria­le Zuge­ständ­nis­se an Russ­land zur Been­di­gung des Krie­ges wei­ter kate­go­risch ab. Das hat der Stabs­chef des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten, Andrij Jer­mak, erklärt. “Wir sind nicht bereit, Kom­pro­mis­se bei den sehr wich­ti­gen Din­gen und Wer­ten ein­zu­ge­hen”, sag­te Jer­mak vor Jour­na­lis­ten. Jer­mak reagiert damit bei einem Besuch in Washing­ton auf Äuße­run­gen des repu­bli­ka­ni­schen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, der behaup­tet hat­te, den Kon­flikt schnell been­den zu kön­nen. Die Regie­rung in Kiew sei aber offen für Rat­schlä­ge, um einen “gerech­ten Frie­den” zu erreichen.

src: click (BR24)

Was einem gan­zen Frie­dens­gip­fel in Bür­gen­stock, und sei­nen Initia­to­ren nicht geglückt ist - da die deutsch­spra­chi­gen Medi­en ja lei­der immer ver­ges­sen haben dar­über zu berich­ten was denn genau die Ände­run­gen im Text des End­kom­mu­ni­quees waren, und wer auf sie bestan­den hat - und aus wel­chen Grün­den, sowas liest man ja nur in ukrai­ni­schen Medi­en die von US-AID aus­fi­nan­ziert sind, siehe:

Food secu­ri­ty now also inclu­des metals

Und damit hat es Orban bin­nen des sel­ben Besuchs geschafft zwei Jah­re kom­plet­ten “Wer sagt denn eigent­lich dass nie­mand ver­han­delt! Der UN Getrei­de­deal war ja auch aus­ver­han­delt” Lügen­kom­ple­xes - DER BEVORZUGTEN Argu­men­ta­ti­ons­va­ri­an­te von Clau­dia Major (Stif­tung Wis­sen­schaft und Poli­tik) - siehe:

Clau­dia Major lügt bei Lanz

in der öffent­li­chen Bericht­erstat­tung ein für alle Mal zu been­den.

Eine Leis­tung von der­art SPEKTAKULÄREM AUSMASS, dass schon wie­der alle deutsch­spra­chi­gen Medi­en ver­ges­sen haben dar­über - abseits von non dis­tink­ten Ticker Mel­dun­gen - zu berichten.

Aber das darf der Orban ja nicht.

Dafür hat er ja kein EU Mandat!

Denn das EU Man­dat bekom­men immer nur solch gute Freun­de der trans­at­la­ti­schen Freund­schaft - dass sie selbst den Staats­ober­häup­tern der euro­päi­schen Staa­ten für die Rol­le des Nato Gene­ral­se­kre­tärs als unge­eig­net, da doch etwas zu US inter­es­sens­fi­xiert erschei­nen (und ja, das war der Haupt­grund war­um es Kalas letzt­lich nicht gewor­den ist).

Und der Außen­be­auf­trag­te der EU, der dann über die­se Form der Posi­ti­ons­fin­dung auf EU Ebe­ne letzt­lich in sei­nem *heul­heu­lich­bins­nicht­ge­wor­den* hier hast einen Trost­pos­ten, Pos­ten lan­det - der darf dann auch wie­der die offi­zi­el­le Posi­ti­on der EU ver­kün­den (“Wir sind für ein schnel­les Kriegs­en­de, aber nicht um Jeden Preis” Stand: 6.April 2022), die dann bin­nen 50 Tagen ohne Anga­be von Grün­den, von der Per­son - die ihn in den Pos­ten geho­ben (nomi­niert) hat (Ursu­la von der Ley­en) INS GEGENTEIL VERKEHRT WIRD.

Und in USERER ART DER FRIEDENSVERHANDLUNGEN geht es selbst­re­dend dar­um - Clau­dia Major, viel­leicht wür­den sie noch mal?

ZEIT ONLINE: Wel­ches kon­kre­te Ziel ver­folgt die Ukrai­ne auf die­sem Gipfel?

Major: Es gab seit Kriegs­be­ginn vie­le unter­schied­li­che Frie­dens­in­itia­ti­ven, aus Chi­na, aus Afri­ka, aus Bra­si­li­en und sogar vom Papst. Die Ukrai­ne will demons­trie­ren, dass es nur eine zen­tra­le Frie­dens­in­itia­ti­ve gibt, den Zehn-Punkte-Plan von Prä­si­dent Selen­skyj von 2022. Und dass die­se Initia­ti­ve nicht nur von Län­dern des Wes­tens unter­stützt wird, son­dern auch von Staa­ten in Süd­ame­ri­ka, Afri­ka und Asien.

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Klar Clau­dia Major, so machen wir das! Und im End­kom­mu­ni­que des von uns legi­ti­mier­ten Frie­dens­gip­fels steht dann drin, dass Russ­land die ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne anzu­er­ken­nen hat, bevor es über­haupt zu Gesprä­chen gela­den wer­den kann.

Was die gesam­te deut­sche Medi­en­land­schaft erst mal für zwei Wochen nicht berich­tet - bevor Orban einen Besuch in Kiew unter­nimmt - und danach

05.03 Uhr: Ukrai­ne - Kei­ne Gebiets­auf­ga­be für Frie­den mit Russland

src: click (BR24)

zumin­dest schon mal im Ticker lan­det. Was noch nicht ganz kor­rekt for­mu­liert ist, denn inhalt­lich ist es “Kei­ne Gebiets­auf­ga­be als Vor­be­din­gung für Frie­dens­ver­hand­lun­gen mit Russland”.

Und wenn wir da nach dem war­um fra­gen, lan­den wir bei einem mehr­fach lügen­den Pro­fes­sor an der Aus­tra­li­an Natio­nal Uni­ver­si­ty (der das Nar­ra­tiv des ver­sam­mel­ten Wer­te­wes­tens in die­sem Punkt ent­wor­fen hat), des­sen Wiki­pe­dia Ein­trag aber natür­lich mitt­ler­wei­le auch wie folgt aussieht:

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Wie­so man mit Putin nicht ver­han­deln kann

Ken­nen sie sich aus oder?

Thats our kind of peace negotiations.

The legi­ti­ma­te one!

The one were Orban is the bad guy, becau­se he asked for two weeks of sei­ze fire, so peace nego­tia­ti­ons could be boos­ted and fast tra­cked, and dont have to take place every six mon­ths in inter­na­tio­nal sum­mits, with vary­ing host sta­tes, dis­cus­sing Selen­sky­js 10 point peace for­mu­la, without rus­sia. With Ukrai­ne remo­ving the “Rus­sia should be invi­ted to the next sum­mit” para­graph ent­i­re­ly from the end com­mu­ni­que that 78 of 193 UN sta­tes signed. Now, you see - thats THE RIGHT KIND OF PEACE NEGOTIATIONS.

Gut, die deutsch­spra­chi­gen Medi­en müs­sen das ja wie­der nicht berich­ten, ich mein wozu auch…

Grü­ße an Alp­bach bitte!

Und die Bevöl­ke­rung wird jetzt wie­der mal ein­fach durch ver­arscht. Vom Anfang bis zum Ende, voll­um­fäng­lich - weil unse­re Intel­li­gen­zia die weiß ja schon wies zu lau­fen hat, die hat halt ein­fach den Durchblick.

Und unse­re Medi­en dür­fen nicht mehr im Sin­ne der Öster­rei­chi­schen Mehr­heits­mei­nung berich­ten - wie die öster­rei­chi­sche Die Pres­se erst unlängst ein­drucks­voll unter Beweis gestellt hat - sie erin­nern sich…?

Die öster­rei­chi­sche “Die Pres­se” ver­stehts auch noch so halb:

Bei der anschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz bat Orbán den ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten, einen „schnel­len Waf­fen­still­stand“ in Betracht zu zie­hen, der die Frie­dens­ge­sprä­che beschleu­ni­gen könnte.

[Ist ja spek­ta­ku­lär was du als Jour­na­list nicht alles schreibst, wenn du kei­nen blas­sen Schim­mer hast, was hin­ter den Kulis­sen abge­lau­fen ist… Soso, “Bei der Pres­se­kon­fe­renz bat Orban Selen­skyj auch einen „schnel­len Waf­fen­still­stand“ in Betracht zu zie­hen, der die Frie­dens­ge­sprä­che beschleu­ni­gen könn­te.]

Orbán sag­te auch, dass Ungarn ger­ne bes­se­re bila­te­ra­le Bezie­hun­gen zur Ukrai­ne hät­te und sein Land bereit sei, sich an der Moder­ni­sie­rung der ukrai­ni­schen Wirt­schaft zu beteiligen.

Buda­pest gibt sich Ukraine-kritisch

Die Bezie­hun­gen zwi­schen bei­den Staa­ten sind seit lan­gem ange­spannt. Buda­pest kri­ti­siert den Schutz der unga­ri­schen Min­der­heit in der Ukrai­ne als unzu­rei­chend. In die­ser Fra­ge sehe Orbán nach dem Gespräch mit Selens­kij eine „Chan­ce auf Fort­schritt“. Orbán hat Kiew in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der mit Kreml-freundlichen Aus­sa­gen und einer demons­tra­ti­ven Nähe zu Wla­di­mir Putin ver­är­gert. Zuletzt hat­te der unga­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent erklärt, dass nur Donald Trump als neu­er US-Präsident den Ukraine-Krieg been­den könn­te. Orbán gehört zum Lager der Rechts­po­pu­lis­ten und Rechts­na­tio­na­len, das sich für Ver­hand­lun­gen mit Russ­land ein­setzt und dabei wohl auch Gebiets­ver­lus­te der Ukrai­ne in Kauf neh­men würde.

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Ist aber mitt­ler­wei­le bereits so kom­plett im “wir ver­ar­schen die öster­rei­chi­sche Bevöl­ke­rung jetzt durch” Pro­pa­gan­da Sche­ma ver­an­kert, dass sie meint dar­auf hin­wei­sen zu müs­sen, dass ja nur ein Rechts­po­pu­list sich für Ver­hand­lun­gen ein­set­zen wür­de die dabei “wohl auch Gebiets­ver­lus­te der Ukrai­ne in Kauf neh­men würden”!

Zur Erin­ne­rung, das ist in Öster­reich die Mehr­heits­mei­nung (Stand Febru­ar 2024), das kann die Pres­se aber natür­lich nicht mehr schrei­ben. Da Die Pres­se ja nur noch schreibt, was ihr das BMEIA vor­gibt zu schrei­ben, und das ist (Stand März 2024) die­se Posi­ti­on hier:

Öster­reichs Soli­da­ri­tät mit der Ukraine

BMEIA

Öster­reich wird wei­ter­hin für die Unab­hän­gig­keit, Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne eintreten.

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Noch lus­ti­ger wirds dann beim ORF, der erkannt haben will:

[Orban sprach bei einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz vom Wunsch nach einer Ver­bes­se­rung der bila­te­ra­len Bezie­hun­gen und ver­sprach den wei­te­ren Bei­stand des erst am Vor­tag von Ungarn über­nom­me­nen EU-Ratsvorsitzes.] Lob fand Orban für Selen­sky­js bis­he­ri­ge Frie­dens­in­itia­ti­ven, leg­te der Ukrai­ne aber auch eine Waf­fen­ru­he nahe.

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Wait what?

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Gut, Pro­pa­gan­da hat jetzt aber wie­der nie­mand ent­deckt. Am Aller­we­nigs­ten um die Öffent­lich­keit zu beeinflussen.

edit: Es gibt aber natür­lich auch wie­der gute Nach­rich­ten - In Frank­reich drop­pen jetzt die Par­tei­en der Mit­te aus den Ent­schei­den für die wahl­re­le­van­ten Distrik­te der Stich­wahl (Stich­wort “Will last-minute deals thwart far-right win?”):

und emp­feh­len anstat­des­sen den ver­greis­ten und zu nichts mehr guten Boo­mern den Kan­di­da­ten der “Popu­lä­ren Front” zu wäh­len, eine in ihrer Essenz so wun­der­bar demo­kra­ti­sche Wahl­tak­tik (“Wir von den christ­lich Kon­ser­va­ti­ven wol­len nicht Vor­stand der Distrik­te wer­den, sol­lens doch die extre­men Lin­ken wer­den!”), dass wir sie seit der Vor­wahl­tak­tik um Ber­nie San­ders 2020 nicht zum demo­kra­ti­schen Präsidentschafts-Kandidaten wer­den zu las­sen - welt­weit nicht mehr erlebt haben.

Als Resul­tat ist dann die wahr­schein­lichs­te Opti­on ein hung Par­lia­ment, oder eine von Makron aus­ge­ru­fe­ne Expertenregierung.

Also nur noch mal zur Zusam­men­fas­sung: Im bes­ten aller poli­ti­schen Sys­te­me, wäh­len sie die­sen Sonn­tag als christ­lich Kon­ser­va­ti­ver, bit­te die von ihrer Par­tei bewor­be­ne extre­me Lin­ke der “popu­lä­ren Front”, um dann - qua Popu­lis­mus im Namen qua­si, doch noch eine von Macron ein­ge­setz­te Exper­ten­re­gie­rung zu bekom­men. (Oder ein hung Parliament.)

Denn das ist genau das, was die Bevöl­ke­rung woll­te. Jaja. Demo­kra­tie leben.

Lacher des Tages

03. Juli 2024

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src: click (Die Presse)

Moment, wie sieht Aser­bai­dschans Export­quo­te bei Erd­gas über die letz­ten Jah­re eigent­lich aus?

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Ah, na sehr gut, das haben die sicher alles selbst durch Neu­pro­duk­ti­on erschlossen…

Moment, woher bezieht eigent­lich Aser­bai­dschan sein Gas?

Nun, gute Neuigkeiten!

Azer­bai­jan has begun impor­ting gas from Rus­sia under a deal which should enab­le Baku to meet its own domestic demand but which rai­ses serious ques­ti­ons over its recent agree­ment to boost exports to Europe.

Russia’s sta­te gas pro­du­cer and exporter Gaz­prom announ­ced on Novem­ber 18 that it had begun sup­ply­ing gas to Azerbaijan’s sta­te gas com­pa­ny SOCAR on Novem­ber 15 and would sup­ply a total of up to a bil­li­on cubic meters through March 2023.

Neit­her Azerbaijan’s Ener­gy Minis­try nor SOCAR replied to ques­ti­ons from Eura­sia­net see­king con­fir­ma­ti­on of the agree­ment, details of which remain unclear.

In a state­ment to Azer­bai­ja­ni news agen­cy APA, SOCAR said that it had long coope­ra­ted with Gaz­prom and that the two com­pa­nies “are try­ing to opti­mi­ze their infra­st­ruc­tu­re by orga­ni­zing the mutu­al exchan­ge of gas flows.”

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Ah, sehr gut. Alles Eigen­be­darf, nehm ich an.

Wie sieht denn Aser­bai­dschans Gas Pipe­line Netz aus?

Nun ehm, also Stand 2010 haben sie noch kein transnationales…

Map of oil and gas pipelines from Russia credit US Energy Information Administration
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Aber Stand 2024 haben sie eine!

Die führt nach Russland.

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Die weit­aus stär­ker Aus­ge­bau­te Infra­struk­tur geht jedoch über Geor­gi­en und die Türkei.

Aber wir lei­ten ja das gute Aser­bai­dscha­ni Gas über Russ­land durch die Ukrai­ne nach Öster­reich, damit die Ukrai­ne auch was zu tun hat.

Und das Aser­bai­dscha­ni Gas erken­nen wir dann an der Far­be nehm ich an…

Geni­al!

edit: Gut wer­den sie jetzt sagen, aber wie viel des Aser­bai­dscha­ni Erd­gas kommt denn über die weni­ger aus­ge­bau­te Infra­struk­tur nach Euro­pa? Nun -

Aser­bai­dschan: In ers­ten zwei Mona­ten 2024 mehr als zwei Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Gas nach Euro­pa exportiert

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Gut, wer­den sie jetzt sagen, aber wie Viel benö­tigt Öster­reich denn so in einem durschnitt­li­chen Jahr? 8 Mil­li­ar­den Kubikmeter.

Gut, wer­den sie jetzt sagen, aber die UvdL hat ja einen enor­men Aus­bau ver­spro­chen! Genau:

Ab 2027 sol­len dem­nach jähr­lich min­des­tens 20 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter fließen.

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Moment, wie viel ver­braucht die EU eigent­lich in einem Jahr?

Nun, 2021 warens 400 Mil­li­ar­den Kubikmeter.

Nur sechs Stunden nach Köppel

03. Juli 2024

- ver­laut­bart es dann auch Andrij Jer­mak. Weil es ist eh schon “out in the open” da ists dann eh schon wie­der scheissegal.

05.03 Uhr: Ukrai­ne - Kei­ne Gebiets­auf­ga­be für Frie­den mit Russland

Die Ukrai­ne lehnt ter­ri­to­ria­le Zuge­ständ­nis­se an Russ­land zur Been­di­gung des Krie­ges wei­ter kate­go­risch ab. Das hat der Stabs­chef des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten, Andrij Jer­mak, erklärt. “Wir sind nicht bereit, Kom­pro­mis­se bei den sehr wich­ti­gen Din­gen und Wer­ten ein­zu­ge­hen”, sag­te Jer­mak vor Jour­na­lis­ten. Jer­mak reagiert damit bei einem Besuch in Washing­ton auf Äuße­run­gen des repu­bli­ka­ni­schen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, der behaup­tet hat­te, den Kon­flikt schnell been­den zu kön­nen. Die Regie­rung in Kiew sei aber offen für Rat­schlä­ge, um einen “gerech­ten Frie­den” zu erreichen.

src: click (BR24)

Aber flei­ßig glo­ba­le Frie­dens­gip­fel ver­an­stal­ten, gell Ukrai­ne? Jaaaaaaaaaa! UNBEDINGT! Einen alle sechs Monate!

Min­des­tens!

Bei wech­seln­den Host-Staaten!

Ohne Russ­land!

Solan­ge es nicht die ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne akzeptiert!

Wie man halt so eine Frie­dens­kon­fe­renz auf­zieht, wenn man “offen für Rat­schlä­ge um einen “gerech­ten Frie­den” ist”, gell Herr Jermak?!

Ja. So ist das.

Gut, was sie jetzt noch ver­mis­sen, ist ein deutsch­spra­chi­ger Jour­na­lis­mus der das auch auf­greift, denn in den Qualitäts-Tageszeitungen lesen sie davon nichts.

Hier bei­spiels­wei­se der Ticker des Stan­dard von ges­tern: click

Naja, sicher mor­gen dann…

Die­se Gesell­schat ist das abso­lut gro­tesk und abar­tigst Allerletzte.

edit: Der Stan­dard hats am Tag danach tat­säch­lich geschafft.

Selen­sky­js Stabs­chef schließt Gebiets­auf­ga­be für Frie­den mit Russ­land aus

Gut, wenn du die­se Dekla­ra­ti­on ins Monat nach der “Frie­dens­kon­fe­renz” ver­schiebst, und das in nem Ticker ver­brätst, bekommt das der Durch­schnitt­bür­ger eh nie mit…

Keep your Journalists dumb 8 - What shant be can never be edition

03. Juli 2024

Ok, das könn­te ein etwas län­ge­rer Ein­trag werden.

Köp­pel von der Welt­wo­che hat es nach Kiew geschafft. Und das nach­dem ihm “Leu­te aus Sicher­heits­grün­den abge­ra­ten haben in die Ukrai­ne zu fah­ren”, obwohl ers doch nach sei­nem Besuch “vor 12-15 Jah­ren” so sehr wollte.

Und war­um hats nun end­lich geklappt? Nun 1:40 in - er durf­te in der Dele­ga­ti­on von Vic­tor Orban (zur Zeit Rats­vor­sitz Euro­päi­sche Uni­on) als “Jour­na­list” mitfahren.

Ich über­setz das mal.

Köp­pel, das ist der Mann, der den Orban ver­steht, der sonst aber auch ger­ne berich­tet, dass er Jour­na­lis­ten­kol­le­gen für Inter­views aus Kiew ange­fragt (er durf­te bis­her ja nicht selbst in die Ukrai­ne) und mit ihnen gespro­chen hat, und die­se ihm in etwa fol­gen­des berich­tet haben:

Para­phra­siert: “Roger, es geht nicht - wenn wir hier nicht auf Regie­rungs­li­nie berich­ten sind wir unse­re Akkre­di­tie­rung als Kor­re­spon­den­ten los.”

Mein Pro­blem - ich hab mir nicht das Video notiert in dem Köp­pel das im letz­ten Monat fal­len gelas­sen hat - und ich wer­de den Teu­fel tun mir alle sei­ne Ergüs­se eines Monats noch­mal auf you­tube anzusehen… 😉

Man” die Köp­pel dann aus Sicher­heits­grün­den abge­ra­ten haben nach Kiew zu fah­ren, ist dann im Nor­mal­fall das Schwei­zer Außen­mi­nis­te­ri­um, oder die Ukrai­ni­sche Bot­schaft in Bern. Man fragt da als Jour­na­list im Nor­mal­fall vor­her an, und wenn die einem dann feed­ba­cken “du es wär aus Sicher­heits­grün­den nicht gut für dich”, wäh­rend sich zur sel­ben Zeit ARD und ZDF Kol­le­gen in Kiew ob der “man merkt hier nichts vom Krieg” Atmo­s­phe­re (Köp­pel, sel­bes Video) tum­meln, weiss man - man ist dort nicht erwünscht.

War­um nicht? Nun, wie bereits geschrie­ben, Köp­pel - das ist der Mann der Orban versteht.

😉

Naja, jetzt hat ers ja doch noch nach Kiew geschafft, in der unga­ri­schen Delegation.

Orban selbst sei “in einer clan­des­ti­ne ope­ra­ti­on unter­wegs”, so Köp­pel im Anschluss in sei­nem Video­in­ter­view mit Orban:

Im sel­ben Video auch fol­gen­der Wortlaut:

Köp­pel: “Now in con­ver­sa­ti­on with prime minis­ter Vic­tor Orban, who is also the pre­si­dent of the Euro­pean Coun­cil - after his peace mis­si­on we can say his top secret peace mis­si­on here in Kiev. [smi­les, hyper­bo­le] I had the impres­si­on it was a bit of a fro­zen atmo­s­phe­re at the press con­fe­rence bet­ween you and pre­si­dent Selen­skyj, but what is your assess­ment prime minister?”

Orban: “The press con­fe­rence was um a litt­le bit chil­ly um becau­se uh the expec­ta­ti­on was very high [hint: It was not.. 😉 ] and uh un unsu­re the the the jour­na­lists were not sure what will hap­pen. if will be [corr: Will it be] a public dis­cus­sion and con­fron­ta­ti­on bet­ween the two uh lea­ders or it will be more a coope­ra­ti­ve state­ment, or what what’s going on.

When some­bo­dy is com­ing to Ukrai­ne, it’s easy to uh fore­cast what will hap­pen. Applau­ding, say­ing Viva Ukrai­ne, we are with you, it’s our war [Baer­bock] blah blah blah blah and so on, but you know hun­ga­ryan posi­ti­on is dif­fe­rent. We don’t think it’s our war, it’s a Ukraine/Russian war, inva­ded Ukrai­ne by the Rus­si­ans and hungary’s inte­rest is not to con­ti­nue to war but rather the peace and I try to repre­sent the inte­rest of Euro­pe, uh in a in a fair and objec­ti­ve way [Hint: He is not…] with a dif­fe­rent atti­tu­de than regu­lar­ly uh they used to have.”

Köp­pel: “You had a very inte­res­ting idea um if I’m right, I mean that was your plan. You tried to con­vin­ce pre­si­dent Selen­skyj, that he actual­ly should take an initia­ti­ve for peace -- befo­re the Ame­ri­can elec­tions, becau­se then Ukrai­ne, Euro­pe could sett­le, or to try to sett­le this war befo­re um you know a new pre­si­dent pro­bab­ly could come in the United Sta­tes. How did you go about to con­vin­ce him, how is it to to talk to the Ukrai­ni­an pre­si­dent um on four eyes?”

Orban: “So basi­cal­ly I try to do three things. First is to clo­se the not very much flou­ris­hing rela­ti­ons­hip bet­ween Ukrai­ne and Hun­ga­ry up to now, and say that belongs to the past and let’s turn to the future becau­se we have lot of things to be done tog­e­ther - Hun­ga­ry and Ukrai­ne, espe­cial­ly becau­se we have a qui­te high num­ber of hun­ga­ri­an born com­mu­ni­ty here in Ukrai­ne - espe­cial­ly on the ter­ri­to­ry of Ukrai­ne which was ear­lier part of Hun­ga­ry and we have that strong com­mu­ni­ty and they were discri­mi­na­ted in the past, so I said we would not like to con­ti­nue that dis­cus­sion, but becau­se you are now app­ly­ing for mem­bers­hip of Euro­pean uni­on and you would like to go go ahead with the nego­tia­ti­on, you have to ful­fill the so-called um cri­te­ri­as uh which means that human rights and the mino­ri­ty rights must be respec­ted and you should put tog­e­ther you should you should put for­ward a kind of action plan which can be very good for the Hun­ga­ri­an mino­ri­ty, so I’m rea­dy to coope­ra­te with you - how can you do a good action plan which could be hel­pful for your nego­tia­ti­on, uh nego­tia­ti­on pro­cess [to beco­me a mem­ber of the EU. Btw - if this sounds like poli­ti­cal extor­ti­on its, becau­se it is.. 🙂 See: Orban’s 11 deman­ds: How Hun­ga­ry cros­sed red lines again in black­mai­ling Ukrai­ne on its path to the EU (Euro­pean Prav­da)] and at the same time good for the Hun­ga­ri­an com­mu­nities living in Ukrai­ne. So that was the num­ber one tar­get. The num­ber second was to exp­lain the situa­ti­on that uh the time is run­ning out and peace is very important becau­se every day uh hund­reds of sol­di­ers are dying on the front line and we don’t see how is the­re any solu­ti­on at the front line but my inten­ti­on was not to con­vin­ce uh Selen­skyj and not to make a pro­po­sal for him, my mis­si­on was rather to make under­stand­a­ble, to cla­ri­fy what is his posi­ti­on and whe­re are his limits. When we speak about peace, becau­se my pur­po­se is to make a report to the Euro­pean Coun­cil on the pos­si­bi­li­ty of the peace, in order to get no and iden­ti­fy the pos­si­bi­li­ty of the peace first we have to under­stand what are the limits of the others so that’s what I have done today cla­ri­fi­ca­ti­on uh whe­ther is it any chan­ce to chan­ge the the metho­do­lo­gy we have used up to now, what’s going on now. The­re are some pro­po­sals on the tables tar­ge­ting um uh peace nego­tia­ti­ons and solu­ti­ons for the con­flict but it’s obvious that this pro­cess is long slow com­pli­ca­ted and we was­te lot of time so it put mon­ths or even half a years or even more to put tog­e­ther any plan which would be accep­ta­ble for ever­y­bo­dy - as a basis for nego­tia­ti­on. But we don’t have that many time becau­se peop­le are dying, you know, from Chris­ti­an point of view, every day is a lost day, so the­re­fo­re my idea was to ask Mr. Selen­skyj why we don’t chan­ge the order why why what is his opi­ni­on about uh pos­si­bi­li­ty to to rai­se a cease­fire first, even a limi­ted one two weeks, three weeks, four weeks time and to say that during this cease­fire we can acce­le­ra­te nego­tia­ti­ons on the peace process.”

Köp­pel: “Cease­fire first, peace after.”

Orban: “Yeah that that that that’s how we can acce­le­ra­te the pro­cess, which could lead us to the peace.”

Köp­pel: “And what did he say?”

Orban: “He said he has some doubts about it, he was not very much hap­py with that. He said that let’s con­tem­pla­te on that, let’s think about that, he has some bad expe­ri­en­ces with with pre­vious cease­fires, which in his uh inter­pre­ta­ti­on was not good for Ukrai­ne. So the­re­fo­re he unders­tood the posi­ti­on. He exp­lai­ned his limits and we will see how to continue.”

Köp­pel: “What will be the hope now, I mean are we clo­ser to a ending of this war, what is your you know your your the essence of this uh trip of this kind of clan­des­ti­ne trip to uh to Kiev.”

Orban: “You know if you would like to be uh use­ful and hel­pful for others you have to with­draw your own ego, so it must be cla­nes­ti­ne if you would like to appe­ar as some­bo­dy who is in the things you will be never suc­cess­ful, it’s a it’s a kind of um ser­vice you know for the others - so you should behave in a dif­fe­rent way. That’s why it is clan­des­ti­ne but it’s it’s rather to to withraw of the of the ego which in poli­tics is is not easy - any­way so that’s what I try to do I’m not important what is important is the war and the peace what is important the posi­ti­on of Ukrai­ne and Rus­sia and what is important is the inte­rest of Euro­pean Uni­on. Decisi­ons con­cer­ning peace and War be not bail by hun­ga­ry we don’t have any legi­ti­ma­cy for that it must be done by the prime minis­ters and pre­si­dents of of the Euro­pean Uni­on which means the coun­cil. So I think all in all uh today we made one step for­ward and tomor­row we will do another.”

Köp­pel: “One very last ques­ti­on, very short ans­wer plea­se. You said in an inter­view with Welt­wo­che one year befo­re your most important obser­va­ti­on a sur­pri­sing obser­va­ti­on during the Ukrai­ne war was that the Euro­pean Uni­on basi­cal­ly does­n’t exist as a for­eign poli­cy acti­ve power, you are now the pre­si­dent of the Euro­pean Coun­cil what is the most important thing that has to hap­pen that Euro­pe gets a grip again on the stee­ring wheel in this cri­sis which is so emi­nent for Europe?”

Orban: “Ever­ything depends on the big uh lea­ders of the Euro­pean Uni­on you know so if the Ger­mans and the French and the Ita­li­ans are not com­ing tog­e­ther and making decisi­ons and and sug­ges­ti­ons for the others that kind of uh that kind of uh slow pro­cess uh disap­pearing from the inter­na­tio­nal are­na dealing too much with dis­tri­bu­ti­on the poli­ci­es and posi­ti­ons at this moment which is going on, it’s all was­ted time so I I was in Ber­lin, I was in Rome, I was in Paris, that’s how I have star­ted this peace mis­si­on to con­vin­ce the lea­ders that they should take a lead, other­wi­se in the inter­na­tio­nal are­na Euro­pe will even not appe­ar at all.”

Köp­pel: “Thank you very much Mr. Prime Minis­ter and I think we will see some more clan­des­ti­ne diplo­ma­cy again.” [smi­les, hyperbole]

Die NZZ ver­steht wor­ums geht:

Orban hat sich seit Kriegs­be­ginn gegen die mili­tä­ri­sche Unter­stüt­zung der Ukrai­ne gestellt und immer wie­der dem Wes­ten vor­ge­wor­fen, nicht an einer fried­li­chen Lösung inter­es­siert zu sein. Den offen­sicht­lichs­ten Weg zur Been­di­gung des Krie­ges – Mos­kaus Aner­ken­nung der ukrai­ni­schen Sou­ve­rä­ni­tät und den Abzug aller rus­si­schen Trup­pen aus dem Land – erwähn­te er dabei aber nie.

Orban erschwer­te auch sonst eine gemein­sa­me sicher­heits­po­li­ti­sche Ant­wort auf die rus­si­sche Bedro­hung, indem er etwa lan­ge Schwe­dens Bei­tritt zur Nato blo­ckier­te. Eben­falls lehn­te er es ab, Kiew den Sta­tus eines EU-Beitritts-Kandidaten zu ver­lei­hen. Orban spricht sich zwar für eine Erwei­te­rung der Uni­on aus, hat dabei aber vor­nehm­lich die Staa­ten des west­li­chen Bal­kans im Blick, allen vor­an Ser­bi­en. Der ser­bi­sche Prä­si­dent Alek­san­dar Vucic ist ein enger Ver­bün­de­ter Orb­ans und pflegt auch ein ähn­li­ches Demokratieverständnis.

Zudem unter­hält Orban wei­ter­hin engen Kon­takt zu Mos­kau. Letzt­mals traf er Putin im Okto­ber anläss­lich einer Ver­an­stal­tung in Peking zur chi­ne­si­schen Belt-and-Road-Initiative. Auch zu Chi­na, dem zwei­ten gros­sen geo­po­li­ti­schen Kon­tra­hen­ten des Wes­tens, pflegt der unga­ri­sche Regie­rungs­chef bes­te Bezie­hun­gen. All das trägt dem Regie­rungs­chef des EU- und Nato-Staats Ungarn den Ruf ein, eher ein Ver­bün­de­ter Putins als des Wes­tens zu sein.

Buda­pest und Kiew strei­ten aber auch über bila­te­ra­le Fragen. […]

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Die Ukrai­ne hat als Vorbedinun­gen für Waf­fen­still­tan­ds­ver­hand­lun­gen mit Russ­land die rus­si­sche Akzep­tanz der ter­ri­to­ria­len Inte­gri­tät der Ukrai­ne [Krim zurück] in den Gren­zen von 1991, und den Abzug aller rus­si­schen Trup­pen genannt, und ers­te­res im Bür­gen­stock Abschluss-Kommunique ver­an­kern las­sen, wor­auf 15 Staa­ten abge­sprun­gen und mehr als zwei dut­zend ihre Reprä­sen­tanz von Präsidenten- / Pre­mier­mi­nis­ter Ebe­ne auf Minis­te­ri­al­ebe­ne her­un­ter­ge­stuft haben (sie­he: click). Und dann ange­kün­digt die­sen “Selen­sky­j­schen Frie­dens­for­mel­pro­zess” erst in sechs Mona­ten, bei immer wech­seln­den Gast­ge­ber­staa­ten für die “Frie­dens­kon­fe­ren­zen”, der nächs­ten im “glo­ba­len Süden” fort­füh­ren zu wol­len, bis man auch ande­re Punk­te der 10 Punk­te umfas­sen­den Selen­sky­j­schen Frie­dens­for­mel in die “glo­bal peace sum­mit end com­mu­ni­ques” bekommt (wie ein Inter­na­tio­na­les Tri­bu­nal gegen Russ­land, Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen). Wel­chem Russ­land dann zustim­men müs­se, bevor laut Dmy­t­ro Kule­ba hier Russ­land über­haupt zu Waf­fen­still­stands­ver­hand­lun­gen gela­den wer­den könne.

Die öster­rei­chi­sche “Die Pres­se” ver­stehts auch noch so halb:

Bei der anschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz bat Orbán den ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten, einen „schnel­len Waf­fen­still­stand“ in Betracht zu zie­hen, der die Frie­dens­ge­sprä­che beschleu­ni­gen könnte.

[Ist ja spek­ta­ku­lär was du als Jour­na­list nicht alles schreibst, wenn du kei­nen blas­sen Schim­mer hast, was hin­ter den Kulis­sen abge­lau­fen ist… Soso, “Bei der Pres­se­kon­fe­renz bat Orban Selen­skyj auch einen „schnel­len Waf­fen­still­stand“ in Betracht zu zie­hen, der die Frie­dens­ge­sprä­che beschleu­ni­gen könn­te.]

Orbán sag­te auch, dass Ungarn ger­ne bes­se­re bila­te­ra­le Bezie­hun­gen zur Ukrai­ne hät­te und sein Land bereit sei, sich an der Moder­ni­sie­rung der ukrai­ni­schen Wirt­schaft zu beteiligen.

Buda­pest gibt sich Ukraine-kritisch

Die Bezie­hun­gen zwi­schen bei­den Staa­ten sind seit lan­gem ange­spannt. Buda­pest kri­ti­siert den Schutz der unga­ri­schen Min­der­heit in der Ukrai­ne als unzu­rei­chend. In die­ser Fra­ge sehe Orbán nach dem Gespräch mit Selens­kij eine „Chan­ce auf Fort­schritt“. Orbán hat Kiew in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der mit Kreml-freundlichen Aus­sa­gen und einer demons­tra­ti­ven Nähe zu Wla­di­mir Putin ver­är­gert. Zuletzt hat­te der unga­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent erklärt, dass nur Donald Trump als neu­er US-Präsident den Ukraine-Krieg been­den könn­te. Orbán gehört zum Lager der Rechts­po­pu­lis­ten und Rechts­na­tio­na­len, das sich für Ver­hand­lun­gen mit Russ­land ein­setzt und dabei wohl auch Gebiets­ver­lus­te der Ukrai­ne in Kauf neh­men würde.

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Ist aber mitt­ler­wei­le bereits so kom­plett im “wir ver­ar­schen die öster­rei­chi­sche Bevöl­ke­rung jetzt durch” Pro­pa­gan­da Sche­ma ver­an­kert, dass sie meint dar­auf hin­wei­sen zu müs­sen, dass ja nur ein Rechts­po­pu­list sich für Ver­hand­lun­gen ein­set­zen wür­de die dabei “wohl auch Gebiets­ver­lus­te der Ukrai­ne in Kauf neh­men würden”!

Zur Erin­ne­rung, das ist in Öster­reich die Mehr­heits­mei­nung (Stand Febru­ar 2024), das kann die Pres­se aber natür­lich nicht mehr schrei­ben. Da Die Pres­se ja nur noch schreibt, was ihr das BMEIA vor­gibt zu schrei­ben, und das ist (Stand März 2024) die­se Posi­ti­on hier:

Öster­reichs Soli­da­ri­tät mit der Ukraine

BMEIA

Öster­reich wird wei­ter­hin für die Unab­hän­gig­keit, Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne eintreten.

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Noch lus­ti­ger wirds dann beim ORF, der erkannt haben will:

[Orban sprach bei einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz vom Wunsch nach einer Ver­bes­se­rung der bila­te­ra­len Bezie­hun­gen und ver­sprach den wei­te­ren Bei­stand des erst am Vor­tag von Ungarn über­nom­me­nen EU-Ratsvorsitzes.] Lob fand Orban für Selen­sky­js bis­he­ri­ge Frie­dens­in­itia­ti­ven, leg­te der Ukrai­ne aber auch eine Waf­fen­ru­he nahe.

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Wait what?

Laut dem ORF, dem Wäch­ter des Öster­rei­chi­schen Haupt­nar­ra­tivs, hat Orban also Selen­sky­js Frie­dens­in­itia­ti­ve ges­tern gelobt, hät­te ihm aber auch eine Waf­fen­ru­he nahegelegt.

Was laut Die Pres­se For­mu­lie­rung ja nur Rechts­poulis­ten und Rechts­na­tio­na­le for­dern würden.

(Und halt die Mehr­heit der Öster­rei­chi­schen Bevölkerung.)

Was nicht alles in den ver­gan­ge­nen Tagen pas­siert sein soll… Laut dem öster­rei­chi­schen Qualitätsjournalismus.

Aber was nicht sein soll, kann eben im öster­rei­chi­schen Medi­en­sys­tem nicht sein -- und daher ist die ukrai­ni­sche Ver­zö­ge­rungs­tak­tik “Glo­ba­le Frie­dens­gip­fel” aus­zu­ru­fen in deren End­kom­mu­ni­quees dann Vor­be­din­gun­gen für die Ein­la­dung Russ­lands fixiert wer­den, die nur bei einem Sieg­frie­den für die Ukrai­ne über­haupt erreich­bar sind - sie­he Mangott:

Die Ukrai­ne muss nur sich klar sein so eine Frie­dens­for­mel die ja gewis­ser­ma­ßen ein Dik­tat­frie­den wäre die ist nur umsetz­bar wenn die wenn die Ukrai­ne die­sen Krieg voll­stän­dig gewinnt.

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-- natür­lich etwas was Orban gelobt habe. Er habe aber auch gefor­dert, dass man einen Dreck dar­auf gibt, und ein­fach mal, so voll­kom­men ohne Vor­be­din­gun­gen, einen Waf­fen­still­stand ver­ein­bart und dann ein­fach mal schnell und direkt verhandelt.

Weil ja bei­des so kom­pa­ti­bel ist.

Der ORF hats halt ein­fach drauf…

Selen­skyj habe aber auch zuge­sagt, dass er sich das ganz gut über­le­gen wür­de, aber dann wahr­schein­lich eher doch nichts machen wer­de - denn man habe ja so schlech­te Erfah­run­gen mit den Waf­fen­still­stän­den mit Russ­land in der Ver­gan­gen­heit gesam­melt… (Kei­ner hält sich dran und bei­de rüs­ten auf.)

Gott, was ich dafür geben wür­de mit im Raum zu sein, wenn im ORF Aus­sen­po­li­tik­res­sort lang­sam der Gro­schen fällt…

So Stich­wort: “Ihr seids also nicht mal zu einer zwei­wö­chi­gen Waf­fen­ru­he bereit, damit ver­han­delt wer­den kann, ver­an­stal­tet aber alle sechs Mona­te bei wech­seln­dem Gast­ge­ber­staat uni­la­te­ra­le Frie­dens­gip­fel? Bei denen ihr dann ins End­kom­mu­ni­quee For­de­run­gen schreibt, die Russ­land nur im Fal­le eines voll­stän­di­gen Sie­ges der Ukrai­ne akzep­tie­ren wür­de? Die Russ­land aber laut Kule­ba (Stand 28. Juni 2024) akzep­tie­ren muss, bevor die Ukrai­ne Russ­land über­haupt zu Gesprä­chen läd?”

Das jetzt aber nur nicht der ORF Außen­po­li­tik Redak­ti­on ver­ra­ten, die erfährt das noch früh genug…

edit: Jetzt gibt es aber natür­lich auch wie­der gute Nach­rich­ten, nur noch ein­mal heu­cheln, dann ist Weihnachten:

Köp­pel heute:

Vik­tor Orban der jetzt ja auch euro­päi­scher Rats­prä­si­dent ist der hat ver­sucht Volo­di­mir Selen­skyj zu über­zeu­gen, dass der von sich aus eine Frie­dens­in­itia­ti­ve initi­ie­ren müss­te um sein eige­nes stan­ding, sein eige­nes Über­le­ben zu sichern poli­tisch und vor allem um den Ame­ri­ka­nern zu vor­zu­kom­men, soll­te Trump wie­der gewählt wer­den, erneut gewählt wer­den, denn der wür­de eben direkt mit Putin den Krieg in der Ukrai­ne bei­zu­le­gen ver­su­chen, dann wäre Selen­skyj aus­ge­grenzt, an die Sei­ten­li­nie gescho­ben, nicht mehr Akteur - aber das war auch der Schluss­pres­se­kon­fe­renz anzumer-, anzu­spü­ren es hin­gen da etwas Eis­kris­tal­le in der Luft. Die bei­den haben sich nicht ver­stän­digt und ich habe dann im Gespräch nach­her mit den Ungarn her­aus­fin­den kön­nen, dass sich die­se Dele­ga­ti­on aus dem Nach­bar­land Gedan­ken gemacht hat - ja wir ver­ste­hen die Ukrai­ner nicht, wir kön­nen nicht sagen ob das was Sie uns erzäh­len, ob das ernst gemeint ist, das Pro­pa­gan­da ist, ob sie wirk­lich dar­an glau­ben, Selen­skyj habe da offen­sicht­lich in den vier Augen­ge­sprä­chen mit Vik­tor Orban dar­an fest­ge­hal­ten dass nach sei­nen Minis­tern, die dann noch im Öffent­li­chen, im offe­ne­ren Mee­ting da zu Gan­ge waren, dass sie dar­an fest­hal­ten - einen Frie­den kön­nen es nur geben wenn die Rus­sen mili­tä­risch besiegt wür­den. Aber das wird bei den Ungarn als aus­ge­schlos­sen angeschaut.”

[…]

Was mir auch gesagt wur­de in der Ukrai­ne ist jetzt von Leu­ten die dort arbei­ten - ich will da aus Quel­len­schutz­grün­den kei­ne wei­te­ren Anga­ben machen, dass also in der Ukrai­ne eine freie Publi­zis­tik auch nicht mög­lich ist. Ich sage auch - nicht mög­lich - weil es auch ande­re Län­der [Russ­land] gibt in denen eine freie Publi­zis­tik nicht mög­lich ist, aber mir ist gesagt wor­den, also dass die­se Regie­rung also gar gar kei­ne Hem­mun­gen habe z.B kri­ti­sche Jour­na­lis­ten ein­fach an der Ein­rei­se zu hin­dern oder des Lan­des zu ver­wei­sen, oder sogar ins Gefäng­nis zu ste­cken. Es habe sich das Land unter der Füh­rung des jet­zi­gen Prä­si­den­ten in eine sehr mei­nungs­ein­di­men­sio­na­le Rich­tung ent­wi­ckelt. Alles wer­de schwarz-weiß gese­hen, ent­we­der du bist für uns oder du bist gegen uns. Sach­lich sei da kei­ne Debat­te mehr möglich.

Unglaub­lich eigent­lich, dass das bis­her nur die unga­ri­sche Ministerial-Ebene und die Welt­wo­che exklu­siv wis­sen. Der Rest der deutsch­spra­chi­gen Medi­en, der weiß das ja wie­der nicht…

Und das wo der zwei­te Teil der Aus­sa­ge doch erst seit dem 30. März 2023 bekannt ist. Siehe:

Embed­ded Repor­ting == Front­li­ne Journalism

Lost in the narrative

03. Juli 2024

Der­weil beim Standard…

In der all­seits belieb­ten Rubrik: “Wau­zi will nur spielen.”

Nato schickt Son­der­be­auf­trag­ten nach Kiew und Nato baut zivi­le Prä­senz wei­ter au

Die Nato baut ihre zivi­le Prä­senz in der von Russ­land ange­grif­fe­nen Ukrai­ne aus. Wie ein Spre­cher bestä­tig­te, haben die 32 Bünd­nis­staa­ten beschlos­sen, eine Art Son­der­be­auf­trag­ten in die Haupt­stadt Kiew zu ent­sen­den. Der rang­ho­he Beam­te soll dort die poli­ti­sche und prak­ti­sche Unter­stüt­zung des Bünd­nis­ses steuern.

Hin­ter­grund ist ins­be­son­de­re, dass die Nato beim Gip­fel­tref­fen in der kom­men­den Woche in Washing­ton den Start­schuss für einen neu­en Ein­satz zur Koor­di­nie­rung von Waf­fen­lie­fe­run­gen und Aus­bil­dungs­ak­ti­vi­tä­ten für die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te geben will. Das Haupt­quar­tier dafür soll in Wies­ba­den in Deutsch­land auf­ge­baut werden.

Wer den neu­en Nato-Posten in Kiew bekom­men soll, war aus dem Bünd­nis zunächst nicht zu erfah­ren. Wei­te­re Details wer­de man nach der offi­zi­el­len Aus­wahl kom­mu­ni­zie­ren, hieß es. Zuerst hat­te das “Wall Street Jour­nal” über die Plä­ne berichtet.

Die Nato hat bereits seit knapp einem Jahr­zehnt eine offi­zi­el­le Ver­tre­tung in Kiew, die auch ein seit Ende der 90er-Jahre exis­tie­ren­des Ver­bin­dungs­bü­ro und ein Informations- und Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum steu­ert. Sie küm­mert sich unter ande­rem um Kon­tak­te mit ukrai­ni­schen Minis­te­ri­en und Behör­den und soll den poli­ti­schen Dia­log und die prak­ti­sche Zusam­men­ar­beit zwi­schen der Nato för­dern. Zudem berät sie Behör­den über Akti­vi­tä­ten zur Unter­stüt­zung der Nato -Ukraine-Partnerschaft und Refor­men im Sicherheits- und Ver­tei­di­gungs­sek­tor. Auch dafür soll es künf­tig mehr Per­so­nal geben.

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Wait, what?

Die NATO baut also jetzt “ihre zivi­le Prä­senz” in der Ukrai­ne aus, wäh­rend die Ukrai­ne gleich­zei­tig “mili­tä­risch so sehr an die NATO Stan­dards her­an­ge­führt wer­den soll, dass ein Bei­tritt, dann im Schnell ver­fah­ren pas­sie­ren kann und nicht über die übli­chen lang­wie­ri­gen Pro­ze­de­res erfol­gen muss.” Die dau­ern ja auch so lang…

Ver­glei­che Stol­ten­berg am 17. Juni 2024 hier

Point 5: Ukrai­ne has to join Nato - other­wi­se we can not be sure Rus­sia wont attack Ukrai­ne again!

For that to hap­pen, Ukrai­ne has to be clo­se­ly brought up to Nato stan­dards, so that “WHEN THE TIME IS RIGHT” in a Moment of weak­ness for rus­sia, when Tur­key can be con­vin­ced as well, the actu­al joi­ning pro­cess can hap­pen without the nor­mal path of action, in a quick­track fashion, wit­hin a few weeks. “This is the only way to just and per­ma­nent peace.”

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Aber das pas­sie­re ja nur (“Hin­ter­grund”, laut Stan­dard), da die NATO jetzt von der Ram­stein Kon­takt­grup­pe die mili­tä­ri­sche Lei­tung des Ukrai­ne­kriegs über­nimmt (Anti-Trump Maß­nah­me), wofür das Head­quar­ter in Wies­ba­den in Deutsch­land blei­ben soll.

Dont worry, Der Stan­dard is just a bit lost in his own narrative.

Der fin­det da schon selbst wie­der raus…