oder einem Gremium.
Was hab ich gelacht.
oder einem Gremium.
Was hab ich gelacht.
Am 24. März schreibt der Standard noch in alter Gewohnheit Project Syndicate Artikel ab (click) - und dann gleich noch vom ECFR Direktor, in dem der eine neue Philosophie und das Agieren politischer und gesellschaftlicher Akteure fordert um die Bevölkerung aber so richtig in den Zeitenwandel zu überführen (da stand vorher ein anderes Wort) -- mit Unterpunkt:
Außerdem steht eine neue Debatte über Militärbasen und Atomwaffen an, die Europas Aufmerksamkeit (und vermutlich Ressourcen) von ihrem globalen multilateralen Engagement abziehen wird.
Geframt als “Und er stellt vier Fragen, die die Politik lösen muss.”
Und das hast du nicht gesehen, weniger als zwei Wochen später zeigt schon das US Militär Interesse - na sag amol - des war wohl schon wieder diese freie Demokratische Grundordnung, von der ich neuerdings so viel höre.
US-Militär für dauerhafte Stützpunkte an NATO-Ostflanke
Infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat sich die Führung des US-Militärs für die Einrichtung permanenter US-Stützpunkte in den osteuropäischen Nato-Staaten ausgesprochen. Er würde dazu raten, dauerhafte Stützpunkte einzurichten, die dann von zeitweise entsandten US-Soldaten genutzt werden könnten, sagte Generalstabschef Mark Milley im US-Kongress.Damit habe man die Vorteile einer permanenten Militärpräsenz ohne gewisse Nachteile wie zum Beispiel die Notwendigkeit des Nachzugs von Familien, deren Unterbringung und den Bedarf für Schulen zu haben. Russland lehnt eine permanente Stationierung von Nato-Kampftruppen in den osteuropäischen Staaten unter Berufung auf ein Abkommen aus den 1990er-Jahren strikt ab.
Seit Anfang dieses Jahres haben US-Streitkräfte ihre Militärpräsenz in den östlichen Nato-Staaten wegen des Ukraine-Konflikts allerdings bereits deutlich ausgebaut - pro forma handelt es sich dabei aber vor allem um zeitlich begrenzte Einsätze, keine permanente Stationierung.
src: click
Aber immerhin, Biden macht wieder Weltpolitik. edit: Es sei denn es ist ein Druckmittel um offensive Waffenlieferungen im Nato Verbund durchzusetzen.
“Today we’re dramatically escalating the financial shock by imposing full blocking sanctions on Russia’s largest financial institution, Sberbank, and its largest private bank, Alfa Bank,” a senior administration official briefing reporters said.
Sberbank holds nearly one-third of Russia’s total banking sector assets, the official noted, adding that the US has now fully blocked “more than two-thirds of the Russian banking sector.”Second, the senior official announced, “In alignment with the G7 and the EU, we’re announcing a ban on new investment in Russia.” That will be implemented with an executive order signed by US President Joe Biden.
The United States won’t participate in G20 meetings that Russia is participating in, US Treasury Secretary Janet Yellen said Wednesday.
Speaking at the House Financial Services Committee, Yellen said she’d made that position clear to other finance ministers in the group.
src: click
Prevent USD from entering the russian economy, then (as the US) refrain from participating in G20 meetings for als long as the entire world (G20) doesnt shun russia.
Oh, and its not true anymore, that no one thinks that the Ukraine can win - the Pentagon now insists, that thats possible - in a war on which it is impossible to gage how long it will take:
Pentagon: “impossible” to know how long the war will go on, but Ukraine can win
[…]
The US Defense Department says it’s “impossible” to know how long the war in Ukraine will go on if not ended through diplomacy, but that Ukraine “of course” can win the war.
[…]
“Mariupol is still not taken. He’s moved his forces out of Kyiv. He’s moved his forces out of Chernihiv. They haven’t taken Kharkiv. They haven’t taken Mykolaiv in the south,” Kirby said. “So I think the proof is literally in the outcomes that you’re seeing every day.
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Good news on Mariupol still not being taken, by the way - the city is now officially unrecoverable as an infrastructure: click
You can gage the unity of western positions by the fact, that the Atlantic council thinks, the Ukraine needs more heavy weoponry, or the war will be over soon, the High Representative of the Union for Foreign Affairs and Security Policy Josep Borrell is still in favor of ending the war soon but not at all costs, and the Ukrainian government was literally telling the world for the first five weeks of the war, that for it to enter into high level peace talks all russian troops have to vanish from the Ukraine territory in the borders of 1991, and then refrained to “at least in the borders before February 22nd on US TV (CBS afair)” which then nobody cared to clarify what that would mean, while then stating they would need heavy weapons to drive the russians out entirely - or at least push them back significantly in the east, always while stating, that peace talks are under way of course. Oh, and that the chairman of the US Joint Chiefs of Staff thinks that the conflict will at least last several more years.
You see, with a unity of western positions as pronounced as this, one would think that an informed observer should be able to gage what the goals for entering meaningful peace talks would be in this scenario, before shipping in more tanks into Ukraine, as they would of course only be used in a defensive capacity, or that they at least would help to shorten the war in any meaningful sense but now that “winning” is on the table again, the Ukraine government can state more often, that it is interested in peacetalks again. While the Pentagon “doesnt know” how long the war will last. In front of congress statements like “at least three years” are uttered, and Borrell mentions, that we should end the war as soon as possible, but not at all costs. While a limited escalation will reduce the long term costs of war of course.
Measured in bloody gummy bears I think. Or world hunger.
One of the single greatest aspects about uttering that your opponent only understands displays of military power? It tilts any game theory configuration so far into the “self interested entity” range, that all responses become possible - while all of a sudden, you are playing a zero sum game. But Ukrainians could be winning though!
edit: Exclusion from the UN Human Rights Council. src: click
jetzt wollen die immer noch keine Panzer in die Ukraine liefern, oder deutschen Unternehmen erlauben weitere Angriffswaffen für die Ukraine zu produzieren/exportieren, wo doch Mark Leonard
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über Project Syndicate (der Standard schreibt wieder ab), die Losung für die Politiker in der EU ausgegeben hat!
Und das Atlantic Council dazu geraten hat “non distinct” “Angriffswaffen” zu fordern, was die Ukraine zwei Tage später übernommen hat.
Da muss jetzt aber mal die CDU Opposition aufstehen, und den Verantwortlichen mal ordentlich Feuer unterm Hintern machen!
Wobei…
Ukraine Quietly Receives Tanks From Czech Republic to Support War Effort
The Czech Republic has been sending old Soviet-designed tanks into Ukraine, providing badly needed heavy weapons to outgunned Ukrainian troops that are battling a much better-equipped Russian invasion force.
src: click
Läuft doch.
Quietly? Naja, man hat diesmal halt die Idee des Atlantic Councils aufgegriffen und nach Angriffswaffen und nicht nach Panzern gefragt, und schon hats funktioniert.
Das ist dann “quietly”.
Weil, der Rest des Arangements war nicht grad *hush**hush* - 01. April übrigens, dh. nach der Proklamation des Atlantic Councils Angriffswaffen zu fordern.
- also in den Medien… Das Höchste der Gefühle ist eine zweistündige Liveschalte ins Europäische Parlament. Den Rest darf sich der geneigte Zuseher selbst zusammenpuzzlen.
Die Position wird von Josep Borrell (Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik) vertreten, die Ansprache beginnt bei 31:15 im Video.
“Der Europäische Rat hat unter der Leitung von Präsident Michell ein par Leitlinien ausgegeben um jetzt zu handeln […]”
Drei Ziele (Paraphrasiert, aber immer noch Zitate der Rede):
- Russland muss von der internationalen Gemeinschaft isoliert werden
- Die internationale Gemeinschaft muss hier geeint werden, in der Verteidigung der Grundrechte, und im Regelwerk der Gesetze. Wir sollten hier keine gespaltene Welt schaffen, durch einen kalten Krieg, wo der Westen gegen zwei Autokraten ist, während es eine Gruppe an aufstrebenden Ländern gibt, die versuchen im Konflikt nicht Partei zu ergreifen - aber, da sollten wir uns nichts vormachen, viele beugen sich der Herrschaft Russlands. In dieser Landschaft hatten wir bisher zwei große diplomatische Siege bei der UN, in der Form von zwei Abstimmungen in denen Russland verurteilt worden ist, und die Menschenrechte in der Ukraine verteidigt worden sind [Anmerkung: Das sind ältere Talkingpoints.] Wir sollten aber weiterhin darauf achten, ob diese Mehrheiten so solide sind. Das erfordert von uns, dass wir die Welt einmal ansehen, wie sie ist [ebenfalls ein Talkingpoint, aber dass der von Borrell kommt, ist (mir zumindest) neu] - um die Gründe für diese Sichtweisen nachvollziehen zu können.
- Was die Verteidigung der Sicherheit anbelangt, hat der Europäische Rat den strategischen Kompass verabschiedet, das ist nun die Möglichkeit unsere Kapazitäten in diesem Bereich aufzustocken. Diese Krise hat ganz klar unsere Schwächen in Punkto Sicherheit und Verteidigung an den Tag gelegt. Von 2008 bis 2014 haben wir abgerüstet. […] Wir haben uns daran gewöhnt uns unter den Schutzschirm der Vereinigten Staaten zu legen, und dachten die Nato würde schon alles richten. Es gibt keine Alternative zur NATO was die territoriale Verteidigung Europas anbelangt, das sollten wir einmal klipp und klar gesagt haben. Aber abgesehen davon müssen wir auch unseren Teil hier leisten und unsere Verantwortung hier wahrnehmen. Wir müssen diese mangelnde Verantwortung der Europäer hier abstreifen, in punkto Verteidigung und Sicherheit, es wäre ein gravierender Fehler, wenn jetzt alle Länder ihre Verteidigungsausgaben im Verhältnis dazu aufstocken würden was sie jetzt schon haben, das wäre doch eine schreckliche Verschwendung! Denn wir würden dann eigentlich nur die jetzigen Doppelungen nur verstärken. [Es folgen die Werbe Keyfacts für den “strategischen Kompass” (Koordination)][…]
So weit so fade… aber jetzt kommt der interessante Teil.
“Vor ein paar wenigen Tagen hat mir [unverständlich] gesagt, dass wir den Krieg sehr schnell beenden müssen, und das Beste wäre, dass wir aufhören sollten die Ukraine zu bewaffnen. Ja wir müssen den Krieg in der Ukraine so schnell wie möglich beenden, aber wenn der Krieg beendet sein wird, wie wird der Krieg denn beendet werden? So schnell wie möglich ja - aber nicht egal wie! Es ist wichtig wie dieser Krieg zu Ende geführt wird. Denn wenn dieser Krieg zu einem zerstörten und beherrschten Land führt, das territorial zerstückelt ist, mit Millionen von Flüchtlingen und Tausenden von Toten - nein, wir möchten nicht, dass der Krieg so zu Ende geführt wird. Und damit es nicht soweit kommt, müssen wir auch weiterhin die Ukraine unterstützen. Wir wollen nicht, dass der Krieg so beendet wird. Zwar so schnell wie möglich, aber nicht egal wie. Und deshalb müssen wir auch weiterhin die Ukraine bewaffnen und aufrüsten, da brauchen wir weniger Applaus, aber mehr Hilfe. Wir müssen weniger oft sagen “die Ukraine ist ein Held”, nein, die Ukraine braucht mehr Waffen. Das erwarten die Ukrainer, und das machen wir auch, aber das müssen wir weiter machen und schneller. Wir müssen Druck auf Russland ausüben und wir müssen die Ukraine weiter bewaffnen. Wir müssen die Ukraine in ihrer Verteidigung unterstützen, und den Angreifer mit all unseren Möglichkeiten ausbremsen. Wir haben eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, das hört sich vielleicht viel an, aber das zahlen wir tagtäglich Putin für die Energie die er uns liefert. Seit Ausbruch des Krieges haben wir ihnen 35 Milliarden Euro gegeben. Vergleichen sie das einmal mit den Milliarden die wir den Ukrainern für die Bewaffnung gegeben haben. Dieser eklatante Unterschied zeigt doch die Notwendigkeit, dass das was der Europäische Rat uns aufgegeben hat, dass die Energieabhängigkeit reduziert wird, und da wird die Kommission sicherlich führend auftreten, und auch die notwendigen Maßnahmen dafür ergreifen. Heute ist ein Stopp für die Kohle ausgesprochen worden, aber das ist nur ein Bruchteil der Rechnung - unsere Unabhängigkeit läuft über die Schiene der erneuerbaren Energieträger und die Geopolitik und der Klimawandel geben sich da bei einem gemeinsamen Ziel die Hand. Ich möchte dann noch einen Gedanken aussprechen, der für mich wesentlich ist. Wir Europäer müssen uns der Welt bewußt werden in der wir leben. Wir machen 5% der Weltbevölkerung aus 5% der Weltbevölkerung, aber nach dem letzten großen Krieg waren wir 25%. Wir sind von einem Kreis von Instabilität von Gibraltar bis zum Kaukasus umringt, mit einer Bevölkerung die zweimal jünger ist, als wir in der EU. Wir hängen sehr stark von Energielieferungen ab. Arm, alt und abhängig, das ist kein tolles Rezept für die Zukunft. Wir müssen uns verjüngen, wir müssen unseren Einflussbereich ausbauen, wir brauchen mehr Kapazitäten um unsere Grundsätze, unsere Werte zu verteidigen. Und wir müssen hier auch alle Mittel in die Hand nehmen, um unseren Einfluss in der Welt geltend zu machen. Und das koordiniert zwischen denen die die Mitgliedsstaaten vertreten und denen die die Kommission vertreten. Zum Glück haben wir die Europäische Union, wenn wir die Europäische Union nicht hätten, dann müssten wir sie erfinden. Denn was würden denn die europäischen mitgliedsstaaten tun, wenn sie heute allein dastehen würden? Was würde denn das größte Land tun, auch das mächtigste Land, wenn es sich jetzt hier der neuen Welt stellen müsste, die nun aufbricht? Unsere Einheit, die Einheit der Europäer, dass wir da gestalten, das ist praktisch der Kompass [Gott], der uns leitet um das zu verteidigen, was wir sind, die beste Verbindung der politischen Freiheit, wirtschaftlicher Wohlstand und sozialer Zusammenhalt, die wir der Welt geben wollen, und das ist heute gefährdet. Aber wir Europäer werden das verteidigen können.”
Kurze Anmerkung: Fickt euch. Für den parareligiösen Pathos. (Und ja mir sind alle Abhängigkeiten bewußt, von Gibraltar bis zu 5% der Weltbevölkerung.)
Vollziehen wir noch mal nach wie die Talking Points hier zu Borrell gewandert sind.
24. März 2022: Der Standard schreibt wieder mal Project Syndicate ab - und zwar spezifisch einen Kommentar von Mark Leonard, Direktor des European Council on Foreign Relations (Partizipient im ECFR für Österreich: Treichl, Alpbach, liebe Grüße…), der dort publiziert. Leonhard fordert eine eher bilaterale Weltordnung, eine Einstimmung der Bevölkerung auf längeren Krieg und längere Aufrüstung, Aufbau wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Resilienz (’s scheppert, bei fortschreitender Verarmung, also jetzt alle lustig miteinender auf niedrigerem Niveau, außerdem Europa der zwei Geschwindikeit, keine Vollmitgliedschaft mehr for you -), eine Philosopie für das gemeine Volk das das aufgedrückt bekommen muss, und Politiker die sich jetzt mit Pathos in die Bresche werfen müssen, damit die Bevölkerung das frisst.
31. März 2022: Das Atlantic Council arbeitet die Position aus, dass die Ukraine jetzt mehr Offensivwaffen braucht um nen langen war of attrition führen zu können und zwar schnell, sonst ist der Krieg bald vorbei.
02. April 20222: Selensikyjs Politberater übernehmen die Position des Atlantic Council ändern aber das warum in “um Putin ganz aus der Ukraine zu vertreiben!” um. Was ihnen eh keiner glaubt.
03. April 2022: Volkerrechtler Ralph Janík (aufgewachsen in Alpbach nahen Thinktanks) ist sich nicht zu blöd die Polemik zu schreiben, dies braucht um die Positionen von Franzobel und David Precht bezüglich des Ukraine Kriegs aus dem öffentlichen Diskurs zu eleminieren. Tragbare Argumente hat er keine, aber was solls, er muss nur Behauptungen zu Epistemen deklarieren, und Journalismus klatscht nicht nur, er hofiert ihn. Wichtiger Nebenaspekt, damit ist der Öffentliche Diskurs erstmalig auf der Position in der er mit Josep Borrells Rede heute zusammenfällt. (Mehr Krieg und mehr Waffen, nach dem Papstbesuch.)
06. April 2022: Josep Borrell übernimmt in einer öffentlichen Rede die Position des Atlantic Councils. (Dieser Beitrag.) Mit Abänderungen in zwei Punkten.
- Lieber doch keine bilaterale Welt, lieber multilateral (Oho, die EU lebt!)
- Und zwei kleinen Anmerkungen wie sehr man von der US (Atlantic Council) in Punkto Sicherheitsordnung abhängig ist (“Sicherheitsordnung in Europa ohne US als tragendes Element der NATO undenkbar”, “Gibraltar und Kaukasus”)
Und bestätigt dann noch nebenbei, dass die EU jetzt so lange aufrüsten würde wie notwendig um ein Szenario Ukraine als failed state zu vermeiden, beispielsweise, da Russland ihr den Meereszugang nimmt. Mangels exakter Definition des Ziels kanns noch länger dauern, aber das ist ja durchaus im Sinne aller Beteiligten.
Aber nicht ohne dann noch den Kompass rhetorisch zum göttlichen Ideal zu verklären, der unsere Werte in die Zukunft trägt, und unsere Kinder noch existenzfähig macht, womit auch das Propaganda Ansinnen des ECFR abgedeckt ist.
Exzellent. In den Medien würd ichs halt gern mal lesen… Also dass das die Position der EU Außen- und Sicherheitspolitikbeauftragten ist. Naja, morgen dann…
edit: 04. April 2022: Narval himmelt Bürgerräte deren Budget zu 30% aus “für PR Ausgaben” besteht als neue Formen für Entscheidungsfindung (Resilienz!!1!11!) an.
Und spart den Aspekt (dass das die letzten Pressemeldungen zu dem Konzept waren) im Artikel praktischerweise gleich ganz aus, er braucht das Setup für eine andere Schlussfolgerung. Aber gut, wer hört schon auf den…
Das BBC Video zeigt eine gemanagte Tour der BBC ins gebiet des Grauens - mit einem eigens abgestellten Presseberater der bereits vor dem Eintreffen in Butscha hilfreiche Tipps gibt, wie die zerstörten Panzer auszulegen seien (“Zeichen, dass die Ukraine gewinnen kann”.)
In Butscha selbst werden im BBC Video Leichen gezeigt (Voiceover: Mindestens 20 in den Straßen), einige davon laut dem Kommentar mit zusammengebundenen Händen und Schussverletzungen im Kopf.
Die wichtigste Bildquelle (neben einem youtube Video das unter dem Twitter posting der BBC verlinkt wurde und im google Suchindex einen weiteren Eintrag aufweist, dafür aber bereits mit Klaviermusik unterlegt wurde (edit: Das ZDF zeigt das mit Klaviermusik unterlegte Video am 03.04. im Hauptabend, mit entfernter Tonspur. Dem wird eine Quellenprüfung vorangegangen sein. (edit: Die ARD hat ihren Prüfungsprozess veröffentlicht.))) sind Photos der ukrainischen Regierung (hier im Paket zu sehen).
Laut Aussagen der ukrainischen Seite sind die Bilder das Resultat von Gräultaten die bereits länger zurückliegen, sowie des direkten, übereilten Abzugs aus Butscha. (“both”)
Laut Aussagen Kulebas wurden “Safaris auf Menschen” veranstaltet. Zivilisten während des Rückzugs getötet. Frauen vergewaltigt. Menschen gefoltert. Massengräber gefunden.
Laut den Aussagen eines Ukrainischen Regierungsmitglieds, wurden Folterräume entdeckt.
Laut Aussagen des Bürgermeisters von Butscha habe das russische Militär “vor dem Abzug alle Männer im Alter von 16-60 zusammengetrieben und getötet”, in zwei (?) entdeckten Massengräbern werden bis zu 300 Leichen vermutet. Dem BBC Journalisten in Butscha wurde davon nichts erzählt.
CNN hatte eine Crew vor Ort die in den Massengräbern “mehr as ein dutzend Leichen in Bodybags” gesehen hat.
Ihr wurden von Anwohnern erzählt, dass mehr als 150 Leichen in dem einen Massengrab zu finden sein.
Gegenbehauptungen Russlands - via Tass:
Es wurden keine zivilen Opfer in Butscha gemeldet als die Stadt von der Russischen Armee kontrolliert wurde, US Medien hätten “the Ukrainian military’s shelling of the city” ignoriert, das dem Abzug der russischen Truppen nachgefolgt sei. Die Anschuldigungen von Kriegsverbrechen werden in vollem Umfang zurückgewiesen.
Die russischen Truppen hätten Butscha am 30. März verlassen, der Bürgermeister von Butscha hätte am 31. März in einer Videoansprache bestätigt, dass sich keine russischen Truppen mehr in Butscha befinden, aber kein Wort über Zivilisten, die in den Straßen erschossen worden wären erwähnt.
Die ukrainische Führung hätte drei Tage nichts gesagt, und käme jetzt mit “sensationalistischem Videomaterial” an die Öffentlichkeit um Russlands image zu beflecken.
Satellitenbilder von Maxar Technologies bestätigen einen beginnenden Aushub eines der Massengräber hinter der Kirche in Butscha am 10. März.
Laut UNO Berichten sind bisher 1.417 Todesfälle von Zivilisten in der Ukraine bestätigt - die meisten davon durch den Einsatz von Explosivwaffen mit großer Reichweite, sowie durch den Beschuss mit schwerer Artillerie, Raketenwerfern, sowie durch Luftangriffe.
(Kein Kontext zu Butscha - nur Hintergrund.)
Der Standard verbreitet anstatt den diplomatischen Stellungnahmen Russlands (über TASS) lieber hoch emotionalisierte, aber sehr kurze, Ausschnitte daraus was die Sprecherin des russischen Außenministeriums im Hauptabend im russischen Staatsfernsehen darüber sagt.
“Wer sind die Meister der Provokation? Natürlich die USA und die Nato”, sagte Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa am späten Sonntagabend in einem Interview im Staatsfernsehen. Sacharowa sagte, der sofortige westliche Aufschrei über die Bilder von toten Zivilisten zeige, dass die Geschichte Teil eines Plans gewesen sei, Russlands Ruf zu beschmutzen. “In diesem Fall scheint mir, dass die Tatsache, dass diese Aussagen über Russland in den ersten Minuten nach dem Erscheinen dieser Materialien gemacht wurden, keinen Zweifel daran lässt, wer diese Geschichte befohlen hat.“
src: click
Da muss man sich dann (mangels Kontext der russischen Behauptungen) auch nicht mehr darüber sorgen, wie die öffentliche Reaktion ausfällt.
Vor 15 Minuten berichtet die Ukraine bereits von über 340 in Butscha geborgenen Leichen (der Außenminister hatte angekündigt, dass man Zeit brauche alle zu finden, was nachvollziehbar scheint).
Und Selenskyj ist mit dem Spruch des Tages zur Stelle:
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert die deutsche Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy auf, nach Butscha zu kommen, um das “Resultat von 14 Jahren Zugeständnissen an Moskau” zu sehen.
src: click edit: Phoenix hat den O-Ton: click
Sehr klare Hinweise auf Kriegsverbrechen in Butscha sehen Macron, Scholz, und bereits Tage zuvor bereits der Präsident des Europäischen Rates (Charles Michel), um eine unabhängige Untersuchung der Sachlage seitens der UN wird derzeit (auch von der Ukraine) noch öffentlich ersucht.
Butscha war bereits Anfang März einer der am schwersten umkämpften Orte im Norden Kiews. Hier eine Meldung vom 09.03.
Am 07.03. war Butscha noch hart umkämpft - am 10.03. wurde das erste Massengrab in der Nähe der Kirche angelegt.
Hintergrund: Der Abzug russischer Truppen aus dem Norden Kiews war, so kolportiert, in der russischen Führung intern hoch umstritten (siehe: click) und ein Verhandlungs-“Zugeständnis” des russischen Unterhändlers Wladimir Medinski. Der Teil der Ukrainischen Erzählung der darauf gefolgt ist war, dass die Ukraine durch schnelles militärisches Eingreifen mehrere Siedlungen im Norden Kiews “erobert hätte” - impliziert, damit den russischen Abzug beschleunigt hätte, dadurch sei den russischen Truppen keine Zeit geblieben Beweise für Kriegsverbrechen zu vernichten, aber in Butscha seien eben auch Leute am Straßenrand beim Abzug aus der Stadt hinaus mit hinter dem Rücken gefesselten Händen erschossen worden. Um das in Frage zu stellen wurde von Russland über Tass verlautbart, dass der Rückzug Aus Butscha bereits am 30. März abgeschlossen war.
Ich nehme an, dadurch das alles in dieser Reihung zu listen, bin ich jetzt als Person für niemanden mehr tragbar, und muss als vogelfrei gelten, oder wahlweise als Aussätziger behandelt werden. Hoffe aber trotzdem, dass das nicht eintritt.
edit: Nachtrag: Die Dinge entwickeln sich gerade schnell:
Nach dem Massaker im Kiewer Vorort Butscha wird Italien kein Veto gegen ein fünftes Sanktionspaket gegen Russland einlegen. Dies betonte der italienische Außenminister Luigi Di Maio im Interview mit RAI 3 am Sonntagabend. “Dieses Massaker wird alles beschleunigen und zu weiteren Sanktionen gegen Moskau führen”, sagte Di Maio.
src: click
Morawiecki: Deutschland ist größtes Hindernis gegen härtere Russland-Sanktionen
Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte soeben, dass Deutschland das größte Hindernis bei der Verhängung härterer Sanktionen gegen Russland sei.
src: click
edit2: Es gibt jetzt auch einen ersten Augenzeugenbericht aus dem polnischen Fernsehen. src: click (Originalquelle: click, Hintergrund zum Kanal: click, Hintergrund zum Sender: click)
Am 7. März, als Butscha noch stark umkämpft war, seien “andere russische Soldaten” in den Luftschutzbunker gekommen, in dem auch der Interviewte untergekommen ist, und hätten begonnen Leute hinzurichten, die am Donbas Einsatz zwischen 2014 und 2018 teilgenommen haben, und Nazi - oder nationalistische (Ukraine) Tätowierungen und Symbole am Körper hatten. Dann hätten diese anderen russischen Soldaten den Interviewten schwer geschlagen.
edit3: Morawiecki vor 20 Minuten (um 11:30):
Als wäre die Situation nicht verfahren und schlimm genug, bahnt sich jetzt auch noch ein Streit zwischen Polen und Frankreich an: Ministerpräsident Mateusz Morawiecki lässt kein gutes Haar am wahlkämpfenden Präsidenten Emmanuel Macron. “Wie oft haben Sie mit Putin verhandelt und was haben Sie erreicht? Wir diskutieren und verhandeln nicht mit Kriminellen. Kriminelle muss man bekämpfen. Niemand hat mit Hitler verhandelt. Würden Sie auch mit Hitler, Stalin oder Pol Pot verhandeln?
src: click
edit4: (19:30) zdf heute zum Massaker:
edit5: Laut NYT konnten 11 Leichen über Sattelitenbilder an deren Standort seit dem 11. März lokalisiert werden. src: click
edit6: Der Standard hat weitere Informationen der BBC und bellingcat zusammengetragen: click
Nur weil mich die Argumentation nervt -
Beide impliziten Vorwürfe – einerseits dass die Menschen in Wahrheit von ukrainischen Truppen ermordet worden seien, andererseits dass es sich um eine “Videoproduktion”, also eine gestellte Szene, handle, können jedenfalls nur schwer gleichzeitig wahr sein.
Das ist in der internen Logik des Arguments falsch. Ich mach hier nur die theoretische Betrachtung auf, ohne dass ich daran glaube -- Ukraine setzt bei Abzug der russischen Truppen den Ort unter Granatenbeschuss, und produziert danach eine andere Szenerie. Dem entgegen steht, dass mehrere Leichen bereits seit dem 11. und seit dem 21. März auf Satellitenbildern nachweisbar sind, und ggf. auch der Zustand einiger Leichen (Verwesungsgrad) mit Todesmerkmalen die auf Hinrichtungen oder Folter schließen lassen. Aber dafür braucht es eben Forensik (die aktuell arbeitet und dokumentiert), nicht wieder einen Journalisten, der ein Narrativ malt, dass sich die Russen in ihren Pressestatements selbst widersprechen würden. Da sind wir wieder bei PR und nicht bei Journalismus.
edit7: The UN security council held a meeting on Bucha yesterday. Zelenskyy did hold a speech there - which was described by NPR as very emotional - although it was prewritten. The speech contained a few embezzlements, bunching more atrocities russian troops have caused during the war elsewhere together, for instance - people in cars being run over by tanks, as far as I know (I could be wrong, but I’ve screened the information coming out of Bucha carefully), no such incident was reported taking place in Bucha, although there were reports of people having been run over by tanks in the streets (after (?) they’ve been killed).
The entire speech also was written to somewhat sideline Bucha as the main focus the security council should take, when looking at warcrimes in the Ukraine, it was promoted to only be one example out of many. Then the probably strangest section of the speech unfolded, where Zelenskyy prefaced, that the Ukraine would already know what russia would tell the security council in defense of the Bucha case, namely - that “it would be impossible to confirm only one version of what had happened, because there would be several ones, and that they would tell the security council, that they had removed the bodies [at one point]” - “but because of satellite images, it would now be possible to prove what took place”. I cant vouch for the translator in that case, this could be a mistranslation - but it was, what was stated by Zelenskyy in that speech. Zelenskyy then went on to suggest a restructuring of the global security order to take place in meetings in “peaceful Kyiv”, added an ultimatum, that the security council had two options, either to stop russia from being able to engage in wars, or sieze to exist as a functioning organization, and ended with a video package [preproduced video] or would have, if the security council would have been able to play back/find the video.
Thats where the C-SPAN youtube clip ends.
I have yet to screen the full length video of the security council meeting.
Thanks to other news sources, we know, that that video was played eventually -- and we get the context, that russia - so far - has not produced “empirical evidence” to the security council (nor attempted to), even though Vasily Nenemzya suggested on April 4th that russia would.
That - in my opinion, weighs stronger than potentially strange pretext in the Zelenskyy speech.
I’m also adding a link to a news source, showing a satellite image of March 19th where seven dark objects, presumably bodies, can be seen in the streets, that “exactly match the location where civilian corpses were later discovered by Ukrainian troops”. Russia had full control over Bucha on March 19th.
-
And now I’m off screening the full length version of yesterdays UN security council meeting.
edit: First point of interest, before the meeting started, the russian representative complained, that two initiatives to hold security council meetings on the topic of Bucha, brought forward by russia, were ignored, and stated hopes, that this would not happen in the future. The chair of the council responded, that they had not be ignored, but that the council had received them late, and then had provided russia with the chance, to either hold those meetings on the same day as the Zelenskyy meeting, or after (?) the Zelenskyy speech yesterday as part of the same meeting, which the russians declined. Russia responded, that it hopes, that the security council in the future would not deny requests on meetings anymore (“as russia hadn’t done, when they had the presidency in the days prior”), and that they had evidence, that the papers were submitted earlier. - So basically, russia wanted the chance, to speak first in front of the security council (and the world), was denied twice to do so (because the papers arrived late), then was given the chance to hold the meeting on the same day as the Zelenskyy speech, which they declined, to dig up/produce more dirt in response to the Zelenskyy speech held. Which you do. edit: see also: click
This explains, at least somewhat, why no “empirical evidence” has been presented by russia so far - even though they have suggested the would present evidence.
last edit:
Während der Deutsche Bundestag sich wieder in sinnlosen Tiraden gegen den Wahnsinnigen übt, der der hinter dem allen steckt, und wieder Menschen basierend darauf denunziert woran sie glauben, während wir alle diese schrecklichen Bilder gesehen haben -- postet Democracy Now ein Video mit eine Washington Post Korrespondenten der Reportagen über mehrere kleinere Dörfer gemacht hat, und erreicht mehr - als das komplette aufgesetzte Leiden und öffentliche Imprinting des gesamten Politestablishments zusammen. Zumindest bei mir.
Komisch - es ist fast so als würde unabhängiger Journalismus hier eine Funktion erfüllen.
Aber gut, wenn die Mitzitante jetzt noch schnell mit einem Denunziationsritus gegen das Böse, von Leuten mit Machtsymbolen im Hintergrund, auf die richtige Seite gebracht werden muss, gibts dafür jetzt auch Reden aus dem Bundestag.
Oh - und in den US spricht man im Kongress in Punkto wahrscheinlicher Kriegsdauer bereits von mehreren Jahren: click Wenn dieser Putin nicht bereits so überzeugend verloren hätte, man könnte sich glatt fürchten, wie lange der Krieg noch andauert.
edit: Der BND hat Funksprüche abgefangen, die sich einzelnen Leichen zuordnen lassen. src: click (KORREKTUR: Der Spiegel hat sich mittlerweile korrigiert, das sei nicht der Fall, die Fälle seien nicht Butscha zuzuordnen.)
Da können wir ja von Glück reden, dass die Ukraine Pressetouren organisiert hat, sonst hätten wir das ja garnicht herausgefunden…
“Russia is worse than ISIS. Fullstop.”
edit: See also: click
Geht um diesen Kommentar, in dem Ralph Janik, Franzobel und Precht niedermacht - und dabei sophisisch gegen Aspekte argumentiert die nicht Teil der Ursprungsargumentation waren.
Erste Proklamation:
Man dürfe nicht für eine “neutrale Ukraine” argumentieren, da das hoch spekulativ sei. Außerdem dürfe man nicht über ein Ableben Putins spekulieren, da der Krieg in der russischen Bevölkerung Unterstützung genieße und ein ‘Post putinscher’ Frieden alles andere als gewiss sei.
Das Erste ist ne schlichte Lüge - eine neutrale Ukraine ist bereits aktiver Teil des Verhandlungsprozesses und war es seit Wochen. Das Problem ist die Ausgestaltung der Neutralität (Sicherheitsgarantien, weitere Militarisierung der Ukraine, …).
Das Zweite ist ein Pleonasmus. Ein Friede - innerhalb unserer neuen, grandiosen, europäischen Friedensordnung - jetzt neu - in hochgerüsteter, abschreckender, aber auch aktiverer (weiter weg von Europa) Form, ist immer alles andere als gewiss. Der Pleonasmus besteht bereits initial, aber nehmen wir hier die konkrete Ausformung ruhig mit.
Der Standard findet sich an dieser Stelle aber schon einen aufstrebenden Sophisten für ein Kommentar, der dumm genug ist nicht zu merken dass er mit seiner Argumentation andere Möglichkeit eines Kriegsausgangs, die nicht in “komplette Vertreibung der russischen Invasoren” bestehen, zur Gänze ausschließt.
So verblödet kann ich mich garnicht geben, dass mir das nicht noch während des Formulierens auffällt.
Wobei - komplett verblödet kann Ralph Janik auch nicht sein, denn er erwähnt ja dezidiert das Model Afghanistan als ideale Lösungsoption. Mehr dazu am Ende des Beitrags.
Zweite Proklamation:
Franzobels Kommentar, dass er aus Gründen der Gewaltfreiheit für passiven Widerstand, und harte Wirtschaftssanktionen wäre, wäre nicht realistisch.
Gut, hätte ich ebenfalls auseinandergenommen. Der Teil der Kritik geht in Ordnung - wobei der Verweis “autoritäre Staaten weisen eine hohe Sanktionsimmunität auf” wieder einer der verdammten Talkingpoints ist, die ich bereits zum 23 Mal gehört habe -- und im Hinblick darauf, dass wir gesellschaftlich gleichzeitig immer noch stark auf einen Sanktionsmechanismus bauen, wirkt das als Argument - dass man moralisch für einen lange anhaltenden Krieg sein müsse - wirklich gänzlich deplatziert.
Jetzt werden im Falle Franzobels, von Ralph Janik diese beiden Argumente (Sanktionen und Passiver Widerstand) aber nur herangezogen um sie zu widerlegen. Das Hauptargument Franzobels “Zu Kriegsbeginn war ich überzeugt, es wäre klüger, die Ukraine würde kapitulieren, eine Exilregierung bilden, die Bevölkerung zu friedlichem Widerstand aufrufen und mittels internationaler Sanktionen versuchen, Russland zu stoppen. Ich bin es immer noch.” wird davon nicht berührt. Denn hier haben wir es mit einer Abwägungsfrage zu tun. Dh. selbst eine hohe Sanktionsimmunität, wäre hier gegen Leid und verwirktes menschliches Leben gegenzurechnen. Aber genau das ist es was als Betrachtung öffentlich nicht mehr stattfinden darf. In der besten aller möglichen Welten, hat der beste aller möglichen Heldenpräsidenten, die besten aller möglichen Entscheidungen getroffen, um muss jetzt leider noch kurz Russland komplett besiegen, um seine Partner zur Gänze zufriedenzustellen.
Also wird gegen zwei Argumente geschossen, die das Grundargument nicht direkt berühren. Hier die versuchte Widerlegung des Zweiten:
“Ein entscheidender Erfolgsfaktor sind Überläufer aus den Reihen der Armee oder Polizei, die friedliche Proteste nicht gewaltsam niederschlagen wollen. Das lässt sich nicht 1:1 auf Besetzungen fremder Staaten ummünzen. Der russische Truppenabzug aus Afghanistan wurde jedenfalls nicht auf friedlichem Wege herbeigeführt.”
Vom Zeithorizont irgendwann mal in drei Jahren angesiedelt, wenn kein Kriegsrecht mehr ausgerufen ist, und die lokale Polizei wieder Proteste managt. Oder auf Überläufer im Militär setzend.
Wir halten nochmal fest, man dürfe nicht auf gewaltfreien Widerstand setzen, da die Ukraine auf Überläufer aus dem russischen Militär bauen müsse.
Und schon hat man zwei valide Positionen mit komplettem Schwachsinn weggehetzt.
Jetzt muss man aber noch die Öffentlichkeit überzeugen, also lässt man noch ein paar hoch emotionale Kommentare durch, die gegen Intellektuelle hetzen, da diese abseits der Realität [jetzt wird erst nochmal ordentlich weiter gestorben] leben würden.
Die Polen etwa lebten bis vor 30 Jahren (rechnet man die Turbulenzen der Post-Wende-Jahre dazu, bis vor 25 Jahren) in einer Dauerkrise, verbunden mit existentiellen Ängsten und Stress. Ein Teil der Gesellschaft riskierte sein Leben für diverse Ideale. Das machte sie resilienter gegenüber Krisen. Sie sehen diesen Krieg und den Kampf mit ganz anderen Augen als die Westler. Solche Gedanken wie die von linken westlichen Intellektuellen wird man dort vergebens suchen. Und ja, das ist eine realistische Einschätzung. Die Ukraine hat keinen anderen Ausweg als weiter zu kämpfen. Putin versteht nur diese Sprache.
ICH HASSE DIESE GESELLSCHAFT. (Das ist, inklusive der spezifischen Verwendung des Resilienzbegriffes, übrigens die Umsetzung (Operationalisierung) dieser ECFR Forderung die Gesellschaften jetzt dahingehend politisch zu manipulieren ebenfalls für eine lange anhaltende Militarisierung zu sein. Da bekommt grad wer Alpbach Brownie points. (Siehe auch: Ponto Thinktank - Integration in Alpbach))
Fasse aber trotz des immensen, hochkochenden Hasses, nochmal zum einfacheren Verständnis zusammen:
Am 31.03. beginnt der Atlantic Council mit dem Messaging, dass die Ukraine mehr Offensivwaffen fordern solle (non distinct, um keine öffentlichen Diskussionen zu provozieren), um für einen lange anhaltenden Stellungskrieg (jetzt mit prononcierteren Fronten im Osten) gewappnet zu sein.
Am 02.04. greift ein Berater des ukrainischen Präsidenten (Selenskyj ist mittlerweile offenbar nicht mehr die erste Person, wenn es um die öffentliche Darlegung strategischer Positionen geht - Berater und nicht er selbst, haben heute auch bereits die Gräueltaten in Butscha kommentiert) den Talking Point des Atlantic Council auf und fordert nunmehr ebenfalls Angriffswaffen - ohne zu sehr zu spezifizieren (das ist der neue Aspekt), jedoch nicht wie vom Atlantic Council skizziert “um den Krieg weiter zu prolongieren (war of attrition, Afghanistan Model)”, sondern um “weitere Gebiete zurückzuerobern und russische Truppen gänzlich aus der Ukraine zu vertreiben”.
Am 03.04 findet sich der Standard einen aufstrebenden Europarechtler, der fehlargumentiert um ALLE Optionen außer einem vollumfänglichen Sieg der Ukraine und der Vertreibung aller russischer Truppen, als Lösung öffentlich auszuschließen, dabei über die eigenen eingesetzten rhetorischen Mittel stolpert, und nebenbei noch öffentlich gegen Leute mit anderen Positionen hetzt. Da diese nicht tragbar seien, da ja komplett daneben. (Wertung)
Und schlägt, ebenfalls ganz nebenbei, jede Option außer einen lange andauernden Krieg per Definition als Lösungsoption komplett aus - um vollends beim Atlantic Council Standpunkt anzudocken. (Neutralität ist nicht genug, Putin wird abgesetzt ist nicht genug, …)
Will sich dem aber nicht stellen und schiebt noch schnell folgendes Reframing nach:
Daraus folgt keine westliche Kriegsgeilheit, ganz im Gegenteil. Die EU-Mitglieder sind “postheroische Gesellschaften, in denen kriegerische Gewalt und die damit verbundenen Werte keine bedeutenden Werte spielen”, wie es der deutsche Politikwissenschafter Herfried Münkler beschreibt.
Damit aber immer noch nicht genug - sieht er, der Europarechtler, wie das Atlantic Council, dezidiert Afghanistan als Vorbild, wie der Konflikt in der Ukraine gelöst werden müsse.
Standard Kommentatoren, gegen Intellekt, gegen die Wirklichkeit (Neutralität ist ein Verhandlungsgegenstand), gegen die vorgeblichen Ziele der Ukraine (“wollen kein zweites Afghanistan werden”) - aber für die Hetze gegen abweichende Meinungen. Bei gleichzeitigem Andocken an den Atlantic Council.
Wenn auch du wissen willst, welche Meinung du morgen noch aussprechen darfst, lies auch du heute schon die Qualitätszeitung deiner Wahl.
DIESE GESELLSCHAFT IST DAS ALLERLETZTE.
edit: Der Standard ist hier aber selbstredend nicht alleine, die Atlantic Council Talkingpoints [offensive weapons, but used defensively; Ukrainians can and should (morally) win] finden sich heute u.a. auch bei Times Radio (click und click) und anderen.
edit2: Eric Frey fordert jetzt auch mehr Waffen - ist sich aber nicht sicher welche, weil - non distinct. Schwer müssten sie sein..
Dafür werden auch schwere Waffen wie Panzer und Artilleriegeschütze, vielleicht auch Jets, benötigt. Die Massaker an ukrainischen Männern im Kiewer Vorort Butscha zeigen die Dringlichkeit solcher Lieferungen.
edit3: 18.04. Mehr Hetze gegen beteiligte Parteien:
click und click
edit4: 20.04. Ich hab gehört, die Öffentlichkeit will mehr Hetze? click
Ah, das Atlantic Council, hats endlich geschafft bei Selenskyjs Regierungsmanschaft durchzuklingeln - zum Vergleich, das war ihre Position - Stand 31. März: click.
Vor drei Minuten:
Ukrainian presidential adviser calls for heavier weaponry from the West as Russia shifts military focus
[…]
“ ‘Afghanization’ is when there is a strong guerrilla resistance across the country that inflicts heavy losses on the aggressor for many months or even years and thus significantly weakens the power of the occupier’s army,” he said. “Such actions took place during the Soviet Union’s attempt to control Afghanistan: Afghan guerrillas destroyed and weakened the Soviet occupiers for years. As a result, weakened Russia as a whole.”
Podolyak continued, “Some of our partners believed that something similar could happen in today’s Ukraine. The Russians think otherwise. They have established in the east and south and are dictating harsh conditions. So we definitely can’t do without heavy weapons if we want to unblock the east and Kherson and send [back] the Russians as far as possible.”
src: click
Neues Narrativ: Wer keine Offensivwaffen schickt ist ne Pussy. (Was sind eigentlich Offensivwaffen?)
“Our partners must finally understand that the ‘Afghanization’ they want and the long-lasting exhausting conflict for Russia will not happen,” Podolyak said. “Russia will leave all Ukrainian territories except the south and east. And will try to dig in there, put in air defense and sharply reduce the loss of its equipment and personnel.”
Die Ukraine wird gewinnen!
Gut, da ist das Atlantic Council noch anderer Meinung, aber das kannst du als Berater des Präsidenten ja schlecht aussprechen…
Ukraine is currently in desperate need of swift political decisions in Western capitals to provide the country with a wide range of offensive weapons. This is the only measure that can realistically stop Putin in Ukraine. It is futile to expect Ukrainian concessions at the negotiating table to satisfy Russia. Such thinking is actually far more likely to encourage Putin, leading to further acts of international aggression in Ukraine and beyond.
[…]
Putin will pursue these criminal goals until he is stopped. Unless the West provides Ukraine with sufficient weapons in the very near future, there may soon be no Ukraine to defend.
src: click
Regimechange durch einen lange andauernden Aufreibungskrieg, und darauffolgende innenpolitische Konflikte in Russland, oder Tot!
Moment, Putin hat schon verloren, aber der Krieg ist jetzt festgefahren, aber eigentlich nur um Kiev rum, im Osten wird Russland noch mal seine Bemühungen verstärken, und eigentlich ist es nicht akzeptabel, wenn ein Land ein anderes in Europa so spaltet, aber eigentlich hat Putin noch eine Reihe anderer Optionen, aber Russland darf eigentlich nicht gewinnen, aber für die Ukraine reichts schon, wenn sie nicht verliert dann hat Russland verloren und die Ukraine gewonnen, unter Anführungszeichen (in die Kamera gezeigt), und eigentlich ist es möglich, dass Russland Kiev nur angegriffen hat, damit der Westen schluckt, dass Russland nur den Osten der Ukraine bekommt, aber das Wichtigste ist, dass Putin jetzt verliert… Aber eigentlich hat er ja schon verloren.
Ja verdammt, hätte uns doch jemand gesagt, dass wenn wir medial Heldenmythen fahren und noch mehr Leute dazu bewegen hochmotiviert in den Krieg zu ziehen, das auf nen Zermürbungskrieg über viele Jahre hinausläuft, bei dem wir Russland und uns selbst wirtschaftlich in einer loose loose Situation langfristig schaden, den Leuten in der Ukraine auf Dauer am meisten Leid zufügen und dass Russland eigentlich alle Optionen offen hat, Landgewinne zum Sieg zu erklären, oder nicht. Und hätte uns doch jemand gesagt, dass eine Ukraine ohne Meeresverbindung, die langfristig ein Abnehmer von humanitärer Hilfe geworden ist, und sich auf unsichere Waffenstillstandsabkommen stützen muss, wirtschaftlich für Investitionen nicht sehr attraktiv ist… Sorry, jetzt habe ich doch glatt verschwiegen, dass wir das für unsere westliche Werteordnung machen. Während der Welthunger zunimmt (aktuelle Schätzungen 2 Milliarden Menschen stark betroffen).
- War of attrition - am 20.02 im Blog
- Russland hat alle Möglichkeiten - am 19.03. im Blog
- US und Nato (mit WestenTM) wollen Regimechange - am 26.03. noch vor der Biden Rede im Blog (angedeutet bereits am 19.03.).
- Russland hat an der Grenze nicht die Truppen für eine Invasion der gesamte Ukraine stehen am 25.01. im Blog
Na gut, aber einem CNN Opinion Autor ist folgendes bereits am 25.03. aufgefallen:
Increasingly, Ukrainians from many walks of life tell me that they feel as if the country is executing a proxy war for the West -- pushing back a superpower so as to protect countries on NATO’s eastern flank. In several passionate addresses to various parliaments, Zelensky has pretty much said as much.
src: click
Also passt das schon.
edit: Der General ist auch nicht so ganz am neuesten Stand und spricht von “Lagebildern” die die Ukraine wahrscheinlich vom Westen bekomme. Ne, sie bekommen schon Echtzeitaufklärungsdaten vom Gefechtsfeld - des is jetzt a bisserl was anderes. Das ist auch ein Gutteil der “Moral” der die Ukrainer so effektiv werden lässt, denn die Kampfführung bei Angriffen Russlands war bisher meist die Gefechtseinheiten ungehindert durchzulassen, dann die Versorgungseinheiten anzugreifen, und dann nach einigen Tagen Säuberungseinheiten zu den Kampftruppen zu schicken. Das meint man dann damit, wenn man in der Öffentlichkeit erwähnt “wie mobil (und damit effektiv) die ukrainischen Einheiten wären”.
edit2: The Agenda hat auch noch einmal nach-analysiert:
(“When Putin speaks publicly he is angry and emotional” you can check for yourselves if you want to - Last Putin speech: click, March 16th Putin speech: click (“Scumm and traitors” speech.) - beware of russian propaganda standpoints being flaunted of course. But the same could be said about the Atlantic Council (“Want to hurt Putin? Back a brain drain from russia.”) a representative of which is interviewed in this video.)
edit3: Ein paar Lügen der westlichen Propaganda aus dem Video: “Russia engaged in banned personal landmine use.” Russland hat die entsprechende Deklaration nie unterzeichnet. Der Feind ist viel schwächer als erwartet, wir sind viel stärker als erwartet, deshalb ist die bestmögliche Taktik aktuell die Ukraine so lange im Krieg zu halten wie möglich, denn je länger die Ukraine im Krieg ist, desto mehr schwächt das Russland [gemeint: innenpolitisch], deshalb müssen wir jetzt auch die Waffen-Kategorien die wir der Ukraine zur Verfügung stellen ausweiten, damit sie überhaupt die Möglichkeit haben solange durchzuhalten (Heldenmut, Moral und Counteroffensiven, …), “Putin may have convinced himself of his own rhetoric, that the US and their allies are out to destroy russia in its entirety.” - Also, genaugenommen ist Regimechange als “einzig akzeptable Form, wie dieser Krieg zu enden hat”, also der Biden Sager, nicht einzig Putin Rhetorik, an die der Wahnsinnige irgendwann mal begonnen hat selbst zu glauben. Sondern das woran alle drei hier interviewten Experten glauben.
Zusatz: Würde Putin durch einen noch extremeren Hardliner ersetzt werden, der ebenfalls unter der Ägide der russischen Dienste steht, würden die Sanktionen nicht enden. Da muss schon Regimechange her… Solche Optionen werden gerade theoretisch durchgespielt. Ohne weltweite Demütigung Russlands, darf es aus westlicher Sicht nicht zu einem Ende des Kriegs kommen. Wir kämpfen hier ja immerhin um die Aufrechterhaltung unserer Sicherheitsarchitektur (nach Paradigmenwechsel). (“Russland könnte sonst in einigen Jahren einen neuen Angriff starten.”)
Noch ne halbe Lüge mehr - Russlands Schwierigkeiten ökonomisches Wachstum aufrecht zu erhalten, bestehen nicht erst seit dem Sanktionsregime beginnend in 2014. (GDP Kurve: click). Ja, jein --
das (sowie die Fertigstellung der Infrastrukturprojekte in Sochi, und der annähernden Fertigstellung der Nordstream Pipeline) war der Grund für die schlechte Performance 2013, der Weltbank zu Folge:
Weaker growth potential is also reflected in the sector composition of growth. In the first half 2013, growth in key non-tradable sectors, such as construction, financial services, transport and communication slowed dramatically and is not compensating anymore for the gradually deteriorating industrial performance, and the manufacturing of tradables, in particular.
Considering these observations, overcoming structural challenges to the Russian economy and its growth would need to constitute an important aspect of growth-stimulating policies. For Russia, this would constitute a shift from the growth model followed in the past, which focused at stimulating domestic demand. As structural challenges become binding, constraints such as non-competitive sectors and markets would need to be addressed to lift Russia’s growth potential.
Das traf ebenfalls zu:
The economy is close to its current growth potential. Despite the observed broad-based slowdown in the economy, most recent estimates show that the level of capacity utilization remained close to 80 percent in the first half of 2013. That is comparable with rates observed in 2006 and 2007, when the economy was expanding at 8 percent annually. Given the still-tight labor market and the depressed investment activities of the last four quarters, it appears that the economy could be running very close to its maximum capacity.
Dazu kam dann noch ein Einbruch der Exportnachfrage anderer Länder (global demand) -
und danach kam das Sanktionsregime, vor und nach der Annexion der Krim.
src: click