Mehr als der übliche Satz

02. Juni 2022

wie bedacht und kom­pro­miss­be­reit, aber auch wan­kel­mü­tig Selen­skyj so ist - den wir immer in den deutsch­spra­chi­gen Medi­en bekommen.

Hier ist das kom­plet­te Tran­skript und die voll­stän­di­ge Über­set­zung des nie­der­län­di­schen Inter­views der Neder­land­se Omro­ep Stich­t­ing (Nie­der­län­di­schen Rund­funk­stif­tung) von vor fünf Tagen. Basie­rend auf den Unter­ti­teln im Video.

Das mit dem Sager, dass die Ukrai­ne nicht 100.000e Tote ris­kie­ren wür­de um ihr Ter­ri­to­ri­um auf mili­tä­ri­schem Wege kom­plett zu befrei­en, der durch die Pres­se ging.

Dar­auf bezieht sich Man­gott in der ZIB2 am ehes­ten und wie er dar­aus ablei­ten kann “dass Selen­skyj mit sich selbst uneins ist”, weiß nur er, und die Leu­te die neben Man­gott eben­falls behaup­ten, er wür­de nicht auf die kom­plet­te ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne bestehen.

Die ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne wird von Selen­skyj seit dem ers­ten Monat des Krie­ges, und aktu­ell immer noch als Bedin­gung für Frien­des­ver­hand­lun­gen ange­führt. Die Her­stel­lung der ter­ri­to­ria­len Inte­gri­tät der Ukrai­ne wäre dann durch Ver­hand­lun­gen zu errei­chen, und nicht nur durch mili­tä­ri­sche Inter­ven­tio­nen. Und das geht jetzt seit Mona­ten so.

Und die Aus­le­gung, Selen­skyj wür­de für Frie­dens­ver­hand­lun­gen doch nur auf die Gren­zen des 23. Febru­ars pochen ist falsch. Die deutsch­spra­chi­ge Bevöl­ke­rung wird hier ein­fach ver­arscht. (Es kam bei Lanz, es kam bei Illner, …)

Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

Sor­ry - hier das Transkript:

Mariël­le Tweebee­ke: Ich dan­ke Ihnen für die Gele­gen­heit, mit Ihnen spre­chen zu kön­nen. Dies ist ein sehr schwie­ri­ger Moment für Ihr Land. Ich weiß das wirk­lich zu schät­zen. Der Krieg dau­ert nun bereits drei Mona­te an. Wie geht es ihnen?

Volo­dym­yr Zelen­skyj: Dan­ke für die Fra­ge. Zuerst möch­te ich mich für das Gespräch bedan­ken, und für die Chan­ce mei­ne Wor­te an die Nie­der­lan­de rich­ten zu können.

MT: Sie sind ein Staats­ober­haupt in Zei­ten des Krie­ges, aber gleich­zei­tig sind sie das Ober­haupt einer jun­gen Fami­lie. Wie ist das für sie als Vater?

VS: Du musst ein Vor­bild für die Kin­der sein, in die­sem Krieg und im Leben. Du musst dei­nen Kin­dern zei­gen, dass man das Leben auf unter­schied­li­che Wei­se ange­hen kann, die dich nicht zum Ver­rä­ter wer­den lassen.

MT: Was erzäh­len sie ihnen über den Krieg, und wie erklä­ren sie ihnen, was pas­siert ist?

VS: Ich hat­te kei­ne Gele­gen­heit ihnen etwas zu sagen. Wir sind mor­gens von den Rake­ten­an­grif­fen auf­ge­wacht. Ich hat­te bereits gepackt, ich wuss­te, dass der Krieg aus­ge­bro­chen war. Um vier Uhr mor­gens ging ich zur Arbeit, hier­hin, wo wir jetzt sind und danach haben wir uns mona­te­lang nicht gesehen.

MT: Las­sen Sie uns über den Krieg spre­chen, las­sen Sie uns über die mili­tä­ri­sche Lage im Osten spre­chen. Ich gehe davon aus, dass Sie stän­dig von ihrem Mili­tär­stab infor­miert wer­den. Was ist der letz­te Stand?

VS: Im Osten der Ukrai­ne gibt es Risi­ken und Her­aus­for­de­run­gen. Die rus­si­sche Armee will uns unbe­dingt umzin­geln. Wir sehen immer mehr rus­si­sche Aus­rüs­tung und Sol­da­ten. Es gibt eine Anhäu­fung von Artil­le­rie­pan­zern und gepan­zer­ten Fahr­zeu­gen. Das ist über­all der rus­si­sche Ansatz: Sie schal­ten die loka­len Fern­seh­sen­de­sta­tio­nen und Inter­net­an­bie­ter aus. Nur ihre eige­nen Fern­seh­ka­nä­le sen­den wei­ter. Dann beginnt der Infor­ma­ti­ons­krieg. Alle ört­li­chen Auto­ri­tä­ten wer­den gefol­tert, sie wer­den in Kel­ler gesperrt, getötet…
[Pan­zer mit Sol­da­ten dar­auf wird eingeblendet.]
… oder sie wer­den vor der Bevöl­ke­rung gefoltert.
Mit­tel­al­ter­li­che Praktiken.
Es ist, als wür­den sie das­sel­be Hand­buch ver­wen­den wie die Nazis.
So läuft das. Sie fol­tern oder töten sie.
Wenn die Behör­den koope­rie­ren wol­len, kön­nen sie unter­schrei­ben, zu blei­ben. Danach muss in allen Schu­len Rus­sisch gespro­chen werden.

MT: Vie­le Ukrai­ner glau­ben, dass sie die­sen Krieg gewin­nen kön­nen. Wie gehen sie mit die­sen Erwar­tun­gen um?

VS: Die Ukrai­ne wird die­sen Krieg defi­ni­tiv gewin­nen. Die Fra­ge ist, zu wel­chem ​​Preis und wann.

MT: Was bedeu­tet für sie gewinnen?

VS: Gewin­nen bedeu­tet für mich, unser gan­zes Ter­ri­to­ri­um zurückzuerobern.
Ich glau­be nicht, dass wir unser gesam­tes Ter­ri­to­ri­um mit einer mili­tä­ri­schen Inter­ven­ti­on zurück­er­obern kön­nen. Wenn wir uns dazu ent­schlie­ßen, wird uns das hun­dert­tau­send Leben kosten.
[Bil­der von Grä­bern wer­den eingeblendet.]
Das ist sicher. Genau das pas­siert jetzt mit den Rus­sen. Sie ver­lie­ren immer mehr Men­schen, je län­ger der Krieg dau­ert. Nicht Tau­sen­de, son­dern Hun­dert­tau­sen­de. Jeder Ukrai­ner will den Don­bas und die Krim zurückerobern.
Ich den­ke, wir müs­sen zu den Gren­zen des 24. Febru­ar zurück kom­men, als die Rus­sen in unser Land ein­mar­schier­ten. [Das Wort “Mini­mum” fällt, wird aber in den Unter­ti­teln nicht übersetzt.]
Danach kön­nen wir nur auf diplo­ma­ti­scher Ebe­ne über die Wie­der­her­stel­lung unse­res Ter­ri­to­ri­ums dis­ku­tie­ren. [Vor­be­din­gung für Verhandlungen.]

MT: Was mei­nen sie damit? Mei­nen sie, sie kön­nen damit leben, dass die Krim in rus­si­schen Hän­den bleibt? Und Tei­le des Don­bas ebenfalls?

VS: Nein, so habe ich das nicht gemeint. Wir wol­len bis zum letz­ten Atem­zug kämp­fen, aber nicht bis zum letz­ten Mann.
[Ein Bild von stol­zen weib­li­chen Sol­da­ten im Spa­lier ste­hend, mit vier ukrai­ni­schen Fah­nen im Hin­ter­grund und Fokus auf das Gesicht der am ent­schlos­sens­ten aus­se­hen­den Sol­da­tin wird ein­ge­blen­det. Der Fokus ist via Bild­be­ar­bei­tung gewählt.] Damit kön­nen sie leben, aber ich nicht.

Wenn wir auf die Gren­ze vom 24. Febru­ar zurück­ge­hen, weiß ich dass Russ­land sich zu Ver­hand­lun­gen bereit erklä­ren wird. [Vor­be­din­gun­gen für Verhandlungen.]

Wir sind nicht bereit, die Krim, oder den Don­bas Russ­land zu über­las­sen. Das wer­den wir nie­mals anerkennen.

MT: Unter wel­chen Bedin­gun­gen wol­len sie ver­han­deln. Sie wol­len mit Vla­di­mir Putin in Per­son ver­han­deln, auf dem Level von Präsidenten?

VS: Es ist nicht so, dass ich kei­ne Ver­ab­re­dun­gen mit ihm machen möch­te, aber Sie kön­nen kei­ne Ver­ein­ba­run­gen mit jemand ande­rem tref­fen. Er hat einen Staat geschaf­fen, in dem nie­mand ande­res Ent­schei­dun­gen tref­fen kann. Es spielt kei­ne Rol­le, was sein Außen­mi­nis­ter sagt. Es spielt kei­ne Rol­le, ob er eine Dele­ga­ti­on schickt, um mit uns zu spre­chen. Alle die­se Leu­te bedeu­ten lei­der nichts.

MT: Aber was ist der bes­te Zeit­punkt um an den Dis­kus­si­ons­tisch zurückzukehren?

VS: Wann auch immer. Jetzt.

MT: Unter wel­chen Bedingungen?

VS: Wel­che Kon­di­tio­nen kön­nen sie von uns ver­lan­gen? Sie kamen zu uns und sie töten uns.

MT: Was ist ihr Kriegsziel?

VS: Wir haben ein Ziel: Frie­den in unse­rem Land.

MT: Mark Rut­te unser Pre­mier­mi­nis­ter, spricht über sie als einen Freund. Wie wür­den sie ihre Bezie­hung mit ihm beschreiben?

VS: Wir haben Kon­takt. Wir haben eine ziem­lich herz­li­ches Ver­hält­nis. Es gibt Län­der mit denen ich lei­der kein so gutes Ver­hält­nis habe. Das Ver­hält­nis wur­de durch eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit über die aktu­el­le Situa­ti­on gestört. Das gilt nicht für Mark. Wir haben unse­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, wenn es um die EU geht. Ja. Das ist nun eine Tat­sa­che. Das ist Fakt.

MT: Mark Rut­te hat eine Anspra­che an ihr Par­la­ment gehal­ten, vor eini­gen Wochen, und er hat die Ukrai­ne als einen Teil der euro­päi­schen Fami­lie bezeich­net. Aber er hat sich nicht bezüg­lich einer EU Mit­glied­schaft geäu­ßert. War das für sie enttäuschend?

VS: Wis­sen sie, ges­tern habe ich mit ihm gespro­chen. Ich den­ke, dass Men­schen im all­ge­mei­nen ein herz­li­ches Ver­hält­nis pfle­gen kön­nen, wenn sie offen und ehr­lich mit­ein­an­der sind. Ich war ehr­lich zu Mark. Ich habe ihm unge­fähr das glei­che gesagt, was sie gera­de zu mir gesagt haben. Vie­len Dank für ihre Rede, sie hel­fen uns wirk­lich und dafür bin ich sehr dank­bar. Aber in Bezug auf die EU haben Sie zu all den Din­gen geschwie­gen, die wir nun hören woll­ten. Ich sag­te ganz offen zu ihm, wenn Sie fin­den, dass in der EU kein Platz für uns ist, dann musst du das klar sagen. Weil…

MT: Und was hat er gesagt?

VS: Er sag­te, ich den­ke, es gibt defi­ni­tiv Platz in der EU für die Ukrai­ne, aber dann müs­sen Sie bestimm­te Schrit­te durch­lau­fen. Ich ver­ste­he auch, dass er einen schwie­ri­gen Spa­gat voll­füh­ren muss, schließ­lich gehen die poli­ti­schen Mei­nun­gen in den Nie­der­lan­den aus­ein­an­der. Aber… aber ich den­ke, dass es nicht ehr­lich ist.

Es ist unge­fähr das­sel­be wie das, was Russ­land über unse­re Unab­hän­gig­keit sagt.

Man­che Poli­ti­ker sagen so etwas. Dass in der EU noch kein Platz für uns ist. Wor­auf grün­den sie das? Ich ver­ste­he das nicht wirklich.

MT: War­um ist das nicht ehrlich?

Denn Poli­ti­ker wer­den vom Volk gewählt und 62 % der nie­der­län­di­schen Bevöl­ke­rung befür­wor­ten die EU-Mitgliedschaft der Ukrai­ne. Des­halb ist es unehr­lich: Denn die Bevöl­ke­rung unter­stützt uns. Das ist, was mich betrifft, ehr­lich und…

MT: Aber erin­nern sie sich an das nie­der­län­di­sche Referendum?

VS: Ja.

MT: Es hat das Asso­zia­ti­ons­ab­kom­men mit ihrem Land abge­lehnt und Mark Rut­te muss­te ver­spre­chen, dass die­ses Abkom­men nicht zur EU Mit­glied­schaft der Ukrai­ne füh­ren würde.

VS: Es geht jetzt um den Kan­di­da­ten­sta­tus für die Mit­glied­schaft in der Euro­päi­schen Uni­on. Das ist vor­erst ein­mal ein Signal. Kämp­fen die­se Poli­ti­ker jetzt gegen unse­ren Bei­tritts­kan­di­da­ten­sta­tus? Gegen ein Signal das uns stär­ker macht? Im Kampf, den wir zu Hau­se gegen Russ­land füh­ren? Es geht um das Signal.

MT: Pro­ble­me wie Kor­rup­ti­on exis­tie­ren noch immer. Der Krieg hat das nicht verändert.

VS: Wol­len Sie damit sagen, dass es jetzt Kor­rup­ti­on in der Ukrai­ne gibt, Mari­el­le? Ist es Ihnen auf­ge­fal­len, dass es in der Ukrai­ne jetzt Kor­rup­ti­on gibt? Hast du hier gewohnt? Haben Sie hier schon ein­mal gelebt?

MT: Sie sind gewillt alle Vor­be­din­gun­gen für eine EU Mit­glied­schaft zu erfüllen?

VS: Nein, nein, das habe ich dich nicht gefragt, Mari­el­le. Mei­ne Fra­ge ist, haben Sie hier in der Ukrai­ne gelebt?

MT: Nein.

VS: Nein. Wie kön­nen Sie dann sagen, dass es jetzt Kor­rup­ti­on in der Ukrai­ne gibt? Wie? Sie kön­nen Ihr eige­nes Unter­neh­men gründen. 

MT: Durch Offi­zi­el­le Berichte.

VS: Was macht sie offi­zi­ell? Woher kom­men die­se offi­zi­el­len Berich­te? Von wo her?

MT: Wei­sen sie hier­mit zurück, dass es Kor­rup­ti­ons­pro­ble­me gibt?

VS: Die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on behaup­tet dass wir Nazis sind und sie stüt­zen das auf die­se “offi­zi­el­len Berich­te”. Ja, es gibt Pro­ble­me. Sie haben sie in vie­len Län­dern. Sie haben sie auch in vie­len EU-Ländern. Ich ver­ste­he, dass es hier Not­wen­dig­kei­ten gibt. Es gibt Refor­men, die wir noch brau­chen und umset­zen wol­len. Und das tun wir nicht für die EU, son­dern für uns. Wir wol­len sie umset­zen. Wir müs­sen auch. Aber das dau­ert. Du machst das nicht ein­fach. Wir sind auch nicht sofort mor­gen EU-Mitglieder. Wir möch­ten Mit­glieds­kan­di­dat werden.

MT: Es wird Jahr­zehn­te dau­ern. Wenn es über­haupt dazu kommt.

VS: Woher weißt du das? Erzähl es mir. du weißt alles Mari­el­le. War­um hast du mich nicht gewarnt?

MT: Sie wis­sen, dass es nicht in einem Tag pas­sie­ren wird? Sie wis­sen, dass es Jah­re dauert?

VS: (Wech­selt erst­mals auf eng­lisch um direkt zu kon­fron­tie­ren.) Ich habe von Putin gehört, dass die Über­na­me der Ukrai­ne drei Tage dau­ern soll­te. Und ich habe es von vie­le ande­ren Län­dern eben­falls gehört und nicht nur Län­dern in der EU, und ich hat­te vie­le Tele­fon­ge­sprä­che, dass ich in drei Tagen ermor­det wer­den wür­de. Und ich hab oft gehört, nimm jetzt dei­ne Fami­lie und geh weg aus Kiew, du soll­test das jetzt machen. Du bist ein star­ker Mann, aber du soll­test jetzt nicht in der Ukrai­ne sein. Ich hab das oft gehört. Aber ich glau­be an Fak­ten. An Fak­ten wie wir sit­zen jetzt mit ihnen in Kiew zusammen.

[Trans­pa­ren­cy inter­na­tio­nal, Kor­rup­ti­ons­wahr­neh­mungs­in­dex: click]

MT: Pre­si­dent Macron hat eine Alter­na­ti­ve zu einer EU Mit­glied­schaft ins Gespräch gebracht um ein Teil der poli­ti­schen Fami­lie in der Euro­päi­schen Uni­on zu wer­den. Ist das eine Opti­on für sie? Eine alter­na­ti­ve Option?

VS: Nein, ich den­ke nicht. Ich den­ke Prä­si­dent Macron hat mir das sel­be vor­ge­schla­gen was mir auch Pre­mier­mi­nis­ter Rut­te und Kazler Scholz vor­ge­schla­gen haben [Anm.: Seit heu­te auch Neham­mer.]. Ich den­ke sie haben ihren eige­nen Vor­schlag einen geein­ten Vor­schlag. Wir brau­chen ihn nicht. Wir brau­chen nur die Unter­stüt­zung die­ser Län­der und wir wol­len kei­ne Alternativen.

MT: Sie sind mit der rus­si­schen Spra­che groß gewor­den, sie haben auch für eini­ge Jah­re in Mos­kau gelebt, nach all dem was Russ­land ihrem Land ange­tan hat, sind sie immer noch gewillt die­se Spra­che zu sprechen?

VS: *bricht in schal­len­des Lachen aus* Ich den­ke dar­über nicht nach. Ich kann jede Spra­che spre­chen, die ich möch­te. Und so kann es jeder in der Ukrai­ne, aber es stimmt, dass nach diesem …

MT: Aber es exis­tiert hier so viel Hass gegen Russen..

VS: Ja, das ist es, was ich mei­ne. Seit der Inva­si­on fin­den vie­le Ukrai­ner vor allem die­je­ni­gen, die Rus­sisch spre­chen aus zer­stör­ten Städ­ten, denn in den zer­stör­ten Städ­ten spre­chen die meis­ten Men­schen rus­sisch. Das ist der Osten unse­res Lan­des. Es stimmt, dass vie­le Men­schen frei­wil­lig zu ukrai­nisch gewech­selt sind. Weil Hass auf das exis­tiert, was die rus­si­sche Armee getan hat und alles was damit zu tun hat. Und doch gibt es kei­ne Spra­che die in unse­rem Land ver­bo­ten wäre, ein­schließ­lich russisch.

MT: Und ver­ste­hen sie die­ses Gefühl? Ver­ste­hen sie dass Menschen…

VS: Ja.

MT: Ist es das was sie auch selbst empfinden?

VS: Ja.

MT: Prä­si­dent Putin hat gedacht, dass er ihr Land in weni­gen Tagen erobern kann. Wie kann er ihr Land unter­schätzt haben? Hat er die Men­schen in der Ukrai­ne unter­schätzt? Hat er sie als Prä­si­dent unterschätzt?

VS: Ich schät­ze, er ist sich des­sen nicht ganz bewusst, oder er woll­te es nicht wahr­ha­ben. Oder er ver­steht nicht, dass die Men­schen hier nicht zu Russ­land gehö­ren wol­len. Die Men­schen wol­len in ihrem eige­nen Staat leben. Wahr­schein­lich hat er sei­ne eige­ne Armee über­schätzt. Das den­ke ich. Unse­re Leu­te sind erfah­ren. Wir leben seit acht Jah­ren in Kriegs­zei­ten. Die Leu­te waren in der Armee, haben sich frei­wil­lig gemel­det, seit 2014, oder sie haben in den Frei­wil­li­gen­ba­tail­lo­nen gekämpft. Ich den­ke, so viel Erfah­rung zählt auch.

MT: Haben sie Putin eben­falls unter­schätzt? Denn sie hat­ten Infor­ma­ti­on, die von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten bereit­ge­stellt wur­de, vor eini­gen Mona­ten, dass sie eine Mili­tär­inva­si­on geplant haben, aber sie haben ihr Land nicht mobi­li­siert, bis die Rus­sen ange­grif­fen haben.

VS: Unser Land war in der Tat vor­be­rei­tet. Wir wuss­ten, dass es jeden Moment pas­sie­ren könn­te. Die USA schlu­gen vor, die Alarm­glo­cke zu läu­ten und Schüt­zen­grä­ben zu bau­en und Men­schen aus dem Land zu eva­ku­ie­ren, das hät­te ein Jahr vor der Inva­si­on erle­digt wer­den müs­sen. Ich woll­te das nicht um nicht unnö­tig Panik zu schü­ren. Es hät­te sich auf unse­re finan­zi­el­le Situa­ti­on, den Haus­halt und die Wirt­schaft aus­ge­wirkt. Das ver­ste­hen wir jetzt sehr gut. Wir haben die­se Schrit­te erst unter­nom­men, als die Inva­si­on begon­nen hat­te. Uns feh­len jetzt min­des­tens 5 Mil­li­ar­den im Haus­halt. Die­ses Defi­zit ent­stand im März. Wenn wir damit ein Jahr im Vor­aus begon­nen hät­ten, hät­ten wir jetzt kei­ne Wirt­schaft mehr. Dann stün­de es heu­te um ums sehr schlecht. Wir erkann­ten, dass der Wert unse­rer Wäh­rung fal­len wür­de und dass das Geld der Men­schen und Unter­neh­men aus dem Land flie­ßen wür­de und ich den­ke, es gab hohe Risi­ken. Was unse­re Armee betrifft - die war bereit. Das haben sie gezeigt.

MT: Wie wür­den sie Putins Posi­ti­on ein­ord­nen, könn­te es einen Sys­tem­wech­sel (Regi­me­chan­ge) geben?

VS: Ich sehe, dass die­se Füh­rungs­rie­ge seit vie­len Jah­ren zusam­men­ar­bei­tet und ich den­ke, dass sie stark mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Auf vie­len Ebe­nen. durch vie­le Taten und Ver­bre­chen. in unse­ren Augen sind es Ver­bre­chen, die uns ange­tan wer­den. Sie sind mit­ein­an­der ver­floch­ten. Ich bin mir nicht sicher, ob es an die­sem Punkt eine Macht­ver­schie­bung gibt. Ich glau­be, sie haben alle Angst vor Putin.

MT: Als ein ehe­ma­li­ger Schau­spie­ler sind sie sehr pro­fes­sio­nell in ihrem media­len Auf­tre­ten und ihrer Medi­enst­ra­te­gie, um die Auf­merk­sam­keit der Welt zu binden/zu hal­ten. Haben sie Angst davor, dass sie die­se Auf­merk­sam­keit eines Tages ver­lie­ren wer­den, in die­sem Krieg?

VS: Ich glau­be, wir haben alle Angst. Sie und wir. Wir haben es jetzt mit jeman­dem zu tun, der den Krieg nicht prag­ma­tisch betrach­tet, son­dern der einen vor­ge­fass­ten Kriegs­plan hat­te, den er umset­zen woll­te und bei dem er wuss­te wo es enden wür­de. Und sogar in wel­chem ​​Land er lan­den wür­de. Das macht es zu einem so gro­ßen Pro­blem für uns alle. Die Unter­stüt­zung Ihres Lan­des ist uns wich­tig eben­so wie die Unter­stüt­zung Ihrer Leu­te und die aller Län­der in Europa.

Wenn wir eure Auf­merk­sam­keit ver­lie­ren, dann wird das der Fall sein, weil ihr sie uns nicht mehr geben wollt. Wir haben kein Recht, die Ban­de mit den Län­dern zu ris­kie­ren, die uns unter­stüt­zen und unse­re Wer­te tei­len. Sie [Russ­land] haben einen Plan, wann ihr Krieg enden wird und wo, aber nur sie [Län­der die uns unter­stüt­zen] und wir könn­ten ihre [Russ­lands] Plä­ne bei­sei­te schie­ben. Wir müs­sen uns die Rea­li­tät anschau­en. Wir als zivi­li­sier­te Län­der soll­ten ent­schei­den, wo der Krieg endet, nicht Russland. 

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Der letz­te Absatz ist beson­ders sen­sa­tio­nell, wenn man Kule­bas Posi­ti­on in Davos, von vor einer Woche bedenkt (Ver­mitt­lun­gen aller Län­der sind will­kom­men, solan­ge sie kei­ne neu­en Kon­takt­li­ni­en defi­nie­ren, und nicht die voll­stän­di­ge ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne anzwei­feln.) Ja ich den­ke auch wir soll­ten das als zivi­li­sier­te Län­der ent­schei­den. Wes­halb die Posi­ti­on Deutsch­lands, und Öster­reich ist, dass die Ukrai­ne das allei­ne ent­schei­den muss.

Kriegs­ziel? Immer noch das sel­be. Voll­stän­di­ge ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne, bis zum “let­zen Atem­zug, aber nicht bis zum let­zen Mann” [Bewuss­tes reframing um die Aus­sa­ge, die US wür­den in den Ukrai­ne bis zum letz­ten Ukrai­ner kämp­fen wol­len zu kon­ter­ka­rie­ren. Media-Training par excellence.].

edit: Die jun­ge Welt hat das Tage­buch eines ukrai­ni­schen Dol­met­schers der zum Mili­tär­dienst gegen den rus­si­schen Angriff ein­ge­zo­gen wur­de ver­öf­fent­licht.

Fast… Versuchs nochmal!

01. Juni 2022

“Das Pro­blem ist, dass Selen­skyj selbst sei­ne Kriegs­zie­le immer anders defi­niert. Manch­mal sagt er die Rus­sen müs­sen aus dem gan­zen Land ver­trie­ben wer­den, also auch von der Krim, manch­mal sagt er - eh, ah, es wird schwie­rig wer­den die Rus­sen aus den Gebie­ten zu ver­trei­ben wo sie vor dem Krieg schon waren, aber was wir jeden­falls tun wer­den ist bis zum letz­ten Mann den Don­bas zu verteidigen.”

Der Man­gott kommt also nicht über ein non deni­al deni­al drü­ber - und das wo wir gegen­über Russ­land bereits so lan­ge über Mini­mal­zie­le in die­sem Krieg reden - es ist so trau­rig. So trau­rig, dass er sich in der Satz­kon­struk­ti­on fast selbst ver­has­pelt, wäh­rend er merkt, dass sie kei­nen Sinn macht.

Und nein, der wan­kel­mü­ti­ge Selen­skyj ist in der Form eine Lüge. In jedem sei­ner Inter­views, seit dem ers­ten Monat, weist er auf die Unab­ding­bar­keit der voll­stän­di­gen ter­ri­to­ria­len Inte­gri­tät der Ukrai­ne (inklu­si­ve der Krim) als Bedin­gung für und Posi­ti­on in Frie­dens­ver­hand­lun­gen hin. Im Fal­le der Ein­set­zung von auto­no­men Regie­run­gen, eben­falls nur, wenn die­se Regio­nen Teil der Ukrai­ne wer­den. Im Fal­le des ange­dach­ten “neu­tra­len Sta­tus” der Ukrai­ne (in der Woche in der sich Selen­skyj das vor­stel­len konn­te), eben­falls nur bei einer voll­stän­di­gen ter­ri­to­ria­len Inte­gri­tät der Ukrai­ne, inklu­si­ve Krim. Wenn man die Inter­views im Voll­text liest.

Es gibt und gab kei­nen Wider­spruch in der Sache. Bis zum Inter­view am Frei­tag (28.05) im nie­der­län­di­schen Fern­se­hen. Das in dem Punkt eben­falls noch genü­gend Ambi­gui­tät offen lässt, um bei Frie­dens­ver­hand­lun­gen trotz­dem die voll­stän­di­ge ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät der Ukrai­ne zu fordern.

Das ist wesent­lich, weil es vor die­sem Inter­view eine metric shit­ton an Leu­ten gege­ben hat, die sich ins als Exper­te “Meinungs-Fernsehen” ein­la­den haben las­sen (Bera­ter von Borrell!11!1), und das Gegen­teil behaup­tet haben. (Ukrai­ne sei sehr wohl kom­pro­miss­be­reit, Ukrai­ne wol­le doch nur an die Gren­zen des 23. Febru­ar zurück… Nein Falsch­dar­stel­lung, die Gren­zen des 23. Febru­ar wur­den immer nur als Vor­be­din­gung für Waf­fen­still­stands­ver­hand­lun­gen genannt.).

Also was machst du jetzt mit nem Ger­hart Man­gott im Fern­se­hen, der in dem Punkt ein öffent­li­ches Nar­ra­tiv deckt, mit ner Aus­sa­ge die in sich wider­sprüch­lich ist, und die im Kon­text des­sen was sug­ge­riert wird nicht stimmt?

Lie­ben, neh­me ich an.

Das sind die ver­damm­ten Aus­wir­kun­gen, wenn du seit Kriegs­be­ginn begon­nen hast, jedes Inter­view das von Selen­skyj refe­ren­ziert wur­de (“Selen­sky for­dert Frie­dens­ver­hand­lun­gen” sei dem ers­ten Monat, und Papst­be­su­che, und Pan­zer in der sel­ben Woche…) wirk­lich im Voll­text zu lesen.

Jetzt stehst du da, du armer Tor, und siehst halt wie die­se Gesell­schaft belo­gen wird. Von hin­ten bis vor­ne, von mor­gens bis abends.

Die­se Gesell­schaft ist das Letzte.

“Also, Selen­skyj ist hier immer wie­der mit sich selbst uneins, was er eigent­lich anstrebt, und in der ukrai­ni­schen Füh­rung gibt es dar­über auch Streit. Und - eh, eine Rück­nah­me, oder Ver­zö­ge­rung west­li­cher Waf­fen­lie­fe­run­gen um die Ukrai­ne in einen Ver­hand­lungs­frie­den zu zwin­gen, der wesent­lich von Russ­land dik­tiert wer­den wür­de, das wür­de in Kiew sicher­lich sehr, sehr nega­tiv auf­ge­nom­men werden.”

(Ich will ja nichts sagen, aber ich habe noch nie eine so wun­der­schö­ne Begrün­dung für die Posi­ti­on “die Ukrai­ne muss selbst ent­schei­den” gesehen.)

Dazu Man­gott:

Vie­le west­li­che Staa­ten ver­tre­ten die Ansicht, so auch der öster­rei­chi­sche, dass es die Ukrai­ni­sche Regie­rung ist und aus­schließ­lich die ukrai­ni­sche Regie­rung und das ukrai­ni­sche Volk, die dar­über ent­schei­den, wann Ver­hand­lun­gen mit Russ­land auf­ge­nom­men wer­den und wel­che Bedin­gun­gen da akzep­tiert wer­den. Ich wäre mir da nicht so ganz sicher, denn wenn der Wes­ten die Ukrai­ne auf­rüs­tet - und das tut er mas­siv, soll­te er eben auch klar wis­sen, was ist das End Game, wor­auf möch­te man hin­aus, wie weit möch­te man Russ­land hier demü­ti­gen, wie man­che es for­mu­lie­ren, und das eben könn­te schon dazu füh­ren, dass bestimm­te Staa­ten ihre Waf­fen­lie­fe­run­gen kon­di­tio­nie­ren. Das heißt abhän­gig davon machen, wie beweg­lich die ukrai­ni­sche Regie­rung gegen­über dem Inva­sor ist.

Es gibt eigent­lich eine Kluft inner­halb des Wes­tens. Die pol­ni­sche Regie­rung, die bal­ti­schen Regie­run­gen, Rumä­ni­en, die bri­ti­sche, aber auch die ame­ri­ka­ni­sche Regie­rung gehen in ihren Kriegs­zie­len, die sie als Ziel der Ukrai­ne defi­nie­ren, sehr, sehr weit. Bis eigent­lich dort­hin, dass alle rus­si­schen Trup­pen aus der Ukrai­ne ent­fernt wer­den. Also auch von der Krim ver­jagt wer­den. Deutsch­land, Frank­reich und Ita­li­en sind ja hier sehr viel mäßi­ger. Sie for­dern einen raschen Waf­fen­still­stand, und for­dern die rus­si­schen Trup­pen eigent­lich nur auf, auf ihre Posi­tio­nen zurück­zu­keh­ren, die sie vor der Inva­si­on am 24. Febru­ar hat­ten. Also hier sind die Kriegs­zie­le unter­schied­lich. In der Ukrai­ne selbst wird über die Kriegs­zie­le auch hef­tig dis­ku­tiert. Was ein Sieg für die Ukrai­ne ist, ist umstritten.

(Ich will ja nichts sagen, aber ich habe noch nie eine so wun­der­schö­ne Begrün­dung gegen die Posi­ti­on “die Ukrai­ne muss selbst ent­schei­den” gesehen.)

Das ist Posi­ti­on bezie­hen in Nuan­cen im Subtext.

Es gibt auch Leu­te die machen das nicht - aber die sind dann bald weg vom Fens­ter. Oder sind bei der UN auf die eh kei­ner hört.


Das ist übri­gens Cana­ry Num­mer drei für die, die mit­zäh­len. Sachs, Nina Khrush­che­va bei Demo­cra­cy now und Tho­mas Gra­ham vom CFR vor zwei Wochen. edit: Mehr Sachs.

Die­se Gesell­schaft ist das abgrund­tief Letzte.

edit: Für den zeit­li­chen Kon­text: Ande­re News­mel­dun­gen des Tages.

Nach­trag: Nur sie­ben Tage nach dem Auf­tritt Man­gotts in der ZIB2 fällt dem Stan­dard auf, dass das nicht stim­men kann. Wobei, nein - er bring­ts halt als wei­te­re Mel­dung unter fer­ner lie­fen…

Die Ukrai­ne habe seit dem rus­si­schen Angriff vor mehr als drei Mona­ten schon viel zu vie­le Men­schen­le­ben ver­lo­ren, um ein­fach Tei­le sei­nes Gebiets abzu­tre­ten, sag­te Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj am Diens­tag. Das “Patt”, wie es im Wes­ten man­cher­orts her­bei­ge­re­det wer­de, sei für sein Land “kei­ne Opti­on”. Daher, sag­te Selen­skyj, müs­se man “die vol­le Kon­trol­le über unser Land erlangen.”

Wenn der Presseclub Concordia den Wehrschütz reden hört

31. Mai 2022

trifft eam da Schlog. Dem Club, net dem Wehrschütz.

Und die Redak­teu­re vom Pro­fil sol­len sich schleichen.

Wenn die noch ein­mal *hmhmmm* zum Punkt “Selen­kyj hat sei­ne Bevöl­ke­rung bis­her noch in kei­nem Punkt auf mög­li­che Kon­zes­sio­nen vor­be­rei­tet”, sagen höre, grab ich screen­cap­tures, von einem Monat nach Beginn des Krie­ges aus, in denen das Pro­fil 10 fluff Arti­kel auf ein­mal auf der Haupt­sei­te hat­te (lau­ter Hel­den, über­all, so rich­tig aspi­ra­tio­nal). Selbst scrol­len half nichts.

W*chser.

edit: Ah, die Ver­leum­ndung geht los: click

Die­ser Rech­te, war dann auch der Ein­zi­ge in der Club 3 Run­de der sich ein­deu­tig zum Azov Regi­ment geäu­ßert hat.

I think we need a little strategic ambiguity on that one

30. Mai 2022

- at the moment.

At 7:10 min.

edit: Ah. Lie at 10 minu­tes in. No you cant “join the alli­an­ci­es you want to join” (NATO). You get invi­ted to talks, if you decla­re inte­rest. May­be. And then all mem­bers have to come to a unani­mous decisi­on on your can­di­da­te status.

NATO’s “open door poli­cy” is based on Arti­cle 10 of its foun­ding trea­ty. Any decisi­on to invi­te a coun­try to join the Alli­an­ce is taken by the North Atlan­tic Coun­cil on the basis of con­sen­sus among all Allies. No third coun­try has a say in such deliberations.

src: click

Why thats cal­led “open door poli­cy” is bey­ond me, when even the open door part (to the foy­er mind you) is con­di­tio­nal, but oh well, words. As part of public policies.

But its good to see the pro­cess of kee­ping the public nar­ra­ti­ve at least some­what congruent.

Erstmalige Aussage

28. Mai 2022

Selen­skyj: Kön­nen nicht gesam­tes Staats­ge­biet zurückholen

Die Ukrai­ne wird Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj zufol­ge das von Russ­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein­ge­nom­me­ne Staats­ge­biet nicht kom­plett mit Gewalt zurück­ho­len kön­nen. “Ich glau­be nicht, dass wir unser gesam­tes Ter­ri­to­ri­um mit mili­tä­ri­schen Mit­teln zurück­ge­win­nen kön­nen”, sag­te er in einem Inter­view, das sein Büro am Sams­tag in vol­ler Län­ge ins Inter­net stell­te. Bei einem sol­chen Vor­ge­hen wür­den Hun­dert­tau­sen­de Men­schen getötet.

Das Inter­view wur­de am Frei­tag im nie­der­län­di­schen Fern­se­hen gesendet.

src: click

Nach über drei Mona­ten Krieg. Nach hun­der­ten News­mel­dun­gen, dass Selen­skyj für Frie­dens­ver­hand­lun­gen wäre, mit einer Medi­en­land­schaft, die erst in der letz­ten Woche erkannt haben will, dass Selen­skyj nie die ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät als Vor­be­din­gung für Frie­dens­ver­hand­lun­gen auf­ge­ben woll­te - die jede Aus­sa­ge bezüg­lich “Selen­skyj pocht auf Frie­dens­ver­hand­lun­gen”, seit dem ers­ten Monat, nur um den Teil gekürzt wie­der­ge­ge­ben hat. Wäh­rend es in den Quellen-Interviews, die refe­ren­ziert wur­de, immer vor­ge­kom­men ist.

Jetzt kommt die Bericht­erstat­tung, dass Selen­skyj erst­ma­lig sei­nen Kurs geän­dert hat.

Nach Mona­ten der Heldenstilisierung.

Nach dem Abdru­cken von Kom­men­tar­bei­trä­gen aus dem Mer­ca­tor Umfeld die Precht (Prag­ma­tisus) und Franz­o­bel (Pazi­fis­mus) als nicht gang­ba­re Mei­nun­gen im Ukrai­ne Kon­flikt öffent­lich abqua­li­fi­ziert haben.

Nach einem Monat schwe­rer Waffen-Forderungen, die dem spe­zi­fi­schen Wor­d­ing nach, nach einem Auf­ruf des Atlan­tic Coun­cils mit zwei Tagen Ver­spä­tung von ukrai­ni­schen Regie­rungs­spre­chern über­nom­men wur­den. Vor Butscha.

Nach einem Davos Gip­fel auf dem die Schwel­len­län­der Euro­pa als “emo­tio­nal agie­rend” umschrie­ben haben. Mehrheitlich.

Nach einer kom­plet­ten öffent­li­chen Abwer­tung der Posi­ti­on Deutsch­lands und Frank­reichs in Davos (“man sol­le nicht popu­la­ri­sie­ren, dass die Ukrai­ne den Krieg gewin­nen kön­ne” (im Sin­ne von “auch der letz­te rus­si­sche Sol­dat muss das ukrai­ni­sche Ter­ri­to­ri­um ver­las­sen, bevor wir verhandeln”)).

Kommt Selen­skyj - UND MIT IHM die gesam­te west­li­che Medi­en­land­schaft drauf, dass das hun­dert­tau­sen­de Men­schen­le­ben kos­ten würde.

Hat ihm das vor­her nie­mand gesagt, oder…

Die­se Gesell­schaft ist das abgrund­tief Letzte.

Zuerst haun wir euch mit der tiefs­ten Pro­pa­gan­da (für Frie­dens­ver­hand­lun­gen aber nur, wenn die Ukrai­ne die Krim zurück erhält, mit Papst im Land, und Pan­zer for­dernd, in einer Woche), und de fac­to Het­ze gegen Alter­na­tiv­po­si­tio­nen zu. Aber spä­ter über­neh­men wir die Mei­nung die wir nie auch nur zulas­sen woll­ten, dann doch, weil jetzt hat sie ja der Held formuliert…

Holy, f*cking shit.

Und wenns ernst gemeint ist - fällt mir trotz­dem ein Stein vom Herzen.

edit: Ach­so… Es ist wohl doch nur das geän­der­te öffent­li­che Nar­ra­tiv, da die US heu­te MLRS ship­ments frei­ge­ge­ben haben. Und es bald ein wenig komisch anmu­ten wür­de, wenn man mit Mul­ti­ple Launch Rocket Sys­tems Städ­te (dh. rus­si­sche Posi­tio­nen in Städ­ten) angreift, und gleich­zei­tig das “wir kön­nen erst auf­hö­ren, wenn die staat­li­che Inte­gri­tät der Ukrai­ne wie­der her­ge­stellt ist” messaging ver­brei­tet. Na dann…

edit2: Wow! Stan­dard dies­mal nur drei Tage zu spät irgend­wo im Ticker…

USA lie­fern moder­ne Rake­ten­sys­te­me an die Ukraine
Die US-Regierung lie­fert der Ukrai­ne im Rah­men eines neu­en Sicher­heits­pa­kets moder­ne Mehr­fach­ra­ke­ten­wer­fer zur Ver­tei­di­gung gegen den rus­si­schen Einmarsch. 

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Wow, so glad to see you! Welcome!

Mehr­fach­ra­ke­ten­wer­fer mit grö­ße­rer Reich­wei­te als die Artil­le­rie der Rus­sen, natür­lich nur zur Ver­tei­di­gung. Ob die nach Nato Desi­gna­ti­on als Defen­siv­waf­fen geführt werden?

Was sagt da eigent­lich der Edi­tor des ‘Brea­king Defen­se maga­zi­ne’ laut der BBC dazu?

But can a mis­si­le real­ly be “defen­si­ve”?

“Any wea­pon is defen­si­ve if you’­re using it to defend yourself or your coun­try,” says Colin Clark, edi­tor of Brea­king Defen­se maga­zi­ne. “And sin­ce Putin is the aggres­sor here, if we sup­ply wea­pons to tho­se figh­t­ing against him they are, by defi­ni­ti­on, defensive.”

But equal­ly, if Pre­si­dent Putin sup­plies the rebels with arms “he might sim­ply say he is ‘defen­ding’ the rights of Rus­si­ans,” Clark adds.

Loo­king at it this way, it would seem almost any wea­pon could qua­li­fy as “defen­si­ve” - ren­de­ring the term meaningless.

In prac­ti­ce, howe­ver, “the­re are dis­tinc­tions” says Clark. In Ukrai­ne, for instance, the US is unli­kely to sup­ply any arms which might “turn the tide of war” and allow Ukrai­ni­an tro­ops to advan­ce or inva­de oppo­si­ti­on territory.

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Dass die sich trau­en das zu fragen…

Wait - “The­re ARE dis­tinc­tions”? Ups, das war ja noch 2015 unter Oba­ma, nicht 2021 unter Biden, als die US im Dezem­ber retro­ak­tiv Jave­lins für den Ein­satz im Don­bas frei­ge­ge­ben haben, die dort schon seit zwei Mona­ten ein­ge­setzt wur­den (was laut Ex-Stratfor Ana­lys­ten den größ­ten rus­si­schen Trup­pen­auf­marsch aller Zei­ten als Gegen­re­ak­ti­on zur Fol­ge hat­te…). Nicht wie im Mai 2022, als die US MLRS-Lieferungen frei­ge­ge­ben haben… Weil das wür­den die ja nie tun.

Oh.. der BBC Arti­kel selbst war die Reak­ti­on auf einen Report von drei US Think Tanks, die mehr Anti Tank mis­si­les für die Ukrai­ne gefor­dert haben? Also Javelins?

A report by three US think-tanks this week calls for more non-lethal aid - such as dro­nes, secu­re com­mu­ni­ca­ti­ons equip­ment and armou­red Hum­ve­es - but also “defen­si­ve” let­hal assi­s­tance, spe­ci­fi­cal­ly anti-tank missiles.

Ah, also gehts jetzt doch nicht um die­se Desi­gna­ti­on hier? -

US is unli­kely to sup­ply any arms which might “turn the tide of war” and allow Ukrai­ni­an tro­ops to advan­ce or inva­de oppo­si­ti­on territory

Na nur gut, dass Mobi­le Mul­ti­ple Rake­ten­wer­fer mit grö­ße­rer Reich­wei­te als rus­si­sche Artil­le­rie nicht dazu ein­ge­setzt wer­den kön­nen “gro­ße Explo­sio­nen zu ver­ur­sa­chen und vie­le Men­schen zu töten”. -

Figh­ter jets, hea­vy artil­le­ry and ground tro­ops would all fall into this cate­go­ry [offen­si­ve wea­pons]. But anti-tank mis­si­les - such as the Jave­lin mis­si­le reques­ted by Ukrai­ni­an mili­ta­ry - “would not be much use if you wan­ted to attack someo­ne” says Clark. “They can blow holes in armour but they’­re not going to cau­se huge explo­si­ons and kill lots of people.”

Sonst müss­te man dem Stan­dard glatt vor­wer­fen hier die Bevöl­ke­rung zu verarschen.

moder­ne Mehr­fach­ra­ke­ten­wer­fer zur Ver­tei­di­gung gegen den rus­si­schen Einmarsch

Offen­siv­waf­fen (Desi­gna­ti­on) zur aus­schließ­lich defen­si­ven Nut­zung, im eige­nen (ukrai­ni­schen) Staats­ge­biet, wo nach Defi­ni­ti­on Medi­en jede Nut­zung defen­siv ist. Gelie­fert von einer Schutz­macht, die sich nie ein­mi­schen wür­de um den Aus­gang des Krie­ges signi­fi­kant zu verändern.

Denn wür­den sies tun, wäre der Ukrai­ne Krieg per Defi­ni­ti­on ein pro­xy war.

Pro­xy wars are con­flicts in which a third par­ty inter­venes indi­rect­ly in a pre-existing war in order to influ­ence the stra­te­gic out­co­me in favour of its pre­fer­red fac­tion. - Oxford Dic­tion­a­ry of Poli­tics and Inter­na­tio­nal Rela­ti­ons (4 ed.)

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