Kurzes Update

17. April 2022

Ja, Rau­scher fin­det immer noch, Sny­der sei sehr zu empfehlen.

Wobei, wie der His­to­ri­ker und Ukraine-Kenner Timo­thy Sny­der schreibt, für Putin “jeder Ukrai­ner ein Nazi ist, der nicht zuge­ben will, dass er eigent­lich ein Rus­se ist”.

Sny­der sagt aber auch, dass Putin in poli­ti­schen Begrif­fen denkt, “die für die meis­ten demo­kra­ti­schen Poli­ti­ker und über­haupt die aller­meis­ten im Wes­ten voll­kom­men unver­ständ­lich sind”. Eben­je­nem impe­ria­lis­ti­schen, mit großrussisch-orthodoxer Reli­gio­si­tät unter­leg­tem Faschis­mus. Ein “hei­li­ges” Russ­land mit einer ganz beson­de­ren Mis­si­on: den deka­den­ten Wes­ten zu besie­gen, zunächst in Russ­land und sei­nem unmit­tel­ba­ren Ein­fluss­be­reich, aber dann auch in ganz “Eura­si­en”. Von Lis­sa­bon bis Wladiwostok.

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Nur davon zu Spre­chen dass “Ent­na­zi­fi­zie­rung” der Mecha­nis­mus ist mit dem ein Feind im Sin­ne einer Out­group geschaf­fen wur­de, und dass das gefähr­lich ist, da es den Begriff rus­si­scher Will­kür unter­wirft und dadurch von sei­ner fak­ti­schen Inter­pre­ta­ti­on zu einer Begriff mit Pro­pa­gan­da Aus­le­gung macht, wäre ja zu wenig.

Die Argu­men­ta­ti­on ist aber im vor­he­ri­gen Sny­der Video ver­linkt. Dadurch dass sich Russ­land der Begriff­lich­keit bedient und auch mit dem Begriff eines Tri­bu­nals han­tiert, hieft es sich in eine Entscheider-Rolle die ihm nicht zusteht.

Dass das ein­ge­bet­tet in einen impe­ria­lis­ti­schen, mit großrussisch-orthodoxer Reli­gio­si­tät unter­leg­tem Faschis­mus pas­sie­re funk­tio­niert als Ana­ly­se - dass das das Den­ken Putins sei der ein “hei­li­ges” Russ­land von Lis­sa­bon bis Wla­di­wos­tok aus­deh­nen will, ist Interpretation.

Damit die nicht mehr greift, braucht es Regimechange.

Ich sehe schon Neham­mer so argu­men­tie­ren, dem Rau­scher Sny­der ja als Bera­ter nahe­legt.

Rau­scher:

Und Öster­reich? Karl Neham­mer muss sei­nen Diek­mann nach Hau­se schi­cken und sich mit ech­ten Kali­bern umge­ben. Ähn­li­ches gilt für die SPÖ-Chefin Pame­la Rendi-Wagner. Dass in TV-Diskussionen die SPÖ von der Appeasement-Politikerin Muna Duz­dar ver­tre­ten wird, ist eine Fahrlässigkeit.

Wir sind wirk­lich an einer Zei­ten­wen­de. Aber uns fehlt ein­fachs­tes geis­ti­ges, pro­fes­sio­nel­les Handwerkszeug.

edit: 18.04. Das Pro­fil kopiert dann mal das Argu­ment: Der Kanz­ler und sein Bera­ter: Weiß Neham­mer eigent­lich, was er tut?

edit 22.04. Auch die Pres­se ist auf Sny­der als emo­tio­nal bewe­gen­den Exper­ten der die “öster­reichs Selbst­bild zureckt­rü­cken könn­te” aufgesprungen.
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Gleich nach­dem das ZDF Aus­lands­jour­nal auf ihn auf­ge­sprun­gen ist. src: click

Sophists field day

16. April 2022

The sto­ry tel­ling for the “why we have to influ­ence euro­pean poli­ti­ci­ans now, to make them prime the public” (mir­ror in ger­man) part of the ECFR arti­cle sup­plied by Pro­ject Syn­di­ca­te is out now. 🙂 (At least its the best ver­si­on of the best pos­si­ble argu­ment you can make, for a pro­lon­ged war, I’ve heard so far. :)) 

Sur­pri­se, it is psy­cho­lo­gi­cal pro­filing of Putin again! Oh, and may­be on a more sen­si­ble level, ana­ly­sis of sta­te and mili­ta­ry orga­niz­a­tio­nal struc­tures. Oh, and down­play­ing (but at least men­tio­ning) the advan­ta­ge that real time battle­field ana­ly­sis provides.

Of cour­se it fails to ack­now­ledge the posi­ti­on of the non wes­tern world, and what hap­pens after rus­sia is bea­ten after a long war of attri­ti­on, but then - as long as you can topp­le tyrants… *insert Shake­speare quo­te at the end*

It actual­ly works. Con­cep­tual­ly. And as a moti­va­tio­nal speech.

It’s just that you have to get over the bump of “oh well, lets have a few more peop­le here die soo­ner, rather than later”, becau­se of this theo­re­tic logic we fol­low, about how the world should work, based on insti­tu­tio­nal con­cepts and myths rely­ing on a glo­bal nati­on pro­ne to excep­tio­na­lism… But hey, no one is here to hear the nay­say­er speak, so yes - it works.

Kurze Durchsage von Snyder

16. April 2022

Zelen­skyy made us think about values. If Zelen­skyy wouldnt have cho­sen to resist, we would all have been impo­ve­ris­hed, we would have lost this time, we would have never been given this time, as a gift - to speak about who we are and what kind of future we might have. If Zelen­skyy had fled, if the Ukrai­ni­ans had not fought, we would all be that much more cyni­cal, that much more nar­row, that much less capa­ble, of tal­king about how the world ought to be. So thats what I mean, I mean every second, that they resist is like a day for us and every day that they resist is like a year for us…”

Jebus.

and accord­ing to Zei­han, he has a hard time see­ing Ukrai­ne not being taken over by Rus­sia in the com­ing six months, …

https://www.youtube.com/watch?v=gbr3CiOhTO8

Might be too pes­si­mistic here. (But then it’s hard to find someo­ne wil­ling to make tho­se pre­dic­tions right now.)

Jetzt kur­zer Sprach­wech­sel - der Rau­scher emp­fiehlt Sny­der noch immer als wis­sen­schaft­li­chen Bera­ter für die öster­rei­chi­sche Regie­rung, oder?

Butscha - mehr Details

16. April 2022

Das Writ­e­up in der Wie­ner Zei­tung ist lesenswert.

Fol­gen­des Video ist im Arti­kel ein­ge­bet­tet - der Arti­kel is es aber auch sepa­rat davon wert gele­sen zu werden.

Im Arti­kel gibt es auch die Bestä­ti­gung, dass die Mas­sen­grä­ber (oder zumin­dest eines davon) von den Bewoh­nern ange­legt wor­den sind.

edit: 17.04. Nehammer: 

Putin sei in “bes­ter Ver­fas­sung” gewe­sen – und habe kei­ne Anzei­chen von psy­chi­schen Krank­hei­ten gezeigt, wie es der Bür­ger­meis­ter von Kiew, Vita­li Klitsch­ko, unterstellte.

src: click Der traut sich was…

Oh, ich bin vier Tage zu spät…

16. April 2022

zum ‘public lyn­ching’ des ehe­ma­li­gen mili­tär­po­li­ti­schen Bera­ters von Merkel.

Bri­ga­de­ge­ne­ral a.D. Erich Vad, hat sich gegen die Lie­fe­rung von schwe­ren Waf­fen an die Ukrai­ne aus­ge­spro­chen. Sol­che Lie­fe­run­gen sei­en poten­zi­ell ein „Weg in den Drit­ten Welt­krieg“, sag­te Vad der dpa. Der Mili­tär hält nach eige­nen Anga­ben eine „gesichts­wah­ren­de“ Lösung bei­der Sei­ten im Ukraine-Konflikt* für möglich.

Wir machen im Moment sehr viel Kriegs­rhe­to­rik - aus guter gesin­nungs­ethi­scher Absicht“, sag­te Vad. „Aber der Weg in die Höl­le ist bekannt­lich immer mit guten Vor­sät­zen gepflas­tert. Wir müs­sen den lau­fen­den Krieg zwi­schen Russ­land und der Ukrai­ne vom Ende her den­ken. Wenn wir den Drit­ten Welt­krieg nicht wol­len, müs­sen wir frü­her oder spä­ter aus die­ser mili­tä­ri­schen Eska­la­ti­ons­lo­gik raus und Ver­hand­lun­gen aufnehmen.“

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Wie die öffent­li­chen Reak­tio­nen aus­ge­fal­len sind muss ich ja wohl nicht erwäh­nen. “Sein Nach­na­me sagt schon alles.” - ist noch die harmloseste.

Dar­über hin­aus ist ges­tern auch die Wie­ner Zei­tung im Leit­ar­ti­kel ein­ge­knickt, und pos­tu­liert jetzt - “Gewin­nen müs­sen, weil Ver­lie­ren ver­bo­ten ist”, dh. ausformuliert -

Anders als man ver­mu­ten könn­te, steigt die­ses Mal mit der Dau­er des Kriegs nicht der Pro­test gegen, son­dern die Gewöh­nung an den­sel­ben. Statt Auf­ru­fen zu Friedens- und Oster­mär­schen, wie zu den Hoch­zei­ten des Kal­ten Kriegs, greift jetzt die Über­zeu­gung, dass die­ser Krieg von der und für die Ukrai­ne gewon­nen wer­den muss, Russ­land ihn jeden­falls nicht gewin­nen darf, wenn eine Frie­dens­lö­sung Chan­cen auf Bestand haben soll.

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Damit gibt es jetzt kein öster­rei­chi­sches Medi­um mehr das sich nicht dafür aus­spricht, dass die Ukrai­ne Russ­land zur Gän­ze von sei­nem Staats­ge­biet ver­trei­ben kön­nen muss (/können soll).

Die einen aus mora­li­schen Über­le­gun­gen. Die ande­ren, weil nur so gewähr­leis­tet wäre, dass es in den von Russ­land besetz­ten Gebie­ten nicht zu ideo­lo­gi­schen Säu­be­run­gen komme.

Wie­der mit dem Ver­weis dar­auf, dass damit Frie­dens­ver­hand­lun­gen von Beginn des Krie­ges an aus­ge­schlos­sen waren. Und es, bis zu einer voll­stän­di­gen Kapi­tu­la­ti­on Russ­lands, auch wei­ter­hin sind - falls die­se Posi­ti­on Bestand hat.

Die Drit­ten, da nur ein geschwäch­tes Russ­land (ohne Ein­ord­nung was das bedeu­tet) ein Garant dafür wäre, dass Putin nicht auch Nato­staa­ten über­fällt. Bele­ge dafür braucht es nicht, weil fak­tisch unmög­lich, der Glau­be muss reichen.

Wie­der mit dem Ver­weis dar­auf, dass das Atlan­tic Coun­cil die­se Posi­ti­on als ers­tes als unab­ding­bar pos­tu­liert hat.

Und wie­der mit dem Ver­weis dar­auf, wie man einen Mode­ra­tor on air davon über­zeugt, dass er sei­ne Mei­nung ändern soll­te.

Der Zer­mür­bungs­krieg bleibt ent­we­der hoch mora­lisch, oder alter­na­tiv­los, du kannst wählen.

edit: Leit­ar­ti­kel in der Pres­se: “Es gibt schlim­me­res als Krieg