Normaler Bürger vs. Psychologe vs. Standard Journalist
Normaler Bürger:
Ok, der Krieg in der Ukraine ist ausgebrochen, Ich orientier mich mal an der Haus und Hof Neocon Quasselbude des Manns von Victoria Nuland (Robert Kagan), mal schaun was die so sagen.…
Ein Monat später: Komisch jetzt ist schon ein Monat vergangen, und ganz Europa hat eins zu eins das Kotkin Narrativ übernommen und nichts hinzugefügt oder verändert.
Zwei Monate später: SCHEISSE jetzt sind schon zwei Monate vergangen, und ganz Europa hat eins zu eins das Kotkin Narrativ übernommen und nichts hinzugefügt oder verändert!
Psychologe: Jetzt hör ich mir den Scheiß schon zwei Wochen an verschwinden sie aus meiner Betreuung
Standard Redakteur/Experte:
Am Tag 551 des Krieges: Scheisse, jetzt hab ich gestern zum erstem mal den Lesern verraten müssen, dass Selenskyj vor hat eine 2 Millionen Einwohner Stadt mit den gelieferten Waffen zu terrorisieren “bis Russland vollständig aus der Ukraine abzieht”, jetzt fragen mich alle Leute wie das denn weiter gehen soll, nach dem ich die Öffentlichkeit bisher mit Sieges- und Tapferkeitsparolen zugeschissen habe, was mach ich denn da jetzt!?
Ich weiß es ist grad Alpbach, ich schreib einfach was mir die von der Open Society Foundation finanzierten Leute und ECFR Experte Carl Bildt (Grüße an Wallenbergs bitte.) dazu sagen!
Also zuerst Europa steht immer noch einheitlich hinter die Ukraine muss selbst entscheiden und gewinnen, weil verlieren keine Option ist. Das ja sowieso, und was dann noch?
Die Aggression gegen die Ukraine ist die Willensprobe eines Mannes – Wladimir Putin mit seinem imperialistischen Traum – gegen den Willen des ukrainischen Volkes, sich nicht unterjochen zu lassen. Butscha und zahlreiche andere Kriegsverbrechen haben gezeigt, was dann zu erwarten wäre.
Putin ist kein Stratege, der seinem Traum gerecht wird. Stephen Kotkin zum Beispiel sieht keine Beweise dafür, “dass irgendetwas, was man Putins taktischer Gewandtheit zuschreibt, einen positiven Beitrag zu Russlands langfristiger Macht” – Wohlstand, Humankapital, Infrastruktur, Regierungskunst – leistet.
Diese Gesellschaft ist das abartigst grotesk Allerletze.
Das ist das letze Vermächtnis der Boomer:
Wir freuen uns, mittelfristig in der EU-Familie begrüßen zu dürfen:
Albanien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Ukraine, Türkei.
Wachstum und Wohlstand, aber mehr so auf lokalerer Ebene, auf ein bisserl einem niedrigeren Niveau. In 40 Jahren, wenn sich die Investitionen in die Erneuerbaren amortisiert haben (Gut, nicht in Polen…). Mit einem schönen neuen Feindbild in den politischen Reden (das Carnegie Endowment for International Peace, das sich beim IWMVienna noch geziert hat, hat “wir gemeinsam gegen Russland” endlich als das neue Europanarrativ abgesegnet), und mit einem echten Freund an der Seite. Dem Erfinder der offenen Gesellschaft schlecht hin.
Diese Gesellschaft ist was sie ist. Das absolut grotesk abartigst Allerletzte.
Weil das erhöht ja die Wettbewerbsfähigkeit eines deutschen Unternehmens!
edit: Es gibt aber natürlich auch wieder gute Nachrichten. Der Alpbach kann zum Beispiel auch schon ganz gut schreiben! Oder generative AI benutzen.
Kiew wird versuchen, die Russen auf der Krim, denen Putin Sicherheit versprach, zu verunsichern und zu terrorisieren, bis sie in großer Zahl von der Halbinsel fliehen und dadurch Putins Projekt entzaubern. Es wäre dies wohl eine der wenigen Möglichkeiten, den Druck auf Putin Kreml-intern derart zu erhöhen, dass er zu wackeln beginnen könnte. (Fabian Sommavilla, 28.8.2023)
Und bleibt damit seiner Devise treu, die wichtigste Information eines ukrainefreundlichen Artikels wie immer erst im letzten Absatz zu bringen.
Dann können wir ja auch offen den nächsten Teil aussprechen. Die gelieferten Storm Shadow und SCALP haben nur eine recht kleine runde impact Zone, Taurus eine deutlich größere.
Also falls Kiew demnächst aus dem Liegestuhl und größer 500km Entfernung die Kertsch Brücke komplett sprengen möchte um dann die 2 Mio Bevölkerung der Krim zu verunsichern und zu terrorisieren (Zitat Standard), sollte Deutschland möglichst schnell liefern.
Ich nehme an das wusste auch Reisner, als er in diesem Interview darauf abstellte “er könne und werde Deutschland in diesem Zusammenhang [Taurus Lieferungen], als Österreicher, keine Empfehlungen geben”.
Aber der Standard will nicht so lange Trübsal blasen, und findet es erstaunlich, dass Selenskyj im Zusammenhang mit der versorgungstechnischen Isolation der Krim das Wort “Deokkupation” nennt. Und eine “politsche Lösung in Aussicht stellt”.
Gut, der Standard hat weder das Dekret 117/2021 von März 2021 gelesen das eine militärische Deokkupationsstrategie der Krim in Gang gesetzt hat, noch die Aussagen von Selensky bezüglich seiner “Friendensformel”. Da kann er das Wording ja noch nicht kennen.
Im Moment rätselt der Standard noch ob der Ausspruch “politische Lösung” von Selenskyj als Zugeständnis, oder als Drohung zu werten sei. Also rund um die Einnahme von Robotyne.
Am Montag wurde jedenfalls die Eroberung des strategisch bedeutsamen Dorfes Robotyne im Südosten der Ukraine vermeldet, welches sich auf dem Weg in Richtung Melitopol und Asow’sches Meer befindet – ein weiterer Zwischenschritt zur angestrebten Isolation der Krim durch ein Sprengen der Kertschbrücke im Osten der Halbinsel und ein Abschneiden der Versorgungswege nördlich.
Selenskyj bringt eine politische Lösung der Krim-Frage möglicherweise auch deshalb zur Sprache, weil er um die drohenden ukrainischen Verluste bei einer Rückeroberung der Halbinsel weiß. Die Russen sind eingegraben und vorbereitet, die Abnützung bei solch einem Angriff ist potenziell hoch.
Nichtsdestotrotz wirkt die Ansage einer “Demilitarisierung” der russischen Besatzer der Krim selbstbewusst. Vor der großflächigen Invasion der Ukraine durch Russland war die Krim de jure glasklar zur Ukraine zu zählen. De facto und in den Köpfen vieler – auch westlicher – Politiker galt sie aber bereits an Russland verloren. Dass mittlerweile zum wiederholten Male über die Zukunft der Halbinsel debattiert – und eines Tages vielleicht gar verhandelt – wird, kann dem Machthaber im Kreml nicht schmecken.
Da kann man dem Standard gerne und leicht weiter helfen. Die Entfernung zwischen Robotyne und der Kertschbrücke beträgt 234km und diese ist damit in Reichweite der ukrainischen SCALP und Storm Shadow.
Aber man kann das als Standard Redakteur natürlich nicht wissen.
Man solls der Bevölkerung auch nicht zu früh sagen, dass ab jetzt zwei Millionen “Gehirngewaschene Leute und ihre Gehirngewaschenen Kinder” auf der Krim terrorisiert werden sollen, weil der Herr Selenskyj sich jetzt endlich “überlegt hat was mit ihnen passieren soll”.
Heute im letzten Absatz eines Artikels im Standard wärs vielleicht ein guter Zeitpunkt “Kiew wird versuchen, die Russen auf der Krim, denen Putin Sicherheit versprach, zu verunsichern und zu terrorisieren” auszusprechen…
Diese Gesellschaft ist das absolut grotesk, abartigst Allerletzte.
Aber gut dass der Standard noch vor zwei Monaten gegen jegliche Friedensinitiativen interveniert und ganze Gipfel öffentlich diskreditiert hat. (1|2|3)
Diese Gesellschaft ist das absolut grotesk, abartigst Allerletzte.
Reverse false equivalency, biased NGOs as media outlets, and letting future journalists believe in morally good and bad sides in war reporting.
Und das bei Reuters. Oder - zu was Bellingcat eigentlich gut ist.
Das “problem with false equivalency reporting” das der “Lead russian investigator” bei Belingcat ausgemacht haben will - schlägt sehr schnell in ein “die komplette Deutschsprachige Medienlandschaft hat die Öffentlichkeit seit Kriegsbeginn mit Erfolgspropaganda und Durchhalteparolen gefüttert und musste jetzt auf “auch ein Misserfolg ist ein Erfolg, denn die Ukraine hat ja gesagt, dass es nicht schnell gehen würde”” umstellen.
Und anders lief hier auch die Recherche und das daran anschließende Reporting nicht.
Einfach noch mal den vorherigen Satz lesen, sollte verständlich sein.
Also da ist die offizielle reporting Linie: Selbst Niederlagen werden zu temporären Umsetzungsschwächen, wenn du nur stark genug an Gut und Böse Kategorien in Kriegen glaubst.
Und das messaging bei Belingcat ist voll damit.
Sie selbst betreiben offen Propagandaaktionen (informieren russische Mütter über den Tod ihrer Söhne), aber mit dem Pathos es tun zu wollen, um die Wahrheit zu zeigen. Problem - keiner dort macht Rezeptionsanalyse. Was wenn die russischen Mütter das als Eingriff in ihre Intimsphäre werten, wenn ihnen ein Belingcat Analyst am Telefon mitteilt, dass ihre Söhne gestorben sind - dann führt das zum gegenteiligen Effekt. Und wie kompensieren? Wenn man hier das Schema von neutralem Reporting verlässt, und aktiv in den “wir wollen einen Regierungsumsturz erreichen” Aktivismus geht - ist man eben keine unabhängige Quelle mehr.
Und hier kommt der Gag. Journalismus hat sich vorzunehmen “impartial” zu sein, da das Selbstverständnis der arbeitenden Leute in einem Medium dann diesbezüglich zur Kontrollfunktion wird. Also aller die über einen Artikel vor einer Veröffentlichung drüber schauen.
Wenn der Anspruch nicht mehr da ist über “die Böse Seite im Krieg” zu berichten, weil man als Journalismus “false Equivalency” behauptet, endet man in endlosen, und nach einiger Zeit nutzlosen Moralstatements, die dann irgendwann einmal nicht mehr korrekt begründet sind, und dann sucht man sich Hintertüren wie “die Ukraine wollte in der aktuellen Offensive vor allem ihre Soldaten schonen”. (Und die US wollten es aktuell nicht. Laut NYT die Ukraine hat die falsche Taktik eingesetzt Narrativ der letzten Woche.)
Journalismus ist am Ende nie impartial. Aber wenn Redaktionen den Anspruch aufgeben, ist das Ergebnis über die Zeit deutlich schlechter.
Ich kann über Bellingcat selbst zu wenig sagen. ich weiß dass dort vor allem ehemalige US Analysten zuarbeiten, dass die Ausrichtung pro westlich ist - das wars im Grunde.
Aber wenn ich mir ein Jahr nach Veröffentlichung die Videokonferenz mit dem Bellingcat Repräsentanten anschaue zu der Reuters ihre neuen Auszubildenden eingeladen hat, dann mache ich mir doch Sorgen um Reuters.
Der erste “BS” Filter schlägt beim Üblichen an. Wir sind super, wir sind toll, wir digitalisieren, weil wir haben Datenbank, das ist die Zukunft und war früher nicht möglich - und ist digital, und wir brauchen mehr von uns, weil wir sind nur ein kleines Team. Elevator Pitch vor Journalisten? Du willst dass der Sektor in dem du was bist wächst?! Nein…!
Die Besorgnis kommt dann bei “unbiased braucht niemand”. Eben doch, in der Selbswahrnehmung einer Redaktion, als Korrektiv.
Und der Rest ist einfach eine Evaluation welches der Themen das der Belingcat “Russia Investigator” vor einem Jahr als toll, neu und wichtig - interessant, oder wesentlich benannt hat, heute noch wesentlich ist. Und die Antwort ist keines. Also ich glaube tatsächlich - nicht eines der genannten Themen hat noch Bedeutung…
Und dafür ist die Dame aus der Reuters Abteilung Nachwuchsförderung etwas zu sehr auf “unsere Journalistenschüler haben viel von ihnen gelernt, für viele war das wahrscheinlich sogar ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben, passen sie gut auf sich auf, wir können ihnen im Moment leider nicht mehr helfen” gebürstet.
Etwas kritische Distanz hätte geholfen.
Selbiges übrigens bei UN Institutionen, wenn der Anspruch nicht mehr besteht impartial zu Arbeiten ist es nicht mehr weit bis zum ersten Fehler und der Rechtfertigung, aber wir helfen doch den Guten.
Es gibt eben einen Grund, weshalb wir im Journalismus immer noch lieber Amnesty International zitieren, als Beingcat. 🙂
Und wenn der noch einmal Digitalisierung sagt, falle ich um. Oder Geschichten von den vielen Hackern, erzählt die sie zuvor gehackt haben, aber ihnen jetzt helfen, weil sie gesehen haben, dass der Krieg falsch ist… Und was ist in zwei Jahren? Oder in sieben, wenn der Glaube an die moralische Verpflichtung nachlässt? Dann steht man immer noch auf der vermeintlichen Seite des Guten, nur die Freiwillingen sind nicht mehr da. Und die Aufmerksamkeit auch nicht. Und sogar die Reuters Journalismus Schüler auf Schulausflug werden weniger…
edit: Ah und einmal lügt er auch in einer Sache die mir wichtig ist. Angeblich betreibe die Ukraine nur “accentuating” Propaganda.
Das heißt sie verstärke nur das negative Messaging für den Gegner.
Und das ist einfach nicht wie Propaganda funktioniert. Es impliziert, dass wenns gut läuft man eigentlich nichts macht und einfach den Zufall und die gute Laune für sich arbeiten und das Messaging verbreiten lässt. Und nein, das ist nicht was Propaganda macht. 😉
Vielleicht sollte halt hier doch noch mal jemand einen Blick auf die Handler der Journalisten bei den Kriegsreportagen werfen die die Ukraine produziert. Die mit den Abzeichen des Polizei Hauptquatiers der Donezk Region auf der Jacke, die dann in einem Krankenhaus an der Front in Mariupol das Internet bewachen. In den letzten Tagen von Mariupol.
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