Autorenarchiv

Claudia Reiterer verzweifelt auf der Suche nach einem Arbeitskreis

07. April 2022

oder einem Gremium.

Was hab ich gelacht.

Boah, die Trefferquote wieder…

07. April 2022

Am 24. März schreibt der Stan­dard noch in alter Gewohn­heit Pro­ject Syn­di­ca­te Arti­kel ab (click) - und dann gleich noch vom ECFR Direk­tor, in dem der eine neue Phi­lo­so­phie und das Agie­ren poli­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Akteu­re for­dert um die Bevöl­ke­rung aber so rich­tig in den Zei­ten­wan­del zu über­füh­ren (da stand vor­her ein ande­res Wort) -- mit Unterpunkt:

Außer­dem steht eine neue Debat­te über Mili­tär­ba­sen und Atom­waf­fen an, die Euro­pas Auf­merk­sam­keit (und ver­mut­lich Res­sour­cen) von ihrem glo­ba­len mul­ti­la­te­ra­len Enga­ge­ment abzie­hen wird.

Geframt als “Und er stellt vier Fra­gen, die die Poli­tik lösen muss.”

Und das hast du nicht gese­hen, weni­ger als zwei Wochen spä­ter zeigt schon das US Mili­tär Inter­es­se - na sag amol - des war wohl schon wie­der die­se freie Demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung, von der ich neu­er­dings so viel höre.

US-Militär für dau­er­haf­te Stütz­punk­te an NATO-Ostflanke
Infol­ge des rus­si­schen Angriffs­kriegs in der Ukrai­ne hat sich die Füh­rung des US-Militärs für die Ein­rich­tung per­ma­nen­ter US-Stützpunkte in den ost­eu­ro­päi­schen Nato-Staaten aus­ge­spro­chen. Er wür­de dazu raten, dau­er­haf­te Stütz­punk­te ein­zu­rich­ten, die dann von zeit­wei­se ent­sand­ten US-Soldaten genutzt wer­den könn­ten, sag­te Gene­ral­stabs­chef Mark Mil­ley im US-Kongress.

Damit habe man die Vor­tei­le einer per­ma­nen­ten Mili­tär­prä­senz ohne gewis­se Nach­tei­le wie zum Bei­spiel die Not­wen­dig­keit des Nach­zugs von Fami­li­en, deren Unter­brin­gung und den Bedarf für Schu­len zu haben. Russ­land lehnt eine per­ma­nen­te Sta­tio­nie­rung von Nato-Kampftruppen in den ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten unter Beru­fung auf ein Abkom­men aus den 1990er-Jahren strikt ab.

Seit Anfang die­ses Jah­res haben US-Streitkräfte ihre Mili­tär­prä­senz in den öst­li­chen Nato-Staaten wegen des Ukraine-Konflikts aller­dings bereits deut­lich aus­ge­baut - pro for­ma han­delt es sich dabei aber vor allem um zeit­lich begrenz­te Ein­sät­ze, kei­ne per­ma­nen­te Stationierung.

src: click

Aber immer­hin, Biden macht wie­der Welt­po­li­tik. edit: Es sei denn es ist ein Druck­mit­tel um offen­si­ve Waf­fen­lie­fe­run­gen im Nato Ver­bund durchzusetzen.

What “isolate russia from the international community” means

07. April 2022

Today we’re dra­ma­ti­cal­ly esca­la­ting the finan­cial shock by impo­sing full blo­cking sanc­tions on Russia’s lar­gest finan­cial insti­tu­ti­on, Sber­bank, and its lar­gest pri­va­te bank, Alfa Bank,” a seni­or admi­nis­tra­ti­on offi­cial brie­fing repor­ters said.
Sber­bank holds near­ly one-third of Russia’s total ban­king sec­tor assets, the offi­cial noted, adding that the US has now ful­ly blo­cked “more than two-thirds of the Rus­si­an ban­king sector.” 

Second, the seni­or offi­cial announ­ced, “In align­ment with the G7 and the EU, we’re announ­cing a ban on new invest­ment in Rus­sia.” That will be imple­men­ted with an exe­cu­ti­ve order signed by US Pre­si­dent Joe Biden. 

The United Sta­tes won’t par­ti­ci­pa­te in G20 mee­tings that Rus­sia is par­ti­ci­pa­ting in, US Tre­a­su­ry Secreta­ry Janet Yel­len said Wednesday.

Spea­king at the House Finan­cial Ser­vices Com­mit­tee, Yel­len said she’d made that posi­ti­on clear to other finan­ce minis­ters in the group.

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Pre­vent USD from ent­e­ring the rus­si­an eco­no­my, then (as the US) refrain from par­ti­ci­pa­ting in G20 mee­tings for als long as the ent­i­re world (G20) doesnt shun russia.

Oh, and its not true any­mo­re, that no one thinks that the Ukrai­ne can win - the Pen­ta­gon now insists, that thats pos­si­ble - in a war on which it is impos­si­ble to gage how long it will take:

Pen­ta­gon: “impos­si­ble” to know how long the war will go on, but Ukrai­ne can win

[…]

The US Defen­se Depart­ment says it’s “impos­si­ble” to know how long the war in Ukrai­ne will go on if not ended through diplo­ma­cy, but that Ukrai­ne “of cour­se” can win the war.

[…]

Mariu­pol is still not taken. He’s moved his for­ces out of Kyiv. He’s moved his for­ces out of Cher­ni­hiv. They haven’t taken Khar­kiv. They haven’t taken Myko­la­iv in the south,” Kir­by said. “So I think the pro­of is liter­al­ly in the out­co­mes that you’re see­ing every day.

src: click

Good news on Mariu­pol still not being taken, by the way - the city is now offi­cial­ly unre­co­ver­a­ble as an infra­st­ruc­tu­re: click

You can gage the unity of wes­tern posi­ti­ons by the fact, that the Atlan­tic coun­cil thinks, the Ukrai­ne needs more hea­vy weo­pon­ry, or the war will be over soon, the High Repre­sen­ta­ti­ve of the Uni­on for For­eign Affairs and Secu­ri­ty Poli­cy Josep Bor­rell is still in favor of ending the war soon but not at all cos­ts, and the Ukrai­ni­an government was liter­al­ly tel­ling the world for the first five weeks of the war, that for it to enter into high level peace talks all rus­si­an tro­ops have to vanish from the Ukrai­ne ter­ri­to­ry in the bor­ders of 1991, and then refrai­ned to “at least in the bor­ders befo­re Febru­a­ry 22nd on US TV (CBS afair)” which then nobo­dy cared to cla­ri­fy what that would mean, while then sta­ting they would need hea­vy wea­pons to dri­ve the rus­si­ans out ent­i­re­ly - or at least push them back signi­fi­cant­ly in the east, always while sta­ting, that peace talks are under way of cour­se. Oh, and that the chair­man of the US Joint Chiefs of Staff thinks that the con­flict will at least last several more years.

You see, with a unity of wes­tern posi­ti­ons as pro­noun­ced as this, one would think that an infor­med obser­ver should be able to gage what the goals for ent­e­ring mea­ning­ful peace talks would be in this sce­n­a­rio, befo­re ship­ping in more tanks into Ukrai­ne, as they would of cour­se only be used in a defen­si­ve capa­ci­ty, or that they at least would help to shor­ten the war in any mea­ning­ful sen­se but now that “win­ning” is on the table again, the Ukrai­ne government can sta­te more often, that it is inte­res­ted in peace­talks again. While the Pen­ta­gon “doesnt know” how long the war will last. In front of con­gress state­ments like “at least three years” are utte­red, and Bor­rell men­ti­ons, that we should end the war as soon as pos­si­ble, but not at all cos­ts. While a limi­ted esca­la­ti­on will redu­ce the long term cos­ts of war of course.

Mea­su­red in bloo­dy gum­my bears I think. Or world hunger.

One of the sin­gle grea­test aspects about utte­ring that your oppo­nent only under­stands dis­plays of mili­ta­ry power? It tilts any game theo­ry con­fi­gu­ra­ti­on so far into the “self inte­res­ted enti­ty” ran­ge, that all respon­ses beco­me pos­si­ble - while all of a sud­den, you are play­ing a zero sum game. But Ukrai­ni­ans could be win­ning though!

edit: Exclu­si­on from the UN Human Rights Coun­cil. src: click

Was ist denn mit Deutschland los -

06. April 2022

jetzt wol­len die immer noch kei­ne Pan­zer in die Ukrai­ne lie­fern, oder deut­schen Unter­neh­men erlau­ben wei­te­re Angriffs­waf­fen für die Ukrai­ne zu produzieren/exportieren, wo doch Mark Leo­nard

über Pro­ject Syn­di­ca­te (der Stan­dard schreibt wie­der ab), die Losung für die Poli­ti­ker in der EU aus­ge­ge­ben hat!

Und das Atlan­tic Coun­cil dazu gera­ten hat “non dis­tinct” “Angriffs­waf­fen” zu for­dern, was die Ukrai­ne zwei Tage spä­ter über­nom­men hat.

Da muss jetzt aber mal die CDU Oppo­si­ti­on auf­ste­hen, und den Ver­ant­wort­li­chen mal ordent­lich Feu­er unterm Hin­tern machen!

Wobei…

Ukrai­ne Quiet­ly Recei­ves Tanks From Czech Repu­blic to Sup­port War Effort

The Czech Repu­blic has been sen­ding old Soviet-designed tanks into Ukrai­ne, pro­vi­ding bad­ly nee­ded hea­vy wea­pons to out­gun­ned Ukrai­ni­an tro­ops that are batt­ling a much better-equipped Rus­si­an inva­si­on force.

src: click

Läuft doch.

Quiet­ly? Naja, man hat dies­mal halt die Idee des Atlan­tic Coun­cils auf­ge­grif­fen und nach Angriffs­waf­fen und nicht nach Pan­zern gefragt, und schon hats funktioniert.

Das ist dann “quiet­ly”.

Weil, der Rest des Aran­ge­ments war nicht grad *hush**hush* - 01. April übri­gens, dh. nach der Pro­kla­ma­ti­on des Atlan­tic Coun­cils Angriffs­waf­fen zu fordern.

Phoenix hat da eine interessante EU Position über die niemand berichten will

06. April 2022

- also in den Medi­en… Das Höchs­te der Gefüh­le ist eine zwei­stün­di­ge Live­schal­te ins Euro­päi­sche Par­la­ment. Den Rest darf sich der geneig­te Zuse­her selbst zusammenpuzzlen.

Die Posi­ti­on wird von Josep Bor­rell (Hoher Ver­tre­ter der EU für Außen- und Sicher­heits­po­li­tik) ver­tre­ten, die Anspra­che beginnt bei 31:15 im Video.

Der Euro­päi­sche Rat hat unter der Lei­tung von Prä­si­dent Michell ein par Leit­li­ni­en aus­ge­ge­ben um jetzt zu handeln […]”

Drei Zie­le (Para­phra­siert, aber immer noch Zita­te der Rede):
- Russ­land muss von der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft iso­liert werden
- Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft muss hier geeint wer­den, in der Ver­tei­di­gung der Grund­rech­te, und im Regel­werk der Geset­ze. Wir soll­ten hier kei­ne gespal­te­ne Welt schaf­fen, durch einen kal­ten Krieg, wo der Wes­ten gegen zwei Auto­kra­ten ist, wäh­rend es eine Grup­pe an auf­stre­ben­den Län­dern gibt, die ver­su­chen im Kon­flikt nicht Par­tei zu ergrei­fen - aber, da soll­ten wir uns nichts vor­ma­chen, vie­le beu­gen sich der Herr­schaft Russ­lands. In die­ser Land­schaft hat­ten wir bis­her zwei gro­ße diplo­ma­ti­sche Sie­ge bei der UN, in der Form von zwei Abstim­mun­gen in denen Russ­land ver­ur­teilt wor­den ist, und die Men­schen­rech­te in der Ukrai­ne ver­tei­digt wor­den sind [Anmer­kung: Das sind älte­re Tal­king­points.] Wir soll­ten aber wei­ter­hin dar­auf ach­ten, ob die­se Mehr­hei­ten so soli­de sind. Das erfor­dert von uns, dass wir die Welt ein­mal anse­hen, wie sie ist [eben­falls ein Tal­king­point, aber dass der von Bor­rell kommt, ist (mir zumin­dest) neu] - um die Grün­de für die­se Sicht­wei­sen nach­voll­zie­hen zu können.
- Was die Ver­tei­di­gung der Sicher­heit anbe­langt, hat der Euro­päi­sche Rat den stra­te­gi­schen Kom­pass ver­ab­schie­det, das ist nun die Mög­lich­keit unse­re Kapa­zi­tä­ten in die­sem Bereich auf­zu­sto­cken. Die­se Kri­se hat ganz klar unse­re Schwä­chen in Punk­to Sicher­heit und Ver­tei­di­gung an den Tag gelegt. Von 2008 bis 2014 haben wir abge­rüs­tet. […] Wir haben uns dar­an gewöhnt uns unter den Schutz­schirm der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu legen, und dach­ten die Nato wür­de schon alles rich­ten. Es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve zur NATO was die ter­ri­to­ria­le Ver­tei­di­gung Euro­pas anbe­langt, das soll­ten wir ein­mal klipp und klar gesagt haben. Aber abge­se­hen davon müs­sen wir auch unse­ren Teil hier leis­ten und unse­re Ver­ant­wor­tung hier wahr­neh­men. Wir müs­sen die­se man­geln­de Ver­ant­wor­tung der Euro­pä­er hier abstrei­fen, in punk­to Ver­tei­di­gung und Sicher­heit, es wäre ein gra­vie­ren­der Feh­ler, wenn jetzt alle Län­der ihre Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben im Ver­hält­nis dazu auf­sto­cken wür­den was sie jetzt schon haben, das wäre doch eine schreck­li­che Ver­schwen­dung! Denn wir wür­den dann eigent­lich nur die jet­zi­gen Dop­pe­lun­gen nur ver­stär­ken. [Es fol­gen die Wer­be Key­facts für den “stra­te­gi­schen Kom­pass” (Koor­di­na­ti­on)][…]

So weit so fade… aber jetzt kommt der inter­es­san­te Teil.

Vor ein paar weni­gen Tagen hat mir [unver­ständ­lich] gesagt, dass wir den Krieg sehr schnell been­den müs­sen, und das Bes­te wäre, dass wir auf­hö­ren soll­ten die Ukrai­ne zu bewaff­nen. Ja wir müs­sen den Krieg in der Ukrai­ne so schnell wie mög­lich been­den, aber wenn der Krieg been­det sein wird, wie wird der Krieg denn been­det wer­den? So schnell wie mög­lich ja - aber nicht egal wie! Es ist wich­tig wie die­ser Krieg zu Ende geführt wird. Denn wenn die­ser Krieg zu einem zer­stör­ten und beherrsch­ten Land führt, das ter­ri­to­ri­al zer­stü­ckelt ist, mit Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen und Tau­sen­den von Toten - nein, wir möch­ten nicht, dass der Krieg so zu Ende geführt wird. Und damit es nicht soweit kommt, müs­sen wir auch wei­ter­hin die Ukrai­ne unter­stüt­zen. Wir wol­len nicht, dass der Krieg so been­det wird. Zwar so schnell wie mög­lich, aber nicht egal wie. Und des­halb müs­sen wir auch wei­ter­hin die Ukrai­ne bewaff­nen und auf­rüs­ten, da brau­chen wir weni­ger Applaus, aber mehr Hil­fe. Wir müs­sen weni­ger oft sagen “die Ukrai­ne ist ein Held”, nein, die Ukrai­ne braucht mehr Waf­fen. Das erwar­ten die Ukrai­ner, und das machen wir auch, aber das müs­sen wir wei­ter machen und schnel­ler. Wir müs­sen Druck auf Russ­land aus­üben und wir müs­sen die Ukrai­ne wei­ter bewaff­nen. Wir müs­sen die Ukrai­ne in ihrer Ver­tei­di­gung unter­stüt­zen, und den Angrei­fer mit all unse­ren Mög­lich­kei­ten aus­brem­sen. Wir haben eine Mil­li­ar­de Euro zur Ver­fü­gung gestellt, das hört sich viel­leicht viel an, aber das zah­len wir tag­täg­lich Putin für die Ener­gie die er uns lie­fert. Seit Aus­bruch des Krie­ges haben wir ihnen 35 Mil­li­ar­den Euro gege­ben. Ver­glei­chen sie das ein­mal mit den Mil­li­ar­den die wir den Ukrai­nern für die Bewaff­nung gege­ben haben. Die­ser ekla­tan­te Unter­schied zeigt doch die Not­wen­dig­keit, dass das was der Euro­päi­sche Rat uns auf­ge­ge­ben hat, dass die Ener­gie­ab­hän­gig­keit redu­ziert wird, und da wird die Kom­mis­si­on sicher­lich füh­rend auf­tre­ten, und auch die not­wen­di­gen Maß­nah­men dafür ergrei­fen. Heu­te ist ein Stopp für die Koh­le aus­ge­spro­chen wor­den, aber das ist nur ein Bruch­teil der Rech­nung - unse­re Unab­hän­gig­keit läuft über die Schie­ne der erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­ger und die Geo­po­li­tik und der Kli­ma­wan­del geben sich da bei einem gemein­sa­men Ziel die Hand. Ich möch­te dann noch einen Gedan­ken aus­spre­chen, der für mich wesent­lich ist. Wir Euro­pä­er müs­sen uns der Welt bewußt wer­den in der wir leben. Wir machen 5% der Welt­be­völ­ke­rung aus 5% der Welt­be­völ­ke­rung, aber nach dem letz­ten gro­ßen Krieg waren wir 25%. Wir sind von einem Kreis von Insta­bi­li­tät von Gibral­tar bis zum Kau­ka­sus umringt, mit einer Bevöl­ke­rung die zwei­mal jün­ger ist, als wir in der EU. Wir hän­gen sehr stark von Ener­gie­lie­fe­run­gen ab. Arm, alt und abhän­gig, das ist kein tol­les Rezept für die Zukunft. Wir müs­sen uns ver­jün­gen, wir müs­sen unse­ren Ein­fluss­be­reich aus­bau­en, wir brau­chen mehr Kapa­zi­tä­ten um unse­re Grund­sät­ze, unse­re Wer­te zu ver­tei­di­gen. Und wir müs­sen hier auch alle Mit­tel in die Hand neh­men, um unse­ren Ein­fluss in der Welt gel­tend zu machen. Und das koor­di­niert zwi­schen denen die die Mit­glieds­staa­ten ver­tre­ten und denen die die Kom­mis­si­on ver­tre­ten. Zum Glück haben wir die Euro­päi­sche Uni­on, wenn wir die Euro­päi­sche Uni­on nicht hät­ten, dann müss­ten wir sie erfin­den. Denn was wür­den denn die euro­päi­schen mit­glieds­staa­ten tun, wenn sie heu­te allein daste­hen wür­den? Was wür­de denn das größ­te Land tun, auch das mäch­tigs­te Land, wenn es sich jetzt hier der neu­en Welt stel­len müss­te, die nun auf­bricht? Unse­re Ein­heit, die Ein­heit der Euro­pä­er, dass wir da gestal­ten, das ist prak­tisch der Kom­pass [Gott], der uns lei­tet um das zu ver­tei­di­gen, was wir sind, die bes­te Ver­bin­dung der poli­ti­schen Frei­heit, wirt­schaft­li­cher Wohl­stand und sozia­ler Zusam­men­halt, die wir der Welt geben wol­len, und das ist heu­te gefähr­det. Aber wir Euro­pä­er wer­den das ver­tei­di­gen können.” 

Kur­ze Anmer­kung: Fickt euch. Für den para­re­li­giö­sen Pathos. (Und ja mir sind alle Abhän­gig­kei­ten bewußt, von Gibral­tar bis zu 5% der Weltbevölkerung.)

Voll­zie­hen wir noch mal nach wie die Tal­king Points hier zu Bor­rell gewan­dert sind.

24. März 2022: Der Stan­dard schreibt wie­der mal Pro­ject Syn­di­ca­te ab - und zwar spe­zi­fisch einen Kom­men­tar von Mark Leo­nard, Direk­tor des Euro­pean Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons (Par­ti­zi­pi­ent im ECFR für Öster­reich: Treichl, Alp­bach, lie­be Grü­ße…), der dort publi­ziert. Leon­hard for­dert eine eher bila­te­ra­le Welt­ord­nung, eine Ein­stim­mung der Bevöl­ke­rung auf län­ge­ren Krieg und län­ge­re Auf­rüs­tung, Auf­bau wirt­schaft­li­cher und gesell­schaft­li­cher Resi­li­enz (’s schep­pert, bei fort­schrei­ten­der Ver­ar­mung, also jetzt alle lus­tig mit­ei­nender auf nied­ri­ge­rem Niveau, außer­dem Euro­pa der zwei Geschwin­dik­eit, kei­ne Voll­mit­glied­schaft mehr for you -), eine Phi­lo­so­pie für das gemei­ne Volk das das auf­ge­drückt bekom­men muss, und Poli­ti­ker die sich jetzt mit Pathos in die Bre­sche wer­fen müs­sen, damit die Bevöl­ke­rung das frisst.

31. März 2022: Das Atlan­tic Coun­cil arbei­tet die Posi­ti­on aus, dass die Ukrai­ne jetzt mehr Offen­siv­waf­fen braucht um nen lan­gen war of attri­ti­on füh­ren zu kön­nen und zwar schnell, sonst ist der Krieg bald vorbei.

02. April 20222: Selen­si­ky­js Polit­be­ra­ter über­neh­men die Posi­ti­on des Atlan­tic Coun­cil ändern aber das war­um in “um Putin ganz aus der Ukrai­ne zu ver­trei­ben!” um. Was ihnen eh kei­ner glaubt.

03. April 2022: Vol­ker­recht­ler Ralph Janík (auf­ge­wach­sen in Alp­bach nahen Think­tanks) ist sich nicht zu blöd die Pole­mik zu schrei­ben, dies braucht um die Posi­tio­nen von Franz­o­bel und David Precht bezüg­lich des Ukrai­ne Kriegs aus dem öffent­li­chen Dis­kurs zu ele­mi­nie­ren. Trag­ba­re Argu­men­te hat er kei­ne, aber was solls, er muss nur Behaup­tun­gen zu Epis­te­men dekla­rie­ren, und Jour­na­lis­mus klatscht nicht nur, er hofiert ihn. Wich­ti­ger Neben­aspekt, damit ist der Öffent­li­che Dis­kurs erst­ma­lig auf der Posi­ti­on in der er mit Josep Bor­rells Rede heu­te zusam­men­fällt. (Mehr Krieg und mehr Waf­fen, nach dem Papstbesuch.)

06. April 2022: Josep Bor­rell über­nimmt in einer öffent­li­chen Rede die Posi­ti­on des Atlan­tic Coun­cils. (Die­ser Bei­trag.) Mit Abän­de­run­gen in zwei Punkten.
- Lie­ber doch kei­ne bila­te­ra­le Welt, lie­ber mul­ti­la­te­ral (Oho, die EU lebt!)
- Und zwei klei­nen Anmer­kun­gen wie sehr man von der US (Atlan­tic Coun­cil) in Punk­to Sicher­heits­ord­nung abhän­gig ist (“Sicher­heits­ord­nung in Euro­pa ohne US als tra­gen­des Ele­ment der NATO undenk­bar”, “Gibral­tar und Kaukasus”)
Und bestä­tigt dann noch neben­bei, dass die EU jetzt so lan­ge auf­rüs­ten wür­de wie not­wen­dig um ein Sze­na­rio Ukrai­ne als fai­led sta­te zu ver­mei­den, bei­spiels­wei­se, da Russ­land ihr den Mee­res­zu­gang nimmt. Man­gels exak­ter Defi­ni­ti­on des Ziels kanns noch län­ger dau­ern, aber das ist ja durch­aus im Sin­ne aller Beteiligten.

Aber nicht ohne dann noch den Kom­pass rhe­to­risch zum gött­li­chen Ide­al zu ver­klä­ren, der unse­re Wer­te in die Zukunft trägt, und unse­re Kin­der noch exis­tenz­fä­hig macht, womit auch das Pro­pa­gan­da Ansin­nen des ECFR abge­deckt ist.

Exzel­lent. In den Medi­en würd ichs halt gern mal lesen… Also dass das die Posi­ti­on der EU Außen- und Sicher­heits­po­li­tik­be­auf­trag­ten ist. Naja, mor­gen dann…

edit: 04. April 2022: Nar­val him­melt Bür­ger­rä­te deren Bud­get zu 30% aus “für PR Aus­ga­ben” besteht als neue For­men für Ent­schei­dungs­fin­dung (Resilienz!!1!11!) an.

Und spart den Aspekt (dass das die letz­ten Pres­se­mel­dun­gen zu dem Kon­zept waren) im Arti­kel prak­ti­scher­wei­se gleich ganz aus, er braucht das Set­up für eine ande­re Schluss­fol­ge­rung. Aber gut, wer hört schon auf den…

Bucha and plausible deniability

04. April 2022

Das BBC Video zeigt eine gema­nag­te Tour der BBC ins gebiet des Grau­ens - mit einem eigens abge­stell­ten Pres­se­be­ra­ter der bereits vor dem Ein­tref­fen in Butscha hilf­rei­che Tipps gibt, wie die zer­stör­ten Pan­zer aus­zu­le­gen sei­en (“Zei­chen, dass die Ukrai­ne gewin­nen kann”.)

In Butscha selbst wer­den im BBC Video Lei­chen gezeigt (Voice­over: Min­des­tens 20 in den Stra­ßen), eini­ge davon laut dem Kom­men­tar mit zusam­men­ge­bun­de­nen Hän­den und Schuss­ver­let­zun­gen im Kopf.

Die wich­tigs­te Bild­quel­le (neben einem you­tube Video das unter dem Twit­ter pos­ting der BBC ver­linkt wur­de und im goog­le Such­in­dex einen wei­te­ren Ein­trag auf­weist, dafür aber bereits mit Kla­vier­mu­sik unter­legt wur­de (edit: Das ZDF zeigt das mit Kla­vier­mu­sik unter­leg­te Video am 03.04. im Haupt­abend, mit ent­fern­ter Ton­spur. Dem wird eine Quel­len­prü­fung vor­an­ge­gan­gen sein. (edit: Die ARD hat ihren Prü­fungs­pro­zess ver­öf­fent­licht.))) sind Pho­tos der ukrai­ni­schen Regie­rung (hier im Paket zu sehen).

Laut Aus­sa­gen der ukrai­ni­schen Sei­te sind die Bil­der das Resul­tat von Gräul­ta­ten die bereits län­ger zurück­lie­gen, sowie des direk­ten, über­eil­ten Abzugs aus Butscha. (“both”)

Laut Aus­sa­gen Kule­bas wur­den “Safa­ris auf Men­schen” ver­an­stal­tet. Zivi­lis­ten wäh­rend des Rück­zugs getö­tet. Frau­en ver­ge­wal­tigt. Men­schen gefol­tert. Mas­sen­grä­ber gefunden.

Laut den Aus­sa­gen eines Ukrai­ni­schen Regie­rungs­mit­glieds, wur­den Fol­ter­räu­me entdeckt.

Laut Aus­sa­gen des Bür­ger­meis­ters von Butscha habe das rus­si­sche Mili­tär “vor dem Abzug alle Män­ner im Alter von 16-60 zusam­men­ge­trie­ben und getö­tet”, in zwei (?) ent­deck­ten Mas­sen­grä­bern wer­den bis zu 300 Lei­chen ver­mu­tet. Dem BBC Jour­na­lis­ten in Butscha wur­de davon nichts erzählt.

CNN hat­te eine Crew vor Ort die in den Mas­sen­grä­bern “mehr as ein dut­zend Lei­chen in Body­bags” gese­hen hat.
Ihr wur­den von Anwoh­nern erzählt, dass mehr als 150 Lei­chen in dem einen Mas­sen­grab zu fin­den sein.

Gegen­be­haup­tun­gen Russ­lands - via Tass:

Es wur­den kei­ne zivi­len Opfer in Butscha gemel­det als die Stadt von der Rus­si­schen Armee kon­trol­liert wur­de, US Medi­en hät­ten “the Ukrai­ni­an military’s shel­ling of the city” igno­riert, das dem Abzug der rus­si­schen Trup­pen nach­ge­folgt sei. Die Anschul­di­gun­gen von Kriegs­ver­bre­chen wer­den in vol­lem Umfang zurückgewiesen.

Die rus­si­schen Trup­pen hät­ten Butscha am 30. März ver­las­sen, der Bür­ger­meis­ter von Butscha hät­te am 31. März in einer Video­an­spra­che bestä­tigt, dass sich kei­ne rus­si­schen Trup­pen mehr in Butscha befin­den, aber kein Wort über Zivi­lis­ten, die in den Stra­ßen erschos­sen wor­den wären erwähnt.

Die ukrai­ni­sche Füh­rung hät­te drei Tage nichts gesagt, und käme jetzt mit “sen­sa­tio­na­lis­ti­schem Video­ma­te­ri­al” an die Öffent­lich­keit um Russ­lands image zu beflecken.

Satel­li­ten­bil­der von Maxar Tech­no­lo­gies bestä­ti­gen einen begin­nen­den Aus­hub eines der Mas­sen­grä­ber hin­ter der Kir­che in Butscha am 10. März.

Laut UNO Berich­ten sind bis­her 1.417 Todes­fäl­le von Zivi­lis­ten in der Ukrai­ne bestä­tigt - die meis­ten davon durch den Ein­satz von Explo­siv­waf­fen mit gro­ßer Reich­wei­te, sowie durch den Beschuss mit schwe­rer Artil­le­rie, Rake­ten­wer­fern, sowie durch Luftangriffe.
(Kein Kon­text zu Butscha - nur Hintergrund.)

Der Stan­dard ver­brei­tet anstatt den diplo­ma­ti­schen Stel­lung­nah­men Russ­lands (über TASS) lie­ber hoch emo­tio­na­li­sier­te, aber sehr kur­ze, Aus­schnit­te dar­aus was die Spre­che­rin des rus­si­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums im Haupt­abend im rus­si­schen Staats­fern­se­hen dar­über sagt.

Wer sind die Meis­ter der Pro­vo­ka­ti­on? Natür­lich die USA und die Nato”, sag­te Außen­mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin Maria Sach­a­rowa am spä­ten Sonn­tag­abend in einem Inter­view im Staats­fern­se­hen. Sach­a­rowa sag­te, der sofor­ti­ge west­li­che Auf­schrei über die Bil­der von toten Zivi­lis­ten zei­ge, dass die Geschich­te Teil eines Plans gewe­sen sei, Russ­lands Ruf zu beschmut­zen. “In die­sem Fall scheint mir, dass die Tat­sa­che, dass die­se Aus­sa­gen über Russ­land in den ers­ten Minu­ten nach dem Erschei­nen die­ser Mate­ria­li­en gemacht wur­den, kei­nen Zwei­fel dar­an lässt, wer die­se Geschich­te befoh­len hat.“

src: click

Da muss man sich dann (man­gels Kon­text der rus­si­schen Behaup­tun­gen) auch nicht mehr dar­über sor­gen, wie die öffent­li­che Reak­ti­on ausfällt.

Vor 15 Minu­ten berich­tet die Ukrai­ne bereits von über 340 in Butscha gebor­ge­nen Lei­chen (der Außen­mi­nis­ter hat­te ange­kün­digt, dass man Zeit brau­che alle zu fin­den, was nach­voll­zieh­bar scheint).

Und Selen­skyj ist mit dem Spruch des Tages zur Stelle:

Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj for­dert die deut­sche Ex-Bundeskanzlerin Ange­la Mer­kel und Frank­reichs Ex-Präsident Nico­las Sar­ko­zy auf, nach Butscha zu kom­men, um das “Resul­tat von 14 Jah­ren Zuge­ständ­nis­sen an Mos­kau” zu sehen.

src: click edit: Phoe­nix hat den O-Ton: click

Sehr kla­re Hin­wei­se auf Kriegs­ver­bre­chen in Butscha sehen Macron, Scholz, und bereits Tage zuvor bereits der Prä­si­dent des Euro­päi­schen Rates (Charles Michel), um eine unab­hän­gi­ge Unter­su­chung der Sach­la­ge sei­tens der UN wird der­zeit (auch von der Ukrai­ne) noch öffent­lich ersucht.

Butscha war bereits Anfang März einer der am schwers­ten umkämpf­ten Orte im Nor­den Kiews. Hier eine Mel­dung vom 09.03.

Am 07.03. war Butscha noch hart umkämpft - am 10.03. wur­de das ers­te Mas­sen­grab in der Nähe der Kir­che angelegt.

Hin­ter­grund: Der Abzug rus­si­scher Trup­pen aus dem Nor­den Kiews war, so kol­por­tiert, in der rus­si­schen Füh­rung intern hoch umstrit­ten (sie­he: click) und ein Verhandlungs-“Zugeständnis” des rus­si­schen Unter­händ­lers Wla­di­mir Medi­n­ski. Der Teil der Ukrai­ni­schen Erzäh­lung der dar­auf gefolgt ist war, dass die Ukrai­ne durch schnel­les mili­tä­ri­sches Ein­grei­fen meh­re­re Sied­lun­gen im Nor­den Kiews “erobert hät­te” - impli­ziert, damit den rus­si­schen Abzug beschleu­nigt hät­te, dadurch sei den rus­si­schen Trup­pen kei­ne Zeit geblie­ben Bewei­se für Kriegs­ver­bre­chen zu ver­nich­ten, aber in Butscha sei­en eben auch Leu­te am Stra­ßen­rand beim Abzug aus der Stadt hin­aus mit hin­ter dem Rücken gefes­sel­ten Hän­den erschos­sen wor­den. Um das in Fra­ge zu stel­len wur­de von Russ­land über Tass ver­laut­bart, dass der Rück­zug Aus Butscha bereits am 30. März abge­schlos­sen war.

Ich neh­me an, dadurch das alles in die­ser Rei­hung zu lis­ten, bin ich jetzt als Per­son für nie­man­den mehr trag­bar, und muss als vogel­frei gel­ten, oder wahl­wei­se als Aus­sät­zi­ger behan­delt wer­den. Hof­fe aber trotz­dem, dass das nicht eintritt.

edit: Nach­trag: Die Din­ge ent­wi­ckeln sich gera­de schnell:

Nach dem Mas­sa­ker im Kie­wer Vor­ort Butscha wird Ita­li­en kein Veto gegen ein fünf­tes Sank­ti­ons­pa­ket gegen Russ­land ein­le­gen. Dies beton­te der ita­lie­ni­sche Außen­mi­nis­ter Lui­gi Di Maio im Inter­view mit RAI 3 am Sonn­tag­abend. “Die­ses Mas­sa­ker wird alles beschleu­ni­gen und zu wei­te­ren Sank­tio­nen gegen Mos­kau füh­ren”, sag­te Di Maio.

src: click

Mora­wi­ecki: Deutsch­land ist größ­tes Hin­der­nis gegen här­te­re Russland-Sanktionen
Der pol­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Mateusz Mora­wi­ecki sag­te soeben, dass Deutsch­land das größ­te Hin­der­nis bei der Ver­hän­gung här­te­rer Sank­tio­nen gegen Russ­land sei.

src: click

edit2: Es gibt jetzt auch einen ers­ten Augen­zeu­gen­be­richt aus dem pol­ni­schen Fern­se­hen. src: click (Ori­gi­nal­quel­le: click, Hin­ter­grund zum Kanal: click, Hin­ter­grund zum Sen­der: click)

Am 7. März, als Butscha noch stark umkämpft war, sei­en “ande­re rus­si­sche Sol­da­ten” in den Luft­schutz­bun­ker gekom­men, in dem auch der Inter­view­te unter­ge­kom­men ist, und hät­ten begon­nen Leu­te hin­zu­rich­ten, die am Don­bas Ein­satz zwi­schen 2014 und 2018 teil­ge­nom­men haben, und Nazi - oder natio­na­lis­ti­sche (Ukrai­ne) Täto­wie­run­gen und Sym­bo­le am Kör­per hat­ten. Dann hät­ten die­se ande­ren rus­si­schen Sol­da­ten den Inter­view­ten schwer geschlagen.

edit3: Mora­wi­ecki vor 20 Minu­ten (um 11:30):

Als wäre die Situa­ti­on nicht ver­fah­ren und schlimm genug, bahnt sich jetzt auch noch ein Streit zwi­schen Polen und Frank­reich an: Minis­ter­prä­si­dent Mateusz Mora­wi­ecki lässt kein gutes Haar am wahl­kämp­fen­den Prä­si­den­ten Emma­nu­el Macron. “Wie oft haben Sie mit Putin ver­han­delt und was haben Sie erreicht? Wir dis­ku­tie­ren und ver­han­deln nicht mit Kri­mi­nel­len. Kri­mi­nel­le muss man bekämp­fen. Nie­mand hat mit Hit­ler ver­han­delt. Wür­den Sie auch mit Hit­ler, Sta­lin oder Pol Pot verhandeln?

src: click

edit4: (19:30) zdf heu­te zum Massaker:

edit5: Laut NYT konn­ten 11 Lei­chen über Sat­teli­ten­bil­der an deren Stand­ort seit dem 11. März loka­li­siert wer­den. src: click

edit6: Der Stan­dard hat wei­te­re Infor­ma­tio­nen der BBC und bel­ling­cat zusam­men­ge­tra­gen: click

Nur weil mich die Argu­men­ta­ti­on nervt -

Bei­de impli­zi­ten Vor­wür­fe – einer­seits dass die Men­schen in Wahr­heit von ukrai­ni­schen Trup­pen ermor­det wor­den sei­en, ande­rer­seits dass es sich um eine “Video­pro­duk­ti­on”, also eine gestell­te Sze­ne, hand­le, kön­nen jeden­falls nur schwer gleich­zei­tig wahr sein.

Das ist in der inter­nen Logik des Argu­ments falsch. Ich mach hier nur die theo­re­ti­sche Betrach­tung auf, ohne dass ich dar­an glau­be -- Ukrai­ne setzt bei Abzug der rus­si­schen Trup­pen den Ort unter Gra­na­ten­be­schuss, und pro­du­ziert danach eine ande­re Sze­ne­rie. Dem ent­ge­gen steht, dass meh­re­re Lei­chen bereits seit dem 11. und seit dem 21. März auf Satel­li­ten­bil­dern nach­weis­bar sind, und ggf. auch der Zustand eini­ger Lei­chen (Ver­we­sungs­grad) mit Todes­merk­ma­len die auf Hin­rich­tun­gen oder Fol­ter schlie­ßen las­sen. Aber dafür braucht es eben Foren­sik (die aktu­ell arbei­tet und doku­men­tiert), nicht wie­der einen Jour­na­lis­ten, der ein Nar­ra­tiv malt, dass sich die Rus­sen in ihren Pres­se­state­ments selbst wider­spre­chen wür­den. Da sind wir wie­der bei PR und nicht bei Journalismus.

edit7: The UN secu­ri­ty coun­cil held a mee­ting on Bucha yes­ter­day. Zelen­skyy did hold a speech the­re - which was descri­bed by NPR as very emo­tio­nal - alt­hough it was pre­writ­ten. The speech con­tai­ned a few embezzle­ments, bun­ching more atro­ci­ties rus­si­an tro­ops have cau­sed during the war else­whe­re tog­e­ther, for instance - peop­le in cars being run over by tanks, as far as I know (I could be wrong, but I’ve scree­n­ed the infor­ma­ti­on com­ing out of Bucha care­ful­ly), no such inci­dent was repor­ted taking place in Bucha, alt­hough the­re were reports of peop­le having been run over by tanks in the streets (after (?) they’­ve been killed). 

The ent­i­re speech also was writ­ten to some­what side­li­ne Bucha as the main focus the secu­ri­ty coun­cil should take, when loo­king at warcri­mes in the Ukrai­ne, it was pro­mo­ted to only be one examp­le out of many. Then the pro­bab­ly stran­gest sec­tion of the speech unfold­ed, whe­re Zelen­skyy pre­fa­ced, that the Ukrai­ne would alrea­dy know what rus­sia would tell the secu­ri­ty coun­cil in defen­se of the Bucha case, name­ly - that “it would be impos­si­ble to con­firm only one ver­si­on of what had hap­pen­ed, becau­se the­re would be several ones, and that they would tell the secu­ri­ty coun­cil, that they had remo­ved the bodies [at one point]” - “but becau­se of satel­li­te images, it would now be pos­si­ble to pro­ve what took place”. I cant vouch for the trans­la­tor in that case, this could be a mis­trans­la­ti­on - but it was, what was sta­ted by Zelen­skyy in that speech. Zelen­skyy then went on to sug­gest a rest­ruc­tu­ring of the glo­bal secu­ri­ty order to take place in mee­tings in “peace­ful Kyiv”, added an ulti­ma­tum, that the secu­ri­ty coun­cil had two opti­ons, eit­her to stop rus­sia from being able to enga­ge in wars, or sie­ze to exist as a func­tio­n­ing orga­niz­a­ti­on, and ended with a video packa­ge [pre­pro­du­ced video] or would have, if the secu­ri­ty coun­cil would have been able to play back/find the video.

Thats whe­re the C-SPAN you­tube clip ends.

I have yet to screen the full length video of the secu­ri­ty coun­cil meeting.

Thanks to other news sources, we know, that that video was play­ed even­tual­ly -- and we get the con­text, that rus­sia - so far - has not pro­du­ced “empi­ri­cal evi­dence” to the secu­ri­ty coun­cil (nor attemp­ted to), even though Vasi­ly Nenem­zya sug­gested on April 4th that rus­sia would.

That - in my opi­ni­on, weighs stron­ger than poten­ti­al­ly stran­ge pre­text in the Zelen­skyy speech.

I’m also adding a link to a news source, showing a satel­li­te image of March 19th whe­re seven dark objects, pres­um­a­b­ly bodies, can be seen in the streets, that “exact­ly match the loca­ti­on whe­re civi­li­an corp­ses were later dis­co­ve­r­ed by Ukrai­ni­an tro­ops”. Rus­sia had full con­trol over Bucha on March 19th.
-

And now I’m off scree­ning the full length ver­si­on of yes­ter­days UN secu­ri­ty coun­cil meeting.

edit: First point of inte­rest, befo­re the mee­ting star­ted, the rus­si­an repre­sen­ta­ti­ve com­p­lai­ned, that two initia­ti­ves to hold secu­ri­ty coun­cil mee­tings on the topic of Bucha, brought for­ward by rus­sia, were igno­red, and sta­ted hopes, that this would not hap­pen in the future. The chair of the coun­cil respon­ded, that they had not be igno­red, but that the coun­cil had recei­ved them late, and then had pro­vi­ded rus­sia with the chan­ce, to eit­her hold tho­se mee­tings on the same day as the Zelen­skyy mee­ting, or after (?) the Zelen­skyy speech yes­ter­day as part of the same mee­ting, which the rus­si­ans decli­ned. Rus­sia respon­ded, that it hopes, that the secu­ri­ty coun­cil in the future would not deny requests on mee­tings any­mo­re (“as rus­sia had­n’t done, when they had the pre­si­den­cy in the days pri­or”), and that they had evi­dence, that the papers were sub­mit­ted ear­lier. - So basi­cal­ly, rus­sia wan­ted the chan­ce, to speak first in front of the secu­ri­ty coun­cil (and the world), was denied twice to do so (becau­se the papers arri­ved late), then was given the chan­ce to hold the mee­ting on the same day as the Zelen­skyy speech, which they decli­ned, to dig up/produce more dirt in respon­se to the Zelen­skyy speech held. Which you do. edit: see also: click

This exp­lains, at least some­what, why no “empi­ri­cal evi­dence” has been pre­sen­ted by rus­sia so far - even though they have sug­gested the would pre­sent evidence.

last edit:

Wäh­rend der Deut­sche Bun­des­tag sich wie­der in sinn­lo­sen Tira­den gegen den Wahn­sin­ni­gen übt, der der hin­ter dem allen steckt, und wie­der Men­schen basie­rend dar­auf denun­ziert wor­an sie glau­ben, wäh­rend wir alle die­se schreck­li­chen Bil­der gese­hen haben -- pos­tet Demo­cra­cy Now ein Video mit eine Washing­ton Post Kor­re­spon­den­ten der Repor­ta­gen über meh­re­re klei­ne­re Dör­fer gemacht hat, und erreicht mehr - als das kom­plet­te auf­ge­setz­te Lei­den und öffent­li­che Imprin­ting des gesam­ten Poli­testa­b­lish­ments zusam­men. Zumin­dest bei mir.

Komisch - es ist fast so als wür­de unab­hän­gi­ger Jour­na­lis­mus hier eine Funk­ti­on erfüllen.

Aber gut, wenn die Mit­zi­tan­te jetzt noch schnell mit einem Denun­zia­ti­ons­ri­tus gegen das Böse, von Leu­ten mit Macht­sym­bo­len im Hin­ter­grund, auf die rich­ti­ge Sei­te gebracht wer­den muss, gibts dafür jetzt auch Reden aus dem Bundestag.

Oh - und in den US spricht man im Kon­gress in Punk­to wahr­schein­li­cher Kriegs­dau­er bereits von meh­re­ren Jah­ren: click Wenn die­ser Putin nicht bereits so über­zeu­gend ver­lo­ren hät­te, man könn­te sich glatt fürch­ten, wie lan­ge der Krieg noch andauert.

edit: Der BND hat Funk­sprü­che abge­fan­gen, die sich ein­zel­nen Lei­chen zuord­nen las­sen. src: click (KORREKTUR: Der Spie­gel hat sich mitt­ler­wei­le kor­ri­giert, das sei nicht der Fall, die Fäl­le sei­en nicht Butscha zuzuordnen.)

Da kön­nen wir ja von Glück reden, dass die Ukrai­ne Pres­se­tou­ren orga­ni­siert hat, sonst hät­ten wir das ja gar­nicht herausgefunden…

Dear Dmytro Kuleba, is Russia worse than ISIS?

03. April 2022

Rus­sia is worse than ISIS. Fullstop.”

edit: See also: click

Dem Standard war fad, da hat er feinste Hetze produziert

03. April 2022

Geht um die­sen Kom­men­tar, in dem Ralph Janik, Franz­o­bel und Precht nie­der­macht - und dabei sophi­sisch gegen Aspek­te argu­men­tiert die nicht Teil der Ursprungs­ar­gu­men­ta­ti­on waren.

Ers­te Proklamation:

Man dür­fe nicht für eine “neu­tra­le Ukrai­ne” argu­men­tie­ren, da das hoch spe­ku­la­tiv sei. Außer­dem dür­fe man nicht über ein Able­ben Putins spe­ku­lie­ren, da der Krieg in der rus­si­schen Bevöl­ke­rung Unter­stüt­zung genie­ße und ein ‘Post put­in­scher’ Frie­den alles ande­re als gewiss sei.

Das Ers­te ist ne schlich­te Lüge - eine neu­tra­le Ukrai­ne ist bereits akti­ver Teil des Ver­hand­lungs­pro­zes­ses und war es seit Wochen. Das Pro­blem ist die Aus­ge­stal­tung der Neu­tra­li­tät (Sicher­heits­ga­ran­tien, wei­te­re Mili­ta­ri­sie­rung der Ukraine, …).

Das Zwei­te ist ein Pleo­nas­mus. Ein Frie­de - inner­halb unse­rer neu­en, gran­dio­sen, euro­päi­schen Frie­dens­ord­nung - jetzt neu - in hoch­ge­rüs­te­ter, abschre­cken­der, aber auch akti­ve­rer (wei­ter weg von Euro­pa) Form, ist immer alles ande­re als gewiss. Der Pleo­nas­mus besteht bereits initi­al, aber neh­men wir hier die kon­kre­te Aus­for­mung ruhig mit.

Der Stan­dard fin­det sich an die­ser Stel­le aber schon einen auf­stre­ben­den Sophis­ten für ein Kom­men­tar, der dumm genug ist nicht zu mer­ken dass er mit sei­ner Argu­men­ta­ti­on ande­re Mög­lich­keit eines Kriegs­aus­gangs, die nicht in “kom­plet­te Ver­trei­bung der rus­si­schen Inva­so­ren” bestehen, zur Gän­ze ausschließt.

So ver­blö­det kann ich mich gar­nicht geben, dass mir das nicht noch wäh­rend des For­mu­lie­rens auffällt.

Wobei - kom­plett ver­blö­det kann Ralph Janik auch nicht sein, denn er erwähnt ja dezi­diert das Model Afgha­ni­stan als idea­le Lösungs­op­ti­on. Mehr dazu am Ende des Beitrags.

Zwei­te Proklamation:

Franz­o­bels Kom­men­tar, dass er aus Grün­den der Gewalt­frei­heit für pas­si­ven Wider­stand, und har­te Wirt­schafts­sank­tio­nen wäre, wäre nicht realistisch.

Gut, hät­te ich eben­falls aus­ein­an­der­ge­nom­men. Der Teil der Kri­tik geht in Ord­nung - wobei der Ver­weis “auto­ri­tä­re Staa­ten wei­sen eine hohe Sank­ti­on­s­im­mu­ni­tät auf” wie­der einer der ver­damm­ten Tal­king­points ist, die ich bereits zum 23 Mal gehört habe -- und im Hin­blick dar­auf, dass wir gesell­schaft­lich gleich­zei­tig immer noch stark auf einen Sank­ti­ons­me­cha­nis­mus bau­en, wirkt das als Argu­ment - dass man mora­lisch für einen lan­ge anhal­ten­den Krieg sein müs­se - wirk­lich gänz­lich deplatziert.

Jetzt wer­den im Fal­le Franz­o­bels, von Ralph Janik die­se bei­den Argu­men­te (Sank­tio­nen und Pas­si­ver Wider­stand) aber nur her­an­ge­zo­gen um sie zu wider­le­gen. Das Haupt­ar­gu­ment Franz­o­bels “Zu Kriegs­be­ginn war ich über­zeugt, es wäre klü­ger, die Ukrai­ne wür­de kapi­tu­lie­ren, eine Exil­re­gie­rung bil­den, die Bevöl­ke­rung zu fried­li­chem Wider­stand auf­ru­fen und mit­tels inter­na­tio­na­ler Sank­tio­nen ver­su­chen, Russ­land zu stop­pen. Ich bin es immer noch.” wird davon nicht berührt. Denn hier haben wir es mit einer Abwä­gungs­fra­ge zu tun. Dh. selbst eine hohe Sank­ti­on­s­im­mu­ni­tät, wäre hier gegen Leid und ver­wirk­tes mensch­li­ches Leben gegen­zu­rech­nen. Aber genau das ist es was als Betrach­tung öffent­lich nicht mehr statt­fin­den darf. In der bes­ten aller mög­li­chen Wel­ten, hat der bes­te aller mög­li­chen Hel­den­prä­si­den­ten, die bes­ten aller mög­li­chen Ent­schei­dun­gen getrof­fen, um muss jetzt lei­der noch kurz Russ­land kom­plett besie­gen, um sei­ne Part­ner zur Gän­ze zufriedenzustellen.

Also wird gegen zwei Argu­men­te geschos­sen, die das Grund­ar­gu­ment nicht direkt berüh­ren. Hier die ver­such­te Wider­le­gung des Zweiten:

Ein ent­schei­den­der Erfolgs­fak­tor sind Über­läu­fer aus den Rei­hen der Armee oder Poli­zei, die fried­li­che Pro­tes­te nicht gewalt­sam nie­der­schla­gen wol­len. Das lässt sich nicht 1:1 auf Beset­zun­gen frem­der Staa­ten ummün­zen. Der rus­si­sche Trup­pen­ab­zug aus Afgha­ni­stan wur­de jeden­falls nicht auf fried­li­chem Wege herbeigeführt.”

Vom Zeit­ho­ri­zont irgend­wann mal in drei Jah­ren ange­sie­delt, wenn kein Kriegs­recht mehr aus­ge­ru­fen ist, und die loka­le Poli­zei wie­der Pro­tes­te managt. Oder auf Über­läu­fer im Mili­tär setzend.

Wir hal­ten noch­mal fest, man dür­fe nicht auf gewalt­frei­en Wider­stand set­zen, da die Ukrai­ne auf Über­läu­fer aus dem rus­si­schen Mili­tär bau­en müsse.

Und schon hat man zwei vali­de Posi­tio­nen mit kom­plet­tem Schwach­sinn weggehetzt.

Jetzt muss man aber noch die Öffent­lich­keit über­zeu­gen, also lässt man noch ein paar hoch emo­tio­na­le Kom­men­ta­re durch, die gegen Intel­lek­tu­el­le het­zen, da die­se abseits der Rea­li­tät [jetzt wird erst noch­mal ordent­lich wei­ter gestor­ben] leben würden.

Die Polen etwa leb­ten bis vor 30 Jah­ren (rech­net man die Tur­bu­len­zen der Post-Wende-Jahre dazu, bis vor 25 Jah­ren) in einer Dau­er­kri­se, ver­bun­den mit exis­ten­ti­el­len Ängs­ten und Stress. Ein Teil der Gesell­schaft ris­kier­te sein Leben für diver­se Idea­le. Das mach­te sie resi­li­en­ter gegen­über Kri­sen. Sie sehen die­sen Krieg und den Kampf mit ganz ande­ren Augen als die West­ler. Sol­che Gedan­ken wie die von lin­ken west­li­chen Intel­lek­tu­el­len wird man dort ver­ge­bens suchen. Und ja, das ist eine rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung. Die Ukrai­ne hat kei­nen ande­ren Aus­weg als wei­ter zu kämp­fen. Putin ver­steht nur die­se Sprache.

ICH HASSE DIESE GESELLSCHAFT. (Das ist, inklu­si­ve der spe­zi­fi­schen Ver­wen­dung des Resi­li­en­z­be­grif­fes, übri­gens die Umset­zung (Ope­ra­tio­na­li­sie­rung) die­ser ECFR For­de­rung die Gesell­schaf­ten jetzt dahin­ge­hend poli­tisch zu mani­pu­lie­ren eben­falls für eine lan­ge anhal­ten­de Mili­ta­ri­sie­rung zu sein. Da bekommt grad wer Alp­bach Brow­nie points. (Sie­he auch: Pon­to Think­tank - Inte­gra­ti­on in Alp­bach))

Fas­se aber trotz des immensen, hoch­ko­chen­den Has­ses, noch­mal zum ein­fa­che­ren Ver­ständ­nis zusammen:

Am 31.03. beginnt der Atlan­tic Coun­cil mit dem Messaging, dass die Ukrai­ne mehr Offen­siv­waf­fen for­dern sol­le (non dis­tinct, um kei­ne öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen zu pro­vo­zie­ren), um für einen lan­ge anhal­ten­den Stel­lungs­krieg (jetzt mit pro­non­cier­te­ren Fron­ten im Osten) gewapp­net zu sein.

Am 02.04. greift ein Bera­ter des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten (Selen­skyj ist mitt­ler­wei­le offen­bar nicht mehr die ers­te Per­son, wenn es um die öffent­li­che Dar­le­gung stra­te­gi­scher Posi­tio­nen geht - Bera­ter und nicht er selbst, haben heu­te auch bereits die Gräu­el­ta­ten in Butscha kom­men­tiert) den Tal­king Point des Atlan­tic Coun­cil auf und for­dert nun­mehr eben­falls Angriffs­waf­fen - ohne zu sehr zu spe­zi­fi­zie­ren (das ist der neue Aspekt), jedoch nicht wie vom Atlan­tic Coun­cil skiz­ziert “um den Krieg wei­ter zu pro­lon­gie­ren (war of attri­ti­on, Afgha­ni­stan Model)”, son­dern um “wei­te­re Gebie­te zurück­zu­er­obern und rus­si­sche Trup­pen gänz­lich aus der Ukrai­ne zu vertreiben”.

Am 03.04 fin­det sich der Stan­dard einen auf­stre­ben­den Euro­pa­recht­ler, der feh­lar­gu­men­tiert um ALLE Optio­nen außer einem voll­um­fäng­li­chen Sieg der Ukrai­ne und der Ver­trei­bung aller rus­si­scher Trup­pen, als Lösung öffent­lich aus­zu­schlie­ßen, dabei über die eige­nen ein­ge­setz­ten rhe­to­ri­schen Mit­tel stol­pert, und neben­bei noch öffent­lich gegen Leu­te mit ande­ren Posi­tio­nen hetzt. Da die­se nicht trag­bar sei­en, da ja kom­plett dane­ben. (Wer­tung)
Und schlägt, eben­falls ganz neben­bei, jede Opti­on außer einen lan­ge andau­ern­den Krieg per Defi­ni­ti­on als Lösungs­op­ti­on kom­plett aus - um voll­ends beim Atlan­tic Coun­cil Stand­punkt anzu­do­cken. (Neu­tra­li­tät ist nicht genug, Putin wird abge­setzt ist nicht genug, …)

Will sich dem aber nicht stel­len und schiebt noch schnell fol­gen­des Reframing nach:

Dar­aus folgt kei­ne west­li­che Kriegs­geil­heit, ganz im Gegen­teil. Die EU-Mitglieder sind “post­he­roi­sche Gesell­schaf­ten, in denen krie­ge­ri­sche Gewalt und die damit ver­bun­de­nen Wer­te kei­ne bedeu­ten­den Wer­te spie­len”, wie es der deut­sche Poli­tik­wis­sen­schaf­ter Her­fried Münk­ler beschreibt.

Damit aber immer noch nicht genug - sieht er, der Euro­pa­recht­ler, wie das Atlan­tic Coun­cil, dezi­diert Afgha­ni­stan als Vor­bild, wie der Kon­flikt in der Ukrai­ne gelöst wer­den müsse.

Stan­dard Kom­men­ta­to­ren, gegen Intel­lekt, gegen die Wirk­lich­keit (Neu­tra­li­tät ist ein Ver­hand­lungs­ge­gen­stand), gegen die vor­geb­li­chen Zie­le der Ukrai­ne (“wol­len kein zwei­tes Afgha­ni­stan wer­den”) - aber für die Het­ze gegen abwei­chen­de Mei­nun­gen. Bei gleich­zei­ti­gem Ando­cken an den Atlan­tic Council.

Wenn auch du wis­sen willst, wel­che Mei­nung du mor­gen noch aus­spre­chen darfst, lies auch du heu­te schon die Qua­li­täts­zei­tung dei­ner Wahl.

DIESE GESELLSCHAFT IST DAS ALLERLETZTE.

edit: Der Stan­dard ist hier aber selbst­re­dend nicht allei­ne, die Atlan­tic Coun­cil Tal­king­points [offen­si­ve wea­pons, but used defen­si­ve­ly; Ukrai­ni­ans can and should (moral­ly) win] fin­den sich heu­te u.a. auch bei Times Radio (click und click) und anderen.

edit2: Eric Frey for­dert jetzt auch mehr Waf­fen - ist sich aber nicht sicher wel­che, weil - non dis­tinct. Schwer müss­ten sie sein..

Dafür wer­den auch schwe­re Waf­fen wie Pan­zer und Artil­le­rie­ge­schüt­ze, viel­leicht auch Jets, benö­tigt. Die Mas­sa­ker an ukrai­ni­schen Män­nern im Kie­wer Vor­ort Butscha zei­gen die Dring­lich­keit sol­cher Lieferungen.

edit3: 18.04. Mehr Het­ze gegen betei­lig­te Parteien:
click und click

edit4: 20.04. Ich hab gehört, die Öffent­lich­keit will mehr Het­ze? click

We need more BANG.

02. April 2022

Ah, das Atlan­tic Coun­cil, hats end­lich geschafft bei Selen­sky­js Regie­rungs­man­schaft durch­zu­klin­geln - zum Ver­gleich, das war ihre Posi­ti­on - Stand 31. März: click.

Vor drei Minuten:

Ukrai­ni­an pre­si­den­ti­al advi­ser calls for hea­vier wea­pon­ry from the West as Rus­sia shifts mili­ta­ry focus

[…]

 ‘Afgha­niz­a­ti­on’ is when the­re is a strong guer­ril­la resis­tance across the coun­try that inflicts hea­vy los­ses on the aggres­sor for many mon­ths or even years and thus signi­fi­cant­ly wea­kens the power of the occupier’s army,” he said. “Such actions took place during the Soviet Union’s attempt to con­trol Afgha­ni­stan: Afghan guer­ril­las des­troy­ed and wea­ke­ned the Soviet occu­p­iers for years. As a result, wea­ke­ned Rus­sia as a whole.”

Pod­olyak con­ti­nued, “Some of our part­ners belie­ved that some­thing simi­lar could hap­pen in today’s Ukrai­ne. The Rus­si­ans think other­wi­se. They have estab­lis­hed in the east and south and are dic­ta­ting har­sh con­di­ti­ons. So we defi­ni­te­ly can’t do without hea­vy wea­pons if we want to unblock the east and Kher­son and send [back] the Rus­si­ans as far as possible.”

src: click

Neu­es Nar­ra­tiv: Wer kei­ne Offen­siv­waf­fen schickt ist ne Pus­sy. (Was sind eigent­lich Offen­siv­waf­fen?)

Our part­ners must final­ly under­stand that the ‘Afgha­niz­a­ti­on’ they want and the long-lasting exhaus­ting con­flict for Rus­sia will not hap­pen,” Pod­olyak said. “Rus­sia will lea­ve all Ukrai­ni­an ter­ri­to­ries except the south and east. And will try to dig in the­re, put in air defen­se and shar­ply redu­ce the loss of its equip­ment and personnel.”

Die Ukrai­ne wird gewinnen!

Gut, da ist das Atlan­tic Coun­cil noch ande­rer Mei­nung, aber das kannst du als Bera­ter des Prä­si­den­ten ja schlecht aussprechen…

Ukrai­ne is cur­r­ent­ly in despe­ra­te need of swift poli­ti­cal decisi­ons in Wes­tern capi­tals to pro­vi­de the coun­try with a wide ran­ge of offen­si­ve wea­pons. This is the only mea­su­re that can rea­listi­cal­ly stop Putin in Ukrai­ne. It is futi­le to expect Ukrai­ni­an con­ces­si­ons at the nego­tia­ting table to satisfy Rus­sia. Such thin­king is actual­ly far more likely to encou­ra­ge Putin, lea­ding to fur­ther acts of inter­na­tio­nal aggres­si­on in Ukrai­ne and beyond.

[…]

Putin will pur­sue the­se cri­mi­nal goals until he is stop­ped. Unless the West pro­vi­des Ukrai­ne with suf­fi­ci­ent wea­pons in the very near future, the­re may soon be no Ukrai­ne to defend. 

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Regi­me­chan­ge durch einen lan­ge andau­ern­den Auf­rei­bungs­krieg, und dar­auf­fol­gen­de innen­po­li­ti­sche Kon­flik­te in Russ­land, oder Tot!

DW kennt sich grad garnicht mehr aus

02. April 2022

Moment, Putin hat schon ver­lo­ren, aber der Krieg ist jetzt fest­ge­fah­ren, aber eigent­lich nur um Kiev rum, im Osten wird Russ­land noch mal sei­ne Bemü­hun­gen ver­stär­ken, und eigent­lich ist es nicht akzep­ta­bel, wenn ein Land ein ande­res in Euro­pa so spal­tet, aber eigent­lich hat Putin noch eine Rei­he ande­rer Optio­nen, aber Russ­land darf eigent­lich nicht gewin­nen, aber für die Ukrai­ne reichts schon, wenn sie nicht ver­liert dann hat Russ­land ver­lo­ren und die Ukrai­ne gewon­nen, unter Anfüh­rungs­zei­chen (in die Kame­ra gezeigt), und eigent­lich ist es mög­lich, dass Russ­land Kiev nur ange­grif­fen hat, damit der Wes­ten schluckt, dass Russ­land nur den Osten der Ukrai­ne bekommt, aber das Wich­tigs­te ist, dass Putin jetzt ver­liert… Aber eigent­lich hat er ja schon verloren.

Ja ver­dammt, hät­te uns doch jemand gesagt, dass wenn wir medi­al Hel­den­my­then fah­ren und noch mehr Leu­te dazu bewe­gen hoch­mo­ti­viert in den Krieg zu zie­hen, das auf nen Zer­mür­bungs­krieg über vie­le Jah­re hin­aus­läuft, bei dem wir Russ­land und uns selbst wirt­schaft­lich in einer loo­se loo­se Situa­ti­on lang­fris­tig scha­den, den Leu­ten in der Ukrai­ne auf Dau­er am meis­ten Leid zufü­gen und dass Russ­land eigent­lich alle Optio­nen offen hat, Land­ge­win­ne zum Sieg zu erklä­ren, oder nicht. Und hät­te uns doch jemand gesagt, dass eine Ukrai­ne ohne Mee­res­ver­bin­dung, die lang­fris­tig ein Abneh­mer von huma­ni­tä­rer Hil­fe gewor­den ist, und sich auf unsi­che­re Waf­fen­still­stands­ab­kom­men stüt­zen muss, wirt­schaft­lich für Inves­ti­tio­nen nicht sehr attrak­tiv ist… Sor­ry, jetzt habe ich doch glatt ver­schwie­gen, dass wir das für unse­re west­li­che Wer­te­ord­nung machen. Wäh­rend der Welt­hun­ger zunimmt (aktu­el­le Schät­zun­gen 2 Mil­li­ar­den Men­schen stark betroffen).

- War of attri­ti­on - am 20.02 im Blog
- Russ­land hat alle Mög­lich­kei­ten - am 19.03. im Blog
- US und Nato (mit Wes­tenTM) wol­len Regi­me­chan­ge - am 26.03. noch vor der Biden Rede im Blog (ange­deu­tet bereits am 19.03.).
- Russ­land hat an der Gren­ze nicht die Trup­pen für eine Inva­si­on der gesam­te Ukrai­ne ste­hen am 25.01. im Blog

Na gut, aber einem CNN Opi­ni­on Autor ist fol­gen­des bereits am 25.03. aufgefallen:

Incre­a­singly, Ukrai­ni­ans from many walks of life tell me that they feel as if the coun­try is exe­cu­ting a pro­xy war for the West -- pushing back a super­power so as to pro­tect coun­tries on NATO’s eas­tern flank. In several pas­sio­na­te addres­ses to various par­lia­ments, Zelen­sky has pret­ty much said as much.

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Also passt das schon.

edit: Der Gene­ral ist auch nicht so ganz am neu­es­ten Stand und spricht von “Lage­bil­dern” die die Ukrai­ne wahr­schein­lich vom Wes­ten bekom­me. Ne, sie bekom­men schon Echt­zeit­auf­klä­rungs­da­ten vom Gefechts­feld - des is jetzt a bis­serl was ande­res. Das ist auch ein Gut­teil der “Moral” der die Ukrai­ner so effek­tiv wer­den lässt, denn die Kampf­füh­rung bei Angrif­fen Russ­lands war bis­her meist die Gefechts­ein­hei­ten unge­hin­dert durch­zu­las­sen, dann die Ver­sor­gungs­ein­hei­ten anzu­grei­fen, und dann nach eini­gen Tagen Säu­be­rungs­ein­hei­ten zu den Kampf­trup­pen zu schi­cken. Das meint man dann damit, wenn man in der Öffent­lich­keit erwähnt “wie mobil (und damit effek­tiv) die ukrai­ni­schen Ein­hei­ten wären”.

edit2: The Agen­da hat auch noch ein­mal nach-analysiert:

(“When Putin speaks publicly he is angry and emo­tio­nal” you can check for your­sel­ves if you want to - Last Putin speech: click, March 16th Putin speech: click (“Scumm and trai­tors” speech.) - bewa­re of rus­si­an pro­pa­gan­da stand­points being flaun­ted of cour­se. But the same could be said about the Atlan­tic Coun­cil (“Want to hurt Putin? Back a brain drain from rus­sia.”) a repre­sen­ta­ti­ve of which is inter­view­ed in this video.)
edit3: Ein paar Lügen der west­li­chen Pro­pa­gan­da aus dem Video: “Rus­sia enga­ged in ban­ned per­so­nal land­mi­ne use.” Russ­land hat die ent­spre­chen­de Dekla­ra­ti­on nie unter­zeich­net. Der Feind ist viel schwä­cher als erwar­tet, wir sind viel stär­ker als erwar­tet, des­halb ist die best­mög­li­che Tak­tik aktu­ell die Ukrai­ne so lan­ge im Krieg zu hal­ten wie mög­lich, denn je län­ger die Ukrai­ne im Krieg ist, des­to mehr schwächt das Russ­land [gemeint: innen­po­li­tisch], des­halb müs­sen wir jetzt auch die Waffen-Kategorien die wir der Ukrai­ne zur Ver­fü­gung stel­len aus­wei­ten, damit sie über­haupt die Mög­lich­keit haben solan­ge durch­zu­hal­ten (Hel­den­mut, Moral und Coun­ter­of­fen­si­ven, …), “Putin may have con­vin­ced hims­elf of his own rhe­to­ric, that the US and their allies are out to des­troy rus­sia in its ent­i­re­ty.” - Also, genau­ge­nom­men ist Regi­me­chan­ge als “ein­zig akzep­ta­ble Form, wie die­ser Krieg zu enden hat”, also der Biden Sager, nicht ein­zig Putin Rhe­to­rik, an die der Wahn­sin­ni­ge irgend­wann mal begon­nen hat selbst zu glau­ben. Son­dern das wor­an alle drei hier inter­view­ten Exper­ten glauben. 

Zusatz: Wür­de Putin durch einen noch extre­me­ren Hard­li­ner ersetzt wer­den, der eben­falls unter der Ägi­de der rus­si­schen Diens­te steht, wür­den die Sank­tio­nen nicht enden. Da muss schon Regi­me­chan­ge her… Sol­che Optio­nen wer­den gera­de theo­re­tisch durch­ge­spielt. Ohne welt­wei­te Demü­ti­gung Russ­lands, darf es aus west­li­cher Sicht nicht zu einem Ende des Kriegs kom­men. Wir kämp­fen hier ja immer­hin um die Auf­recht­erhal­tung unse­rer Sicher­heits­ar­chi­tek­tur (nach Para­dig­men­wech­sel). (“Russ­land könn­te sonst in eini­gen Jah­ren einen neu­en Angriff starten.”)

Noch ne hal­be Lüge mehr - Russ­lands Schwie­rig­kei­ten öko­no­mi­sches Wachs­tum auf­recht zu erhal­ten, bestehen nicht erst seit dem Sank­ti­ons­re­gime begin­nend in 2014. (GDP Kur­ve: click). Ja, jein -- 

das (sowie die Fer­tig­stel­lung der Infra­struk­tur­pro­jek­te in Sochi, und der annä­hern­den Fer­tig­stel­lung der Nord­stream Pipe­line) war der Grund für die schlech­te Per­for­mance 2013, der Welt­bank zu Folge:

Wea­ker growth poten­ti­al is also reflec­ted in the sec­tor com­po­si­ti­on of growth. In the first half 2013, growth in key non-tradable sec­tors, such as con­struc­tion, finan­cial ser­vices, trans­port and com­mu­ni­ca­ti­on slo­wed dra­ma­ti­cal­ly and is not com­pen­sa­ting any­mo­re for the gra­du­al­ly dete­rio­ra­ting indus­tri­al per­for­mance, and the manu­fac­tu­ring of trad­ables, in particular.

Con­si­de­ring the­se obser­va­tions, over­co­m­ing struc­tu­ral chal­len­ges to the Rus­si­an eco­no­my and its growth would need to con­sti­tu­te an important aspect of growth-stimulating poli­ci­es. For Rus­sia, this would con­sti­tu­te a shift from the growth model fol­lo­wed in the past, which focu­sed at sti­mu­la­ting domestic demand. As struc­tu­ral chal­len­ges beco­me bin­ding, cons­traints such as non-competitive sec­tors and mar­kets would need to be addres­sed to lift Russia’s growth potential.

Das traf eben­falls zu:

The eco­no­my is clo­se to its cur­rent growth poten­ti­al. Des­pi­te the obser­ved broad-based slow­down in the eco­no­my, most recent esti­ma­tes show that the level of capa­ci­ty uti­liz­a­ti­on remai­ned clo­se to 80 per­cent in the first half of 2013. That is com­pa­ra­ble with rates obser­ved in 2006 and 2007, when the eco­no­my was expan­ding at 8 per­cent annu­al­ly. Given the still-tight labor mar­ket and the depres­sed invest­ment acti­vi­ties of the last four quar­ters, it appears that the eco­no­my could be run­ning very clo­se to its maxi­mum capacity.

Dazu kam dann noch ein Ein­bruch der Export­nach­fra­ge ande­rer Län­der (glo­bal demand) -

und danach kam das Sank­ti­ons­re­gime, vor und nach der Anne­xi­on der Krim.
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